Gräfin d'Aubaine, welche, leise den Männern voran getreten, gerade jetzt sich den Blicken Emmy's zeigte. Eben traten auch die bezeichneten Herren hinter ihr ein; und als Elmerice die wehmütig gesenkten Augen aufschlug, schien es ihr, als habe die Alte einen Zauber beschworen.
"kommt näher," sprach Emmy mit ihrer alten Energie – "hier ist, die Ihr suchet! Und aus den Händen Emmy Gray's empfanget die rechtmässige Erbin der Crecy-Chabanne!"
Elmerice erhob sich, und ihren blick fest auf Alle richtend, sagte sie, edel und stolz auftretend: "Ich habe dieser ehrwürdigen Frau in diesen Gemächern den Anspruch zugestanden, den für mich zu nähren, ihr höchstes Glück war. Ich weiss auch, dass die natur mich zu diesen Ansprüchen berechtigt, und indem ich die Kenntniss ihres Daseins Ihnen Allen gegenüber offen eingestehe, wird mein Wille und meine überzeugung, ihnen zu entsagen, vielleicht meine Gesinnungen ausser Zweifel stellen."
"Lassen Sie mich hoffen," sagte der Marquis d'Anville, verbindlich vortretend – "dass Sie diesen Willen, der durch Unkenntniss Ihrer wahren Verhältnisse bestimmt ward, ändern werden, wenn Sie uns gehört haben. Wir sind in Wahrheit hier, Sie als unsere teure Verwandte zu begrüssen, und damit als die rechtmässige Erbin der Crecy-Chabanne!"
Elmerice änderte zwar die Farbe; – aber sie fuhr sogleich entschlossen fort: "Wenn Sie mir den ersteren Rang zugestehen wollen, Herr Marquis, so wird die Waise den süssesten Trost empfangen, lassen Sie mich hinzusetzen: sie wird dies als eine Sühne für die teuren Verstorbenen in Empfang nehmen; – doch damit muss ich zugleich Alles erfüllt erklären, was uns Beiden zu geben und zu nehmen ansteht."
"Mein Kind," rief hier Lord Duncan – "willst Du m i c h , den Freund Deines Vaters, anhören?"
"Ja, Mylord," rief Elmerice; – "denn Sie sind mein zweiter Vater! Aber S i e werden es auch der Tochter Ihres Freundes ersparen, die Gründe nennen zu müssen, die ihn auf immer von dieser entsetzlichen Erbschaft trennten."
Ihre Aufregung war bei ihrer Sanftmut und Bescheidenheit so ungewöhnlich gross, dass Alle mit innigem Anteil auf die schmerzvolle Tiefe des Gefühls schliessen konnten, die von ihrem edlen Stolze jetzt nach Aussen getrieben ward. Gräfin Franziska blickte mit Entzücken auf die Tochter Reginalds, die ihr so ganz genug tat. Sie hätte ihr auch nicht mit einem Blicke zu hülfe kommen mögen; – sie genoss den schönen Eindruck, so junge, zarte Kräfte so hoch und stark aufgerichtet zu sehen.
Indessen war Lord Duncan näher zu ihr getreten. "Elmerice," sagte er – "Dein Vater gab mir Vollmacht, über Deinen künftigen Namen und Rang zu entscheiden. Er selbst bekannte sich kurz vor seinem tod zum rechtmässigen Sohne Fennimors und zum Grafen Crecy-Chabanne!"
"Mein Vater?" sagte das mutige Mädchen mit sinkender stimme – "wohl, Mylord; aber"
"Und wir, mein Bruder Leonce und ich," sprach der Marquis – "sind hier, Ihnen Ihr grosses Erbe unverkürzt zu Füssen zu legen."
"O, nein! o, nein!" rief Elmerice leidenschaftlich – "Sie können von dem Namen, den Sie mir geben wollen, nicht das schreckliche Zeichen des öffentlichen, wenn auch ungerechten Makels löschen. O, wie könnte die Tochter solche Erinnerungen über ihren Vater wecken wollen!"
"Auch dies ist vertilgt," nahm der Lord noch ein Mal voll Rührung das Wort; – "Dein Vetter Leonce bewirkte diesen königlichen Brief von Ludwig dem Fünfzehnten. Dein Vater, mein Kind, ist von jedem Makel dadurch frei gesprochen; die Vermählung seiner Eltern rechtskräftig anerkannt."
Das war zu viel! Elmerice nahm mit leuchtenden Augen das heilige Dokument; dann flog sie an Emmy's Bett, welche eine ruhig Zuhörende geblieben war: "Emmy, Emmy, hast Du es gehört? Fennimors Vermählung ist rechtskräftig anerkannt; – Reginalds – meines Vaters Unschuld ist erklärt!" – Ausser sich drückte sie die alte, steife, ernst und stolz blikkende Gestalt in ihre jugendlichen arme. Dann riss sie sich empor; ihr Gesicht glühte; die feurigen, blauen Augen strahlten durch heilige Tränen. Sie hob den Arm – die Hand zu den Versammelten in die Höhe und rief mit klingender, freudiger stimme: "Jetzt bin ich Gräfin Crecy-Chabanne; – doch Louisens Söhne teilen mit mir das Erbe!"
In demselben Augenblicke eilte die Gräfin Franziska auf Elmerice zu und drückte sie mit lebhafter Zärtlichkeit an ihre Brust. "Elmerice, mein geliebtes Kind, würdige Tochter Reginalds! Lass mich Dir zu Nichts Glück wünschen, als zu Deinem edlen Herzen!"
"Ich will Dich segnen, Fennimors Enkelin! Reginalds Tochter!" sprach Emmy Gray mit ihrer ernsten Feierlichkeit, und Franziska d'Aubaine führte Elmerice selbst zu dem Bette zurück, und diese kniete unter den Händen der Alten demütig nieder. "Jetzt, Herr," sprach sie, nach ihrem feierlichen Segen – "ist mein Tagewerk beschlossen. Diese Augen haben die Gerechtigkeit des Herrn gesehen! – Rufe jetzt Deinen müden Knecht und lass ihn eingehen in Deine Herrlichkeit! Amen. – Jetzt zeige mir den Jüngling, der Reginald bei seinem Könige vertrat, ich will ihm den Segen einer Sterbenden geben!"
Elmerice erhob sich langsam; aber ihre