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Augen blieben am Boden. Sie wendete sich zu der teilnehmenden Gruppe hinter ihr und hob schüchtern, ohne zu sprechen, die Hand auf, als wolle sie eine andere damit erfassen. Leonce stürzte vorer ergriff die zarte, bebende Hand, und liess sie nicht wieder los, als er vor Emmy niederkniete. So geschah fast unvermeidlich, dass Elmerice noch ein Mal niedergezogen ward, und nun Beide den Segen der Alten vereinigt empfingen. "Scheide Dich jetzt von mir, Tochter, und gehe die Wege des Lebens!" sagte Emmy ermüdet; und dann in Ohnmacht verfallend, sank sie hinten über. Leonce und Elmerice fingen sie in ihren Armen aufder alte Arzt trat hinzueinen Augenblick betrachtete er sie, dann sagte er: "sie stirbt noch nicht; aber Ruhe ist ihr nötig. – Ihr müsst hier fort, liebe, junge Dame," wendete er sich zu Elmerice. Leonce hielt noch immer ihre Hand, er half ihr sich aufrichten. "Elmerice," sagte er – "nur einen blick der Güte!"

Sie liess ihm die Hand; – aber die Augenlieder waren schwer wie Blei. – Als sie endlich sie bezwang, jagte der holdeste Engelsblick an ihm vorüberund sich schnell losreissend, eilte sie in Lord Duncans arme und rief mit einem Strome von Tränen: "Mein Vater, haben Sie ihm gedanktmeinem Vetter Leonce?"

"Und gibt Reginald's Tochter dazu einem Anderen, als sich selbst den Auftrag?" –

"Nein, nein," sagte Elmerice, sich zu Leonce wendend und ihm abermals die Hand reichend: "SieSie, mein Vettermein Bruder von heute' anSie haben mir mehr, als das Leben gegeben!" –

"Ich habe seit der letzten, trostlosen Zeit von der Hoffnung gelebt, dies auszuwirken; und wenn Sie Nichts für mich übrig haben, als diese kleine Erinnerung meines Eifers, so wird es doch mehr sein, als das ganze übrige Leben mir bieten kann. Doch, wie ich diese Schmach unserer Familie auszulöschen suchte, ahnte ich noch nicht, wie nahe diese Handlung Sie anging; damals war es nur zwischen mir und Armand beschlossen, an der Vergangenheit gut zu machen, was in unsern Kräften stand." –

"O, Leonce," sagte der Lord, während er ihn mit trüber Zärtlichkeit anblickte – "wie gern liebte ich Dich mit der alten Liebe!"

"Wenn Sie mich einmal Ihrer Liebe wert hielten, so habe ich noch heute denselben Anspruch daran," rief Leonce, den feurigsten blick seiner schwermütigen Augen auf Elmerice und den Lord richtend – "ich halte die Prüfung aus!"

"Wir wollen sehen," sagte der alte Lord, sichtlich erweicht. "Doch unsere edle Gräfin harret auf unswir müssen Elmerice ihrer übrigen Familie vorstellen."

"So bitte ich um den Arm meiner geliebten Muhme," rief Armand und eilte mit freudigem Lächeln auf Elmerice zu. Als er sie leichten Schrittes hinwegführte, sagte er: "Wie froh, wie leicht bis in den kleinsten Blutstropfen hinein, ist mir jetzt! Nun sind wir alle I h r e Gäste. Nun behalten Sie mich bloss als Ihren Seneschall, als Ihren Haushalter. – O Elmerice, Ihnen fliesst ein schöner Segen zuöffnen Sie ihm Ihr Herz, blicken Sie froh, damit Sie Frohe machen können. Denken Sie nicht gering von der hohen Stellung, die Ihnen Gott anvertraut! Sie ist herrlich, wenn wir ein offenes Herz, einen gesunden Sinn mit uns bringen. Beides haben Sie; deshalb sehe ich so froh Alles in Ihre hände übergehen, unddeshalb teilen Louisens Söhne das Erbe nicht."

Die Antwort, welche Elmerice ihm geben wollte, ward durch Leonce unterdrückt, der plötzlich ausser sich auf sie zustürzte, indem er ausrief: "Die beiden Grafen d'Aubaine sind angekommen! O, Armand – o Elmerice, jetztjetzt!" Mit diesen Worten war ein so leidenschaftlicher Ausdruck verbunden, dass Elmerice schüchtern zurückwich. Doch schon eilte er ohne Entschuldigung davon, – und Armand sagte: "Auch ich danke Gott, dass die Beiden endlich für Leonce die Entscheidung bringen, die Liebe zu Margot wird ihn noch toll machen!" –

"Wie sehr muss ich Ihre Entschuldigung in Anspruch nehmen," sagte der ältere Graf d'Aubaine, während er dem Marquis d'Anville entgegentrat – "dass ich Sie unvorbereitet um Ihre Gastfreundschaft ersuche."

"Mein teurer, verehrter Onkel," sagte der Marquis heiter – "Ich selbst bin seit diesem Morgen hier nur noch Gast! Hier steht die rechtmässige Besitzerin von Ste. Roche; – doch sage ich gut, dass Sie auch ihr willkommen sind."

Voll Erstaunen blickte Graf d'Aubaine auf Elmerice, von deren gesicht so alle Farbe, alle Bewegung verschwunden war, dass sie einem geist glich; doch konnte ihre Schönheit durch nichts beeinträchtigt werden und erregte, wie ihr reiches, fremdes Kostüm, die höchste Bewunderung des Grafen.

Der Marquis kürzte die augenblickliche Spannung ab, indem er Elmerice in die arme seiner jungen Gemahlin führte, die, Alles sogleich erratend, sie mit inniger Liebe empfing. Da er die ganze Gesellschaft in einem Kreise erwartungsvoll um sie gedrängt fand, rief er lebhaft:

"Wünschen Sie mir und meinem Bruder Alle Glück! Es war uns vorbehalten, die alte, schwere