sagt diese uralte Ausstattung gerade vollkommen zu, und ich fühle mich, seit wir hier sind, in vollständig guter Lanne! Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich um ein Jahrhundert zu spät gekommen bin, jetzt wäre ich also an der rechten Stelle."
"Aber wir, mein Herr," rief Margot – "wir gehören vollständig zu der bordirten, gepufften, bequasteten Perückenzeit von weiland Louis le Grand, und immer also bleiben wir um ein Jahrhundert auseinander, und während Ihr Eure Jugend feiert, wandeln wir vor Euren klugen Augen, wie die Ahnungen der Zukunft, und Ihr werdet fliehen vor unsern Erscheinungen, um nicht zu früh alt zu werden."
"Du hast Recht," sagte Lücile, "es ist eine neue Kriegslist von Leonce, sich uns zu entziehen, aber sie soll ihm zu nichts helfen. Morgen am Tage lasse ich meine Koffer öffnen, und vor diesem alten Bilde soll Susanne meine Roben und Ballkleider verschneiden, um uns in Costüme zu setzen, dieser Mauern würdig, und unserm langweiligen Vetter Leonce zum Trotze."
"Sie werden in jeder Gestalt reizend sein, meine Damen," sagte Leonce lächelnd; "aber gestehen Sie, dies Gemälde ist kein übles Vorbild zu Ihren Toiletten-Vorsätzen, denn es ist in Wahrheit eine Schönheit, zu der Lücile die blonden Locken, Margot die dunkeln Augen geschenkt zu haben scheint." –
"Sie haben Recht, Leonce, das Bild ist schön! Ich bin eine grosse Kennerin, müssen Sie gestehen, auf den ersten blick traf ich das schönste von allen, denn die übrigen gehörten wohl nicht zu den Favoritinnen des Malers." –
Der Marquis d'Anville war aus dem Nebenzimmer zu ihnen getreten; er hielt sie hier zurück, um, wie sie hofften, im Nebenzimmer einige ansprechende Anordnungen zu machen.
"Dies ist das sogenannte Hofdamen-Zimmer," erklärte er nun, "und dies die Portraits der damals berühmtesten Damen. – Katarina von Medicis versammelte stets die schönsten Fräuleins um sich, und diese steifen Bänke, die an den Wänden herumlaufend, Eure Laune zu reizen, mögen oft mit gar schöner Staffage belebt gewesen sein."
"Wir wollen uns ergeben, Margot! d'Anville tritt auf Leonces Seite" – sagte Lücile, "der Geist ihrer Ahnherren erfasst mit respektuösen Wallungen ihre Brust, sie wünschen die hier verbliebenen Schatten derselben in guter Laune zu erhalten; wir wollen daher auch unsererseits dem frivolen Hofstaate dieser Mediceer-Königin unsere Honneurs machen."
"Und wenn wir die Laune der Geister gütig und friedlich zu stimmen trachteten," lachte d'Anville – "w e m z u L i e b e denn, als unsern holden Gefährtinnen, die zwar zu necken und zu reizen verstehen, aber vor einem wirklichen Kampfe mit den Geistern bald die Flucht ergreifen würden. – Doch, wenn ich nicht irre, glänzt dort ein Name unter dem schönen Bilde."
Alle traten näher – ein alter Wandleuchter, mit dikken gelben Wachskerzen, warf ein helles, schönes Licht auf die Tafel, und der Eindruck, den das Bild ihnen jetzt machte, liess unwillkürlich den Scherz verstummen. – Jugend und Schönheit war es nicht allein, was diese Züge anziehend machte, sondern dass die Augen Jeden leidenvoll flehend anblickten, dass die hände gefaltet wie gefesselt in dem Schooss lagen, und auf der silbernen Robe kein Abzeichen war, als ein Band von Rubinen, das den Hals fest umschloss und dann in einzeln gefassten Steinen lang über die Brust hernieder, in den Schooss hing.
"Ach," rief Lücile ernstaft, indem sie ein Schauer überlief, "dies schöne Wesen war sicher nicht glücklich, sieht ihr Geschmeide doch aus wie einzeln fallende Blutstropfen!"
"Du hast Recht," sagte d'Anville, von dem Gemälde zurücktretend, wo er die Unterschrift gelesen, "es ist Eudoxia, das schöne fräulein von Nemours, welche, wie man sagt, durch Katarina von Medicis hier ein blutiges Ende fand, indem sie zu sehr von ihrem Gemahle beachtet ward."
Die Damen wandten sich still von dem schönen traurigen Bilde ab, und vielleicht gingen gerade jetzt die Worte des Marquis in Erfüllung – die Neckereien ihres jugendlichen Mutwillens wurden von dem ersten wirklichen gegenstand des Grauens in die Flucht geschlagen.
Indem öffneten die Diener die schweren eichenen Türen zum Nebenzimmer, und als Alle sich dahin wandten, drang ihnen ein solches Lichtmeer, ein so glänzend heiterer Anblick entgegen, dass Alle die liebenswürdige wohl erreichte Absicht des Marquis fühlten, dass Dankbarkeit und der Wunsch, sie ihm darzulegen, sich dem angenehmen Eindrucke, der sie empfing, hinzugesellte, und die heiterste Laune verbreitete, die von der halbgerührten Zärtlichkeit der jungen Marquise unvermerkt eine andere Färbung erhielt, denn sie war jetzt zu glücklich, um ein neckisches Kind bleiben zu können, und so trat die Feinheit ihres Geistes wie eine höhere Blüte aus dem grünen Blätterkranze ihrer früheren Laune hervor.
Dies Gemach hiess das Audienzzimmer, und die Wände waren in Streifen von rotem Damast, mit Stahlspiegeln unterbrochen, eingeteilt, welche, so viel als möglich polirt, von den reichlich angebrachten Armleuchtern erhellt, ein ungemein heiteres Ansehn hatten. Die Decke hing freilich mit schwerer geschwärzter Vergoldung und einem riesigen Deckengemälde, die Hochzeit zu Canaan darstellend, wie eine dunkle Wolke darüber; aber man brauchte eine Anstrengung, den blick dahin zu erheben, und so weilte man lieber auf der heiter geschmückten Tafel,