" rief er, sich leise neben Lord Duncan schleichend – "repariren Sie jetzt auch Ihre Meinung von mir?"
"Aber warum bist Du denn unglücklich, wenn Du ein lieber ehrlicher Junge bist?" rief dieser mit dem alten Tone väterlicher Vertraulichkeit.
"Weil sie mich nicht mehr liebt!" sagte Leonce. Lord Duncan lachte laut auf. "Ach," sagte er, das alte Lied von zwei eifersüchtigen Verliebten! Sie soll wohl die Schmachtende spielen, wenn Du wie toll einer Anderen nachläufst. –
"Nein – nein, Lord Duncan! Ich sah sie zuerst in Ardoise wieder, wo ich sie von einem armen Wahnsinnigen errettete. Aber mein schöner Traum – wie ich sie damals mit so grosser Freude in meiner Familie aufgenommen sah, wurde nur zu bald durch ihre gänzliche Zurückweisung vernichtet, und bei ihrer schnellen Entfernung von Ardoise erwachte sogar mein Stolz! Ich machte törichte, vergebliche Versuche, sie zu vergessen und" –
"Warest, wie alle Männer – Gott weiss, ich muss es eingestehen, obwol ich selbst zu ihnen gehöre – immer geneigt, die unvernünftigsten Forderungen zu machen, um an die Liebe eines Mädchens Glauben fassen zu können, deren schüchterne Zurückhaltung, die sie doch nur mit dem bittersten Tadel vermissen würden, ihnen das grösste Recht zu geben scheint, sich über Harterzigkeit und Kälte zu beklagen. Ueberall hatte Elmerice Recht" – fuhr er fort – "aber besonders deshalb, weil sie noch nicht wusste, dass ihr Vater Dir durch mich das Ja-Wort aufgehoben hatte, wenn Du Dich bewährtest."
Er wollte mehr sagen; aber Leonce verlor den Kopf und drückte den alten Lord mit so unmässiger Gewalt an sein Herz, dass dieser nicht mehr zu Worte kommen konnte. Als er ihn losliess, sah er zuerst den blassroten Seidenstoff von Elmerice's Kleide. Er dankte es der starken Hand des Lords, der ihn aufhielt, sonst wäre er augenblicklich ihr zu Füssen gesunken; – aber er sah sie an mit einem Ausdrucke des Entzückens, von dem sie ihre bewegten Augen abwendete.
"Sie sollen mich zu Tische führen, mein teurer Lord," sagte sie mit einem bebenden und doch klaren Tone der stimme – "und da man mir das Vorrecht der Hausfrau damit zugesteht, müssen Sie sich mit mir aufstellen, bis unsere Gäste vorüber gezogen sind."
Wie schön sah sie aus! Ihre Blässe war verschwunden; seit Margot sie bei der Gratulation so lange geküsst, dass es wie Geschwätz erscheinen konnte, hatte sich die feinste Röte auf ihre Wangen gelagert, und die braunen Locken, die an den Schläfen mit Agraffen von Perlen aufgenommen waren, zeigten den vollen Ausdruck ihrer himmlischen Augen, in denen ein Schein leuchtete, der wie inneres Glück aussah.
Lucile's scharfer blick merkte Alles, und als sie an Leonce's Arm vorüberging, sagte sie zu ihm: "Nun, meine Hoffnung, Ihre langweilige natur durch einen fröhlichen Hausstand mit Margot umzuschaffen, wird, denke ich, in anderer Weise bald seine Erledigung finden!"
"O, sprächen Sie wahr!" rief Leonce und drückte ihren zarten Arm so heftig, dass sie um hülfe schreien wollte. –
Als Elmerice nach der Tafel in dem stillen Zimmer Emmy's an ihrem Bette, dicht vor ihren Augen sass, und Emmy alle ihre Sehkraft sammelte, um noch zuweilen das liebliche Bild ihrer Fennimor aufzufassen, öffnete sich die Tür und Lord Duncan trat an Elmerice's Seite.
"Das ist unser Landsmann," sagte Emmy, als sie ihn sah – "ich kann ihn unter all' den Anderen heraus kennen, die wenig wissen, was einen Mann kleidet."
"Es ist Lord Duncan, Emmy" – sagte Elmerice – "er war der Freund meines Vaters – jetzt ist er der meinige."
"Ich kam her, Dich daran zu erinnern," erwiderte der Lord – "und Emmy's Gegenwart wünsche ich dabei. Sieh'," sagte er – "seit heute Morgen trägst Du den alten, berühmten Namen dieses Hauses, und ich ruhte nicht eher, bis Du ihn annahmst. Wie findest Du mich, dass ich jetzt schon an Nichts angelegentlicher denke, als ihn Dir zu nehmen, oder vielmehr Dir daneben noch einen anderen zu geben."
Elmerice wurde glühend rot; aber wir gestehen – Dank Margot's Kuss! – sie hörte das Erwartete. Nach einer Pause fuhr Lord Duncan fort: "Aber wird Dir der Name auch recht sein?"
Elmerice lächelte jetzt; denn sie fühlte, wie Lord Duncan schelmisch blickte. "Das kommt freilich auf den Namen an," sagte sie endlich.
"Gewiss," sagte der Lord; – "aber wenn er nun wie – d'Anville klänge?"
Elmerice fuhr zusammen. Sie fühlte, es knieete Jemand neben ihr nieder. – "Ich habe ihn seit lange lieb," sagte sie endlich schüchtern. – "O, Elmerice," rief Leonce, der Knieende – "darf ich diesem Himmelslaute vertrauen? Soll meine heisse, innige Liebe diesen Lohn erhalten?"
"Ja, Leonce!" sagte das edle Mädchen. "Er, der uns einst trennte, segnet uns jetzt; – ich war Ihnen treu und ich weiss, dass Sie es mir geblieben sind."
Sie unterbrach den Sturm seiner Gefühle, indem sie sich zu Emmy wendete: "Emmy, willst Du