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, fragte er plötzlich: 'Willst du doch hinaus?' – Du kannst denken, dass ich verwundert war und ihn fragte: ob er etwas dagegen habe? Da sagte er: ich sollte ihn nicht auslachen, aber meine selige Mutter habe die ganze Nacht vor ihm geweint und ihn gebeten, er solle mich nur heute nicht hinauslassen, und habe mich ihm gezeigt, wie ich mit einem Kranze geschmückt dastand, und ein schwarzer Leichenschleier drüber hinsank und mich für immer verhüllte. Das habe ihn so erschüttert, dass er es gar nicht vergessen könne." –

"O mein Gott! warum bliebet ihr denn nicht zu haus, Miss Fennimor?" –

"Weil der gute Vater es nicht leiden wollte, denn er meinte, es sei eine Schwäche, und er wolle sie sich nicht gestatten. Da musste ich gehen und spürte auch keine Furcht, bis der Jagdzug nahe kam und an Dich dachte."

So waren die Frauen mit ihrem stumm aufmerkenden Führer die Richtung des Parkes durchgegangen, die sie nach der Abtei zuführte; und jetzt riss sich Fennimor plötzlich los und rief: "Dort kommt der Vater!"

Eine ehrwürdige, vom Alter gebeugte Gestalt mit silberweissen Locken, in einem einfachen schwarzen Hausleibe trat ihnen jetzt entgegen, und empfing die zu ihm eilende Tochter in seinen Armen.

"Wer ist dieser Herr?" fragte der junge Graf seine langsamer folgende Gefährtin.

"Es ist Sir Reginald Lester, der Kaplan von Stirlings," erwiderte die junge Frau, und jetzt hatten sie sich der interessanten Gruppe genähert, ohne von ihr bemerkt zu werden. Der Vater hatte das geliebte Kind so fest an seine Brust gedrückt, dass das Mädchen, um ihn anblicken zu können, sich weit hinten übergebogen hatte; die Locken ihres reichen Haares teilten sich dadurch von der weissen Stirn, und der Vater blickte mit dem unbeschreiblich rührenden Ausdruck innigster Befriedigung in dies schöne, offen vor ihm liegende Gesicht.

"Da hast Du uns wieder," sprach sie freundlich, "heil und gesund, wie wir Dich verlassen; aber grosser Gefahr sind wir alle nur kaum entkommen, ein gehetzter wilder Eber hätte uns gern alle verschlungen."

"grosser Gott," sprach Sir Reginald – "so war meine sorge doch nicht umsonst!"

"Nein, Vater," sagte das schöne Mädchen heiter, "aber ich habe den Kranz wirklich gewonnen und den Leichenschleier von uns allen abgewehrt, denn glücklich kam ich dazu, das Gitter des Parkes vor dem bösen Gast ins Schloss zu werfen."

"Gott weiss," sagte seufzend Sir Reginald – "was diese wilden Jagdzüge noch für Unheil veranlassen werden! Das gescheuchte wild, das doch unmöglich alles geschossen werden kann, entartet dadurch zu einer wahrhaft gefährlichen Wut." – Jetzt erst gewahrte der Kaplan, seine Augen von der sanft losgegebenen Tochter abziehend, den fremden, jungen Mann und trat ihm sogleich mit einer feinen, ruhigen Verbindlichkeit entgegen. Seine fragende Miene beantwortete Leonin, indem er ihm in einigen höflichen Worten, der Wahrheit nach, sein Zusammentreffen mit den beiden Frauen andeutete.

"Und wem darf ich mich also verpflichtet halten?" erwiderte der Caplan, freundlich ihn begrüssend.

"Ich bin der Graf von Crecy," erwiderte der junge Mann, "und ein Gast des Grafen Gerseidoch bin ich der Verpflichtete, da ich wenigstens des Schutzes t h e i l h a f t i g ward, den Miss Lester ihrer Dienerin gewährte."

"Auch liebt der Herr Graf die Jagdzüge bei Weitem nicht so, wie die übrigen Herren," setzte Fennimor ernst hinzu und betrachtete ihn forschend mit ihren grossen blauen Augen.

"Ruhet dann wenigstens von den bewegten Augen

blicken ein wenig bei uns aus," sprach Sir Reginald, und schritt sogleich voran durch die kunstreich verzierte Bogentür, welche in das Innere der Abtei führte.

Das letzte Stück eines abgetragenen Umganges

machte hier den schönen, reinlich mit Binsendecken belegten Vorflur ausund durch eine kleine gotisch-verzierte Tür trat man in ein grosses Zimmer, welches seine frühere Bestimmung, Kapelle oder Sakristei zu sein, noch wenig verleugnete. Es war ringsum bis zur Mitte der hohen Wände, mit kunstreich geschnittenem Eichenholze bekleidet, wohinter, wie einzeln vortretende Verzierungen vermuten liessen, sich Schränke befinden mochten. Die oberen Wände kränzten sich mit reicher Stuckatur bis zu den Spitzbogen der Decke empor, und entielten in ihren Zwischenräumen grosse Gemälde, die offenbar noch einer früheren Bestimmung angehörten.

drei grosse Fenster, welche in die Spitzbogen der

Decke hinaufreichten und mit bunten Scheiben geziert waren, nahmen die eine Seite des Gemachs ganz ein, da sie nur durch kleine Pfeiler getrennt waren, welche in Holz geschnittene Engel verdeckten; die Seitenfenster erhoben sich erst über der Holzwand, die gleichmässig das Zimmer unterhalb einkleidete, das mittlere dagegen durchbrach die Wand und reichte bis zu dem Täfelwerk des Fussbodens, denn es bildete zugleich eine Ausgangstüre nach dem Buchenwalde, der die Vorhalle dieses zauberischen Aufentalts ausmachte. –

Gegenüber diesem Fenster lag der kollossale Kamin von schwarzem Marmor, und in der Mitte des Zimmers stand ein eichener Tisch, mit grossen geschnittenen eichenen Sesseln umgeben, unter denen ein Teppich von feiner Stickerei ausgebreitet war. Eben so zeigten die Kissen der Stühle in purpurrotem grund Stickereien. Büchergestelle und Schreibtische in ähnlicher Art nahmen den hintern teil des Zimmers ein, und sorgsam gepflegte Gewächse fingen an den Seiten des Mittelfensters die Sonnenstrahlen auf.

Es war unmöglich, dies Zimmer