befundenes Vermögen später zuliessen. Diese Täuschung, die er in einem Alter erfuhr, wo er mit dem ganzen Uebermute eines hochmütigen und sinnlichen Charakters dem Leben schon jeden materiellen Genuss abgefragt, und von der Magie des Reichtums eine um so höhere idee gefasst hatte, als er gefunden, wie sie am leichtesten die Wege des Lasters verdecke, erfüllte ihn mit der bittersten Empörung gegen ein los, das ihm nur noch eine sparsame Revenue und ein dadurch heruntergekommenes Ansehn in seiner ganzen gesellschaftlichen Stellung übrig liess, Er grollte der ganzen Welt, die ihm begünstigter schien, als er es war; er grollte namentlich dem ganzen Kreise, in dem er als reicher Marquis mit dem vollsten Uebermut solcher Vorrechte gelebt, und welcher ihn jetzt mit mitleidiger Gleichgültigkeit oder höhnisch verratener Freude von einem platz verdrängt sah, den er mit so viel Anmassung eingenommen hatte; und er überwand nur den bittern Schmerz dieser Demütigung, um sich der Mittel in seinem listigen geist bewusst zu werden, die ihn ohne das Erforderniss seiner bisherigen Unterstützungen zum Herrn seiner Feinde machen sollte.
Wir hoffen, unsere Leser erlassen uns gern die Verfolgung des geheimen Lebens eines Mannes, das er selbst mit der höchsten Feinheit seinen nächsten Umgebungen zu entziehen wusste. Sein Hauptgrundsatz war: Niemandem sei Vertrauen zu schenken und das Vertrauen Aller zu erringen. Er setzte sich in den Besitz aller Geheimnisse, aller Angelegenheiten, die nur entfernt das Eigentum der Personen waren, mit denen er leben wollte, oder die ihm behülflich werden mussten zu seinen Zwecken. Trotz seiner Jugend hatte er beständig ein ernstes, kaltes und abgemessenes Wesen, er schien nur gezwungen sich dem Vertrauen Anderer hinzugeben, und indem er immer ablehnend war, fesselte er gerade das Interesse, zog dadurch an und schien eine grössere Sicherheit zu versprechen. Es war leicht zu bemerken, wie er gelegentlich, gleichsam zufällig, anzudeuten wusste, wie ihm Geheimnisse und Verhältnisse der höchsten Personen bekannt waren, die er sich doch sehr wohl hütete aufzudecken, wenn sie ihm den Dienst geleistet, ihn da, wo er es brauchte, wichtig erscheinen zu lassen; er hatte sich dadurch auch das für ihn höchst belohnende Gefühl verschafft, gefürchtet zu sein, und hiermit den Platz errungen, der ihn allein über den Verlust seiner früheren Verhältnisse zu trösten vermochte.
Durch seine Mutter war er der Marschallin von Crecy verwandt und derselben bei ihrem tod dringend empfohlen. Nicht lange betrat er dies Haus, ohne das ganze Terrain darin mit Ueberlegenheit zu überschauen, und es höchst bequem zu finden für seine Neigungen. Den Marschall liess er bald mit einem mitleidigen Lächeln, als gänzlich der Beachtung unwert, bei Seite, da er schnell erkannte, er habe in seinem eigenen haus, wie im staat nur noch den Platz eines zur Ruhe gesetzten Invaliden. Schärfer fasste er die Marschallin auf, die in der Tat keine schnelle Beute fremder Willkür werden konnte – aber, sie hatte ja Schwächen in Fülle – ihr Hochmut, ihr Ehrgeiz, der sie gegen Beherrschung schützen sollte, musste sie gerade diesem gewandten Machinisten in die hände spielen, und er hatte ihr Vertrauen, ehe sie es ahnete, er änderte und beherrschte schon ihre Pläne, als sie noch glaubte, sie brauche ihn nur gelegentlich, die ihrigen zu fördern.
Vom ersten Augenblicke an hasste er Leonin. – Dies sorglose, weiche Kind des Glückes, das so wenig die unermesslichen Vorzüge von Rang und Vermögen zu schätzen, ja, sie ihm so wenig zu verdienen schien, gering mit den Eigenschaften ausgestattet, die ihm allein wichtig waren und ihn verächtlich von den Vorzügen denken liessen, die Leonin als Ersatz glänzender Geistesfähigkeiten besass. Dies Wesen, das in dem ruhigsten Gleichmute und der grössten Sicherheit sein sorgloses Leben genoss, und spielend den Reichtum verbrauchte, als könne es gar nicht anders sein, nach dessen Besitz in ihm die ungemessenste Begierde glühte, erfüllte ihn mit einem so heftigen Neide, mit einem so bitteren Hasse, dass das Haus der Marschallin für ihn einen Reiz bekam, den ihm kein anderes Gefühl mehr gewährte. Dass Leonin sich ihm anschloss – brüderlich und mit der grossmütigsten Hingebung ihn jeden Vorzug dieser Lage fast zu teilen z w a n g , versöhnte ihn nicht, und er ertrug nur seine Gesellschaft, um ihn zu verachten und, wo möglich, zu lehren, dass sein Glück zu erschüttern sei. Schon wünschte er dazu die Reise des jungen Grafen mitzumachen; aber zu stolz, deshalb gefügige Schritte zu tun, sah er auch zu bald ein, wie der gute Abbate Mafei ihm wohl nicht ganz traute und Alles tat, sich diesen gefährten entfernt zu halten. Er blieb daher in der ruhigen Sicherheit, sein bezeichnetes Opfer dennoch gewiss zu haben, bei der Marschallin zurück, entschlossen, hier indessen so viel Boden zu gewinnen, dass er fest stehe bei der Rückkehr des sorglosen Glückskindes.
Es war der Marquis de Souvré, den die Marschallin herbeirufen liess, und bald sah er sich in dem ganzen Vertrauen der besorgten Mutter.
Wie immer, gab er halb zu, was sie sagte, um desto besser sie zu seiner Meinung überführen zu können, und indem er sie noch ruhig sprechen liess, sagte sie ihm schon nichts mehr, als was er zu hören wünschte. Mit der grössten Sprödigkeit nahm er ihre Bitten auf, selbst nach Schottland zu gehen und ihres Sohnes Lage dort nicht allein zu erforschen, sondern ihn frei zu machen und so schnell, als möglich, zurück zu führen. Erst, als seine Eiwilligung ihr die