Bitten seines ehemaligen Pagen, meines Bruders, erhört und ihm diese Vollmacht in seinem hohen Namen ausfertigen lassen! Sie erklärt den in jenen unglücklichen Prozess verwickelten Grafen Reginald für völlig unschuldig an absichtlichem Todtschlag, und indem sie die Vermählung seiner älteren als gerichtlich rechtskräftig bestätiget, befugt es ihn oder seine Nachkommen zur unbestrittenen Erbfolge aller daher oder daraus entstandenen Besitztümer der Crecy-Chabanne! Hier – lesen Sie die ausreichenden Bestimmungen dieses wahrhaft königlichen Gnadenbriefes!"
Doch dies tat Lord Duncan vors Erste nicht; – er eilte auf Leonce zu und schloss ihn mit Wärme in die arme. "Edler, junger Mann," rief er mit feuchten Augen; – "möchte ich in allen Beziehungen Ihnen so meine vollste Bewunderung schenken können – es wäre mir der grösste Trost! – Reginald," rief er dann, die gefalteten hände andächtig auf seine Brust legend, während sein tränenschwerer blick den Himmel suchte; – "Reginald, mein erhabener Freund, Dein Name steht jetzt so rein vor der Welt, wie Deine Seele vor Gott! O, welche Wohltat für mein altes, stolzes Herz – das der Himmel mir in Gnaden vergeben wolle!"
"Ja, und warum erlebte die alte Frau Marschallin nicht diesen Moment?" rief hier der alte Arzt, polternd von seinem Stuhl aufspringend; – "wie hätte ich ihr gegönnt, den Sohn Fennimors mit der Crecy'schen Grafenkrone zu sehen!"
Alle konnten hier, trotz ihrer feierlichen Stimmung, ein kurzes Lächeln nicht unterdrücken, was der alte, mutwillige Herr auch beabsichtigt hatte, da für seinen Sinn die Erweichung ihm zu sehr überhand genommen hatte.
"Jetzt," sagte die Gräfin d'Aubaine – "lassen Sie uns keinen Augenblick anstehen, Elmerice ihren Rechten zurückzugeben."
"Gut, edle Gräfin," sagte der alte Arzt; – "ich gehe und hole sie."
"Besser," sagte Franziska – "wir begeben uns Alle selbst zur Gräfin Crecy und begrüssen sie als unsere teure Verwandte."
Alle stimmten freudig ein, und man trat sogleich den Weg zu den Gemächern Emmy Gray's an.
Eine Nachtruhe, die wohltuend auf Emmy's Kräfte gewirkt hatte, gab ihr an demselben Morgen einen jener klaren Geisteszustände zurück, die oft die letzten Tage solcher Kranken so überraschend unterbrechen. – Sie begehrte Luft und Blumen. Asta musste ihr schweres weisses Haar unter reinen Binden befestigen; sie schmückte sich und ihr Bett mit umsichtiger Anordnung; und als Elmerice endlich hinzukam, staunte diese über das fast festliche Ansehen des Krankenzimmers.
Auf dem rand des Bettes nahm sie ihren gewohnten Platz ein, und die Alte sagte freudig: "In kurzer Zeit werde ich bei Fennimor sein und ihr sagen können, dass ihre Enkelin mir die Augen zudrückte und meine letzten Tage fast glücklich machte. dafür wird Dich ihr besonderer Segen erreichen – und Du wirst von da an glücklich und geehrt sein – und Alles wird sich erfüllen nach Gottes Gebot, der die Menschen mit ihrer Bosheit in den Abgrund schlägt."
"Bin ich dahin – so bist Du meine Erbin. In Fennimors Kleiderzimmer siehst Du eine gemalte Kiste von Zederholz; sie ist mit den Goldstücken der Crecy's gefüllt; denn ich sammelte für Reginald den reichen Tribut, den sie mir zahlen mussten. Jetzt gehört er D i r . Du bist meine Erbin! Ellen, die Kinderlose, mit ihrem kleinen Herzen, hat genug irdisch Gut; – dies soll nicht zum schlechten Gebrauch dienen!"
"Emmy," sagte Elmerice – "ich will Deine Erbin sein; aber gieb mir uneingeschränkte Vollmacht, mit meinem Erbe nach meiner Einsicht verfahren zu dürfen – und sollte es auch zu Ellens Gunsten sein. Doch soll sie durch meine Hand das empfangen, was ich ihr für gut halte; nicht das rohe Gold, weil es sein könnte, dass es ihr nicht diente."
"Ja, so bist Du! – ich dachte es wohl!" seufzte Emmy. "Aber wer hat Willen, wenn die Augen sich für immer schliessen; – und viel Anderes hätte s i e auch nicht getan! Sie hatte immer ihren Eigensinn gegen mich und konnte schelten, als wenn ich ihr Kind wäre; – und ich sah Dich eben dasselbe Gesicht machen, was sie dann hatte – die Augen, dass kein blick herausdrang – und den Mund fest geschlossen. Doch lass das und denke nicht, dass ich Dich schelten will – nimm nur zuerst das Geld, damit ich fühle, Du hast es von mir ererbt – dann mache nachher, was Du willst – und lass mir neben Fennimor das Grab graben – und lass keine Menschenhand über unser Heiligtum kommen! Ziehst Du hier fort mit der Gräfin, die, denke ich, ein menschlich Herz hat, so lass Moder und Staub und den Holzwurm ihre Arbeit machen; aber Menschenhand wehre ab. – Du weisst, ich habe mit ihr nichts zu tun, und sie soll auch nachher fern bleiben!" –
"Was ich dann noch hier von Einfluss haben werde, soll zur Erfüllung Deiner Wünsche dienen, Emmy!" –
"Und er wird gross sein!" sagte die Alte, sich gleich einer Sybille aufrichtend und die arme in die Luft ausstreckend. "Sie werden kommen und Dich einsetzen; – und Fennimors Enkelin – Reginalds Tochter wird im Rechte sein über Alle!"
Ihre Augen erfassten dabei mit der grössten Ruhe, als erlebte sie das Erwartete, die