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sein besorgter blick von dem Greise erraten, dann reichte er ihm lächelnd die Hand. "Du wirst Fennimor jetzt meine Stelle ersetzen," sagte er – "ich fürchte nicht mehr mein nahes Ende, und ein Vaterland wird sie überall finden, wo sie geliebt wird."

Crecy hatte oft nicht den Mut, in solche Andeutungen einzugehen, aber er fühlte dennoch immer lebendiger heraus, wie gross und Besorgniss erregend die Veränderung sein würde, die Sir Reginalds Tod jetzt hervorbringen müsste, wo seine Verhältnisse Fennimor für den Augenblick weder eine Zuflucht bei ihm, noch Rechte darauf geben konnten.

Es findet sich am häufigsten, dass wir einen eigenen Fehler überwinden lernen, wenn wir ihn an Andern in seiner ganzen Stärke, mit allen seinen Nachteilen hervortreten sehen, denn indem die Folgen unser Interesse gefährden, lernen wir selbst uns davon frei machen, indem wir uns dagegen zu sichern suchen.

So gern Crecy die Zukunft erwartete und der Gegenwart ohne weitere Anstrengung in untätiger Musse angehörte, so war dies bei Sir Reginald, entweder durch den zuletzt erwähnten Zustand, oder aus dem kindlich ruhigen Einschlafen eines langen, einförmigen Lebens hervorgehend, in noch viel höherem Maasse der Fall, und dies ruhige, sorglose Erwarten der besorglichsten Zukunft, ohne auch nur mit einem Gedanken dafür eine Einrichtung treffen zu wollen, weckte nun Leonin zu Betrachtungen darüber, die ihn eine Beratung mit Sir Reginald dringend wünschen liessen. –

Als sie sich so einst wieder erraten hatten und Sir Reginald, wie früher, jede sorge für Fennimor in ihm erledigt hielt, dankte ihm Leonin herzlich für sein Vertrauen, und da Fennimor's Abwesenheit ihn unbehindert liess, suchte er ihn zu einer beratenden Mitteilung zu bewegen: "Fennimor wird als meine Gattin, hoffe ich zu Gott, allen Schutz geniessen, den Ihr mit Recht voraussetzt; aber denkt selbst, dass ich Euch bald verlassen muss, dass ich nicht wissen und bestimmen kann, wie lange mich die Fundirung meiner Angelegenheit, die ich zu Fennimor's Gunsten selbst nicht übereilen darf, von dieser lieben Stelle trennen wird; denkt, dass Fennimor bis dahin keine Rechte an mich hat, und ich keine an sie vor der Welt darf geltend machen, und fühlt dann meine Besorgnisse für ihre nächste Zukunft, wenn indess der schmerzliche Augenblick einträte, dessen Ihr jetzt so oft gedenkt, dass Ihr mich selbst sein Möglichkeit habt annehmen lassen."

Sir Reginald schwieg nach diesen Worten lange, und blickte ernst und mit sichtlicher Erweichung in die Ferne. "Mein Sohn," sprach er dann – "Du bist weiser für die Welt bei Deiner Jugend, als mich das Alter, das uns von der irdischen sorge bei ihrer erkannten Geringfügigkeit abzieht, erhalten hat. Du hast Rechtes liegt bis zu Fennimor's sicherer Zukunft an Deiner Seite noch ein Zwischenraum, den mein Tod für dieses teure Kind unsanft ausfüllen könnte, und in Wahrheit wäre ihre Lage bei ihrer weichen Seele alsdann bedroht genug. Ich würde sie bis zu Deiner Rückkehr sicher, wenn auch unerwünscht für das liebe Kind, der Lady Gersei haben anvertrauen können; doch ihr Aufentalt in Edinburg und ihre grossen Verhältnisse dort mit all' der Unruhe einer solchen Erbschaft überhäuft, machen dies unzulässig. Mein Sohn lebt leider so entfernt und als Geistlicher an den Platz gefesselt, den er übernommen, dass ich ihn nicht veranlassen dürfte, zu Fennimor herüber zu kommen, so sehr sein edles brüderliches Herz dazu auch bereit sein würde; auch, glaube ich, steht ihm selbst eine Reise nach London bevor, da er sich dort zu vermählen denkt." – Er schwieg, nachdem er so selbst die Schwierigkeiten hervorgehoben, die Fennimor aus seinem tod erwachsen konnten, und sichtlich wusste er sich keinen Rat.

Nicht besser ging es Leonin, und tausend Mal wünschte er diese unselige, unerlässliche Reise schon hinter sich, um mit der ausreichenden Vollmacht eines unabhängigen Mannes Fennimor's Gatte zu werden, und sie gegen jede Zufälligkeit hinlänglich schützen zu dürfen.

"Am liebsten," hob der Alte mit dem Tone an, dem man die erregte Besorgniss anhörte, "am liebsten wird sie Dich hier erwarten wollen, und bei Emmy Gray und ihrem mann bleiben; aber dies ginge wohl, wenn sie Deine Frau wäre, wo sie für sich stehen könnte und man ihr keinen Vorwurf darüber machen dürfte, dass sie mit ihren Domestiken allein bliebe, bis Du zurück kehrtest; so aber würde sie unschicklich handeln, was wir nicht zugeben dürfen, da das gute Kind von der Welt noch nichts weiss und stets geneigt ist, das Natürlichste für das Beste zu haltenauch ist mir schon der Nachfolger ernannt, denn der Lord Gersei will seine Gemeinde nicht ohne geistliche Fürsorge lassen, und dieser mir wohl bekannte Kaplan wird mit einer starken Familie bald hier einziehen, wenn meine Augen sich schliessen, und Fennimor würde viel Schmerz erleben, hier das Haus als Fremdling bewohnen zu müssen, wo sie einst so sinnig schuf und ordnete."

Leonin hörte dem Alten mit Erstaunen zu. Erweckt über diesen Gegenstand nachzudenken, durchschaute er mit folgerechter klarheit alle daliegenden Schwierigkeiten, und hatte sie doch so lange, wie n i c h t existirend, bei Seite schieben können, wo der Gegenstand, den sie betrafen, ihm doch der wichtigste, teuerste auf Erden war. Leonin fühlte die notwendigkeit, hier entscheidend zu helfen, und doch sah er weder eine Möglichkeit d a f ü r , noch gestattete ihm sein zärtliches Gefühl