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die, mit grossen seidenen Fauteuils umstellt und mit dem glänzenden Reisegeschirr des Marquis versehen, ein gar heiteres Bild des Lebens darbot.

Daran grenzten die Schlafzimmer der Damen, und nahe und bequem, zum Schutze leicht erreichbar, die Zimmer der Cavaliers und der Dienerschaft.

Alles war von der Umsicht des Marquis in kurzer Zeit in eine Ordnung gebracht, die dem Orte seinen düstern charakter zu rauben schien, und nach der heiteren Abendmahlzeit den jugendlichen Schlaf durch keine bösen Träume mehr verscheuchte. –

Doch mit dem erwachenden Morgen, mit der heiteren Scene des Frühstücks kehrte auch die Laune der Frauen in ihrer neckenden Fröhlichkeit zurück, und Leonce hatte alle Mühe, sich Gehör zu verschaffen, weil gerade er die Zielscheibe ihres Mutwillens blieb. "Sie werden selbst von Ihrem Mutwillen mehr Vergnügen haben," fuhr er fort, "wenn sie eine Art von Ordnung hineinbringen; denn es ist ausser Zweifel, dass selbst eine so reizende Erscheinung, wie Ihre Laune, doch, wie alles Schöne, dem Geheimnisse des Maasses unterworfen ist. Es ist vergeblich, in dieser elektrischen Wechselwirkung von Witz und Scherz eigentlich leben zu wollendas sind geistige Schwelgereien, meine Damensie rächen sich stets durch Ermüdung und eine gewisse Apatie gegen die einfacheren Beziehungen, die Anforderungen an uns machen."

Beide Frauen hatten während dem ihre Stühle vor Leonce gerückt und Stellungen angenommen, welche ohne Worte die ironische Versicherung entielten, sie wären andächtige Zuhörerinnen, der Belehrung begierig, beschämt so grosser Weisheit gegenüber.

"Ich verstehe Sie sehr wohl," fuhr Leonce fort, "Ihre Pantomime ist eben so ironisch, als gelegentlich ihre Worte; aber ich will mich nun einmal durch nichts von meinem guten Vorsatze, Sie zu einer mässigern Liebenswürdigkeit zu treiben, abbringen lassen, daher möge Ihr Spott mich noch s o lange verfolgen, bis er in meiner Weisheit untergeht."

"Versuchen Sie das, Leonce!" rief Lücile – "wir lieben selbst die unleidlichste Veränderung an uns, wenn sie nur eben Wechsel verspricht; und selbst Weisheit sollte Herberge in uns finden, wenn wir nicht fürchten müssten, wir würden sie nicht wieder los, und würden zuletzt das Opfer dieses unpassenden Gastes."

"Fürchten Sie nichts, liebe Lücile," erwiderte Leonce – "dieser Gast wird Sie mit seiner Gesellschaft nicht über Ihr eigenes Verlangen hinaus belästigen; ja, ich zweifle, dass er sich Ihrer Einladung bei dem ersten Versuche stellt."

"O, Sieur Léonce," rief Margot, "wenn Sie uns die Einladungskarten schreiben, habe ich bei Ihrer Intimität alle Hoffnung zu seiner Erscheinung."

"Trauen S i e namentlich mir h i e r i n nicht zu viel, schöne Cousine! Er macht an mich immer zuerst den unerhörten Anspruch, Ihre schönen Augen zu vergessen, und so sind wir meist auf gespanntem fuss."

"Ha, Lücile, so leere Galanterien schreien zum Himmel!" rief Margot, mit dem kleinen fuss so heftig auf den Boden stampfend, dass ihr Gesicht in Feuer aufglühte. "Sein Sie wenigstens mit allen Ihren Fehlern nicht auch falsch, und erwarten Sie wenigstens von mir nicht, dass ich diesem gehässigsten Laster ein freundliches Lächeln schenken sollich fürchte, ich hasse Sie!"

D'Anville und Lücile begegneten sich bei dieser kleinen Scene mit einem flüchtigen Blicke des Einverständnisses; denn Lücile beobachtete mit ihren klugen Augen ihre kleine lebhafte Cousine unter dem Deckmantel ihrer heiteren Laune in allen Nuancen ihres lebhaften Gefühls, und der ungemeine Wechsel derselben, diese unverkennbare Zuneigung zu Leonce, dies Vertrauen, und doch wieder dies Zürnen, Flüchten und Zurückstossen, schienen auf eine tiefe und ungewöhnliche Erregung schliessen zu lassen, der beide Ehegatten mit Hoffnungen für das Glück ihres lieben Leonce zusahen.

Dieser sah ihr lächelnd und mit grosser Sicherheit nach, als sie an das nächste Fenster flog, als müsse sie sich seinen Blicken entziehen; dann bat er sie zurück zu kommen, und als sie sich niedergesetzt hatte, hob er an, mit einem fast kühnen Blicke sich zu ihr neigend, sie mit ihrem Zorne zu necken. "Und" – fuhr er fort, "läugnen Sie es, wenn Sie können, schöne Margot, Sie haben doch zu mir das festeste Vertrauen, und alle Ihre kleinen, anmutigen, heimlichen Plänchen sind endlich doch darauf gebaut, dass Sie Leonce vertrauen können, und seine Gefühle für Sie Ihnen weder unbequem, noch lästig, viel weniger als eine unverzeihliche Falschheit erscheinen."

Eben wollte Margot diesen neuen Angriff bezahlen, da gebot Lücile Ruhe und verwies alle Parteien zum Schweigen.

"In Wahrheit, eine Pension für unartige junge Leute soll dies alte ehrwürdige Château de la Roche nicht werden" sagte sie – "Ruhe! Frieden gebiete ich, und jetzt, Leonce, werden Sie gleich mit Ihren weisen Plänen hervortreten, auf welche Art Sie unsere Liebenswürdigkeit einfangen wollen, um sie nur gelegentlich und nach einem gewissen schicklichen Kommando hervor sprudeln zu lassen, denn wenn wir uns nicht selbst unterhalten sollen, so tun Sie es jetzt, und sein Sie sicher, dass Ihre Vorschläge eine scharfe Kritik passiren werden."

"Meine Pläne," hob Leonce an, "bestehen in dem natürlichen Vorschlage, auf dem Boden, wo wir uns befinden, bekannt zu werden; wir müssen uns stundenweis versammeln die Chronik des Schlosses, die sich in dem Archive befindet, studiren, von ihr geleitet, den ganzen merkwürdigen alten Bau besichtigen, und die hellen Stunden