irrender Ritter, mit der Flinte im Arm überfallen wollen, sei in die Felsen des Ardoiser Waldes geraten, und von den Geistern gelockt, sei er in einen Abgrund gestürzt, wobei er sich den Arm gebrochen habe. D'Anville schüttelt jedes Mal den Kopf bei dieser Erzählung und wir Frauen haben daher aufgegeben, den Scherz zu verfolgen, den anfänglich Lücile mit ihrer unerschöpflichen guten Laune in allen Nüancen ausspann. Vielleicht erleben wir einen günstigen Einfluss durch ein schönes, junges Mädchen, meine Nichte, die Tochter meines Bruders, welche Lücile bei ihrem Besuche den älteren abgeschwätzt hat, um mir eine Freude zu machen und auf ihrer weiteren Reise sie mit sich zu führen, vielleicht Leonce eine Aussicht des Lebens zu eröffnen, die allerdings wohl die mildeste Kurart für ihn werden möchte."
Da versiegten die Tränen, welche Elmerice so zahllos vergossen; sie war plötzlich still – sie dachte – ruhig.
Sehr überrascht waren die Bewohner des Pfarrhauses zu Ste. Roche, als der alte Arzt am Abend noch ein Mal an der tür still hielt und Asta zeigte, die weinend hinter ihm auf dem alten Maultiere sass. – "Es steht nicht gut," sagte er trübe, ohne abzusteigen – "Asta hat mich gerufen – Beide sollen sich verschlimmert haben." –
"Mein Gott!" rief Elmerice erschrocken, "und ohne Pflege! Ich bitte Euch," fuhr sie fort, sich dringend gegen den Arzt wendend, "nehmt mich mit, lasst mich zu der armen Madame St. Albans – sie kann nicht ohne Unterstützung bleiben!"
Der alte Mann lehnte dies Mal nicht so entschieden, wie früher, diese Bitten ab – er heftete nachdenkend seine Augen auf Elmerice und schien besorgt alle Umstände zu prüfen. "Es ist ein böses Ding damit," hob er dann an – "ich sehe wohl ein, dass Ihr Recht habt, dass hülfe nötig ist, aber wie Ihr es anstellen wollt, sie zu leisten, das sehe ich nicht ein – doch ich will hin" – unterbrach er sich – "und ist die Not gross, so komme ich und hole Euch!" Damit trabte er sogleich auf seinem ruhigen Passgänger den Baumgang entlang.
Veronika schmiegte sich mit dem wehmütigsten gesicht an ihren jungen Gast, und teilte ihr zögernd und fast beschämt ihre Furcht mit für das, was ihr vielleicht bevorstehe: "Gott wird Dir zwar gewiss die Kraft geben, die Du nötig hast; aber, mein Kind, es sind viele Geheimnisse in der natur – Gott muss Deinen Geist vor Schrecken bewahren, und Dein frommes Gebet Dir beistehen – dazu gebe er Dir seinen Segen!" fuhr sie fort, die hände andächtig faltend und in frommer Andacht verstummend.
Ein Gewitter zog herauf. Schwer und mit der schwülen Stille, die sich in die Pulse der Menschen einschleicht, schien die ganze natur unter dem gewaltigen Drucke der Atmosphäre zu seufzen. Angstvoll die Luft durchschneidend, suchten nur noch einzelne Vögel in der niedrigsten Luftschicht bei den Ahnungen einer nahenden Gefahr in irgend einer Baumhöhlung oder in den Spalten eines Mauerwerks sich zu bergen. Das frische Grün des Laubes, der mannigfache Farbenglanz der ganzen Vegetation, die Gesichter der Menschen selbst, erbleichten in dem fahlen Lichte des schwefelfarbig bedeckten himmels.
Man hoffte auf den Augenblick, der in seiner heftigen entwicklung einen leichteren Stand der Dinge herstellen sollte, und zitterte doch für eine nie verbürgte gewaltige Naturerscheinung.
Beide Frauen fühlten doppelt das Drückende dieses Zustandes, da in ihrem inneren sich eine Erwartung von Dingen hinzugesellte, deren Ausgang bei ihren düsteren Anzeichen nicht minder unverbürgt war.
"Wäre nur der Vikar zurück," sagte leise Veronika, "er würde uns sicher das Rechte raten, und sein Zuspruch würde Euch stärken und aufrichten!"
"Fürchtet nicht für mich," erwiderte Elmerice – "bekomme ich die Aufforderung dahin, so gehe ich getrost – so schwach Ihr mich gesehen – es kommt mir der Mut, wo es gilt – ich erprobte es schon einige Mal."
"Ach!" rief Veronika zusammenschreckend, denn eben erhob sich in einzelnen Stössen der Sturm, und wehte zugleich die feuerfarbenen Bänder von dem schwarzen Mützchen, das Asta zu tragen pflegte, in die noch geöffnete Haustür.
Sogleich stand Elmerice auf – das Kind flog ihr mit einem neuen Sturmstoss in die arme. "Soll ich kommen?" rief Elmerice und bezwang das leise Beben, das sie mit dem Gefühle einer grossen wichtigen Begebenheit erfasste, welche ihr nahe trat.
"Ja, Madame," stammelte Asta – "Ihr sollt! Aber wie werdet Ihr durch das Unwetter kommen? Ach, es ist fürchterlich da draussen!"
"Gott wird es uns zeigen, Asta," sagte Elmerice ruhig; "ich hole meinen Mantel und auch für Dich ein Regentuch – dann lass uns ungesäumt gehen." –
Sie kam gerüstet zurück, und sah jetzt mit Rührung und Dank die tiefe Bewegung, worin Veronika durch den Gedanken versetzt war, ihren jungen Gast zu entlassen. Elmerice kniete zärtlich vor der ehrwürdigen blassen Gestalt nieder, die sich nicht zu erheben vermocht hatte, und bat sie um ihren Segen.
"Ja," rief Veronika, "den Segen des himmels will ich auf Dich herab flehen, und mein Gebet soll Stunde für Stunde Dich begleiten. Dich weiter zu schützen, Dir zu helfen, vermag ich nicht, aber Gott wird Dich nicht verlassen!"
"So wird es sein!" sprach