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Schuld unseres Hauses, die Sie genugsam kennen, zu sühnen. Die rechtmässige Erbin unseres Oheims, des Grafen Leonin, ist, durch das Hinzutreten des edlen Lord Duncan vollgültig legitimirt, uns wiedergegeben. Miss Eton ist unsere teure Cousine und die Tochter des Grafen Reginald Crecy-Chabanne, dessen rechtmässige Geburt aus der Ehe des Grafen Leonin und der Miss Fennimor Lester auf das vollständigste von unserm Allergnädigsten König anerkannt worden ist! – So helfen Sie mir denn," fuhr er fort, in die alte heitere Laune übergehend – "der jungen Erbin zu huldigen, und bedenken Sie Alle wohl, dass Sie jetzt i h r e Gäste sind, und ich mich höchstens noch vermittelnd erweisen kann."

Elmerice bezwang hier alle Gefühle ihres Herzens, um den Anforderungen genügen zu können, die ihr so nahe gerückt wurden. Sie hob ihren Kopf von Lucile's Schulter, und hold im Kreise herum grüssend, sagte sie: "Junge Rechte werden nie respektirt, ich übertrage sie daher meinem Vetter Armand aufs neue. Vielleicht lerne ich unter seiner Anweisung, wie man die Ehre verdient, solche Gäste besitzen zu dürfen."

Man war mit ihrer Antwort zufrieden. Alle beglückwünschten nun das schöne Mädchen, deren ungewöhnliches Schicksal die allgemeinste Teilnahme erregte; – und in kleinen Partien geteilt, wurde der Rest des Morgens mit fragen, Antworten und Erzählungen hingebracht, die endlich die wichtige Sache für Alle vollständig erklärten, bis man sich zum Umkleiden zurückzog, welches die Damen im Kostüme der Schlossherrin zu besorgen versprachen.

Als ein teil der Gesellschaft sich zur Tafel um die zuerst erschienene, junge Wirtin versammelt hatte, fiel Allen die feierliche Art auf, mit der jetzt der Graf d'Aubaine eintrat, an seiner Hand die hochrote Margot, deren Augen noch von Tränen glänzten. Er führte sie zur Gräfin Franziska, und als sich Margot ihrer Tante in die arme warf, rief er: "Sie, liebe Schwester, werden durch das geständnis der kleinen Schelmin dort überrascht sein. Das Kind will heiraten! und ich habe nach alter, schwacher Väter Weise, Ja dazu gesagt."

"Nun," sagte die Gräfin Franziska lächelnd – "wir sind Ihnen, lieber Bruder, deshalb nicht abgeneigt und haben selbst heimliche Wünsche dafür genährt." Bei diesen Worten streckte sie liebevoll ihre Hand nach Leonce aus, der dicht neben dem alten Grafen stand; – doch dieser trat schnell zurück und führte den schönen Grafen Guiche vor, der knieend die Hand der Gräfin zu erbitten schien.

"Wie?" rief Franziska erstaunt – "Graf Guiche?" – "Graf Guiche?" riefen Mehrere laut, und manches Herz im Stillen!

"Bin ich Ihnen denn so ganz unwillkommen? Gönnen Sie mir dies schöne Glück nicht?" sagte der junge Mann, demütig zur Gräfin aufblickend.

"O nicht doch, nicht doch!" sagte die Gräfin Franziska gütig und doch verlegen – "ich verstehe es nur nicht!"

"Aber," sagte der Graf d'Aubaine lächeln – "wer sollte denn der Bräutigam sein?"

"Vielleicht ich, mein teurer Graf!" rief Leonce; – "denn so lange meine kleine Muhme gegen ihren Bräutigam stolz tat, war der arme Vetter ihre beste Zuflucht!" Der Graf d'Aubaine lachte, und wie man sah, war er glücklich und heiter. Jetzt hatte sich auch Gräfin Franziska gesammelt; und da auf dem Antlitz ihres lieben Leonce keine getäuschte Hoffnung zu lesen war, begrüsste sie den jungen Guiche mit der gewinnendsten Freundlichkeit. Doch wer malt das Erstaunen von Lucile und Armand! Leonce schien es voraus zu setzen und eilte zu ihnen.

"Ich habe Euren Irrtum oft mit Bedauern gesehen," rief er. "Vergebt mir, geliebten Freunde! Ich war der Vertraute aller Parteien; ich hatte Stillschweigen gelobt. – Die achtung für Margot's Vater legte es uns auf; denn er hatte die Bewerbung des Grafen Guiche nach jenem Duell ausdrücklich verbeten. Aber ich kannte alle Parteien zu gut, um nicht eine endliche Versöhnung zu hoffen; – und so blieb ich zwischen Allen der Unterhändler und durfte vor dem Gelingen meiner Bemühungen nicht sprechen. Doch Margot's Bruder, selbst von seinem Unrecht überzeugt, ist zu seinem Vater geeilt, und ihm verdanken wir die endliche Ausgleichung dieser Angelegenheit."

"Nein! nein!" riefen beide Grafen d'Aubaine und der junge Guiche zugleich. "Leonce gebührt die Ehre! Wir hätten es gewiss nicht so klug einzuleiten verstanden, hätte er nicht mit unablässiger Mühe uns endlich Alle zur Vernunft gebracht!"

"Aha," sagte Mademoiselle de la Beaume – "jetzt erinnere ich mich der kleinen Nachtscene, die ich zu den Spukgeschichten von Ste. Roche zählen sollte! Das waren der Herr Unterhändler, der Rapport machte. Nun, so oder so, es nahm ein gutes Endeund ich bin im Vorteile; denn mein Neffe hat einen Engel zur Braut bekommen. – Und Sie, mein junger Herr," fuhr sie zu Leonce fort, "Sie müssen erfahren, dass ich eben meine gute Meinung von Ihnen reparire; denn seitdem ich als Königin Katarina meinen Hofstaat eingerichtet hatte, machte ich Bemerkungen, die mich glauben liessen, es würde mit doppelten Karten gespielt."

Längst wusste Leonce, dass ihn die alte, kluge Frau erraten habe. Tief errötend küsste er ihre Hand und entschlüpfte ihren ferneren Worten.

"Und Sie?