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, haben Sie an mir gezweifelt? Waren Sie, teurer Lord, d e s h a l b so kalt gegen den Jüngling, den Sie einst wie einen Sohn liebten? O, womit habe ich das verdient?"

"Mein Gott," sagte der Lord, überrascht und verlegen – "welche Voraussetzungen! Ich wüsste nicht, dass ich Etwas versah; bitte aber für Alles um Verzeihung, was Sie beleidigt haben könnte, Herr Marquis." –

"Das ist nicht die Sprache des väterlichen Wohlwollens, die ich einst aus Ihrem mund gewohnt war. Sie weisen mich mit der Sprache der Welt zurück; – und doch hätte ich gerade Anspruch auf I h r e Teilnahme – S i e , Lord Duncan, müssten den Unglücklichen nicht verlassen!" –

"Meine Teilnahme, Herr Marquis, hat jedenfalls durch Ihre Fürsorge eine andere Richtung bekommen," erwiderte der Lord. "Ich habe, denke ich, jetzt nur gelegenheit, an Ihrem neu entstandenen Glücke teil zu nehmen; das werde ich gewiss mit der Zeit. Doch zürnen Sie dem Alter nicht, dass es nicht so schnell, wie die Jugend seine Zustände wechselt. Ich sehe es ein, es war zu viel verlangt, als ich Sie bat, ein Jahr auf meine Ankunft hierher zu warten!" –

"Und womit habe ich den Verdacht Eurer Herrlichkeit verdient," – sprach Leonce, jetzt seinerseits etwas stolz zurücktretend; – "dass ich ein gegebenes Wort gebrochen, was mir unter allen Umständen heilig sein musste? Sie wissen überdies, dass es ein Wort war, an welchem die letzte Lebenshoffnung meines schwer getroffenen Herzens hingdessen Erfüllung ich mit einer sehnsucht erwartete, die mir dies Jahr zu einer Ewigkeit ausdehnte." –

Lord Duncan's Blicke richteten sich bei diesen Worten, die ein tief bewegtes Gefühl verrieten, forschend auf den jungen Mann, und seine vorher so kalten Züge zeigten wenigstens Anteil, wenn auch noch kein Wohlwollen. "Leonce," sagte er plötzlich – "ich hatte vielleicht Unrecht, Sie ungehört anzuklagen, Sie sollen mich nicht umsonst an mein väterliches Wohlwollen erinnert haben; ich will Sie hören, und Sie sollen den väterlichen Richter finden; doch vergessen Sie nicht, dass er Sie streng richten wird, wenn Sie jetzt oder früher leichtsinnig Hoffnungen erweckt haben, die sich mit dem Glücke der Beteiligten nicht vereinigen lassen."

"Ich fange an Sie zu verstehen," sagte Leonce, "und würde Sie bitten, mir eine augenblickliche Erklärung zu erlauben, wüsste ich nicht, dass uns mein Bruder hier zu einem gemeinsamen und wichtigen Beschlusse zusammen berufen hat, und wäre ich nicht jetzt noch durch ein heiliges Wort gebunden, was es nicht zulässt, mich so genügend zu erklären, als es nötig sein wird, um Ihr schweres Misstrauen zu zerstreuen."

Schnell grüssten sich Beide, und Lord Duncan's Gesicht hatte sich bei den letzten Worten des jungen Mannes aufs neue merklich verfinstert, wogegen Leonce einen heiteren, freieren Ausdruck gewann.

Bei dieser Unterredung, die auf früher sehr innige und jetzt, wie es schien, gestörte Verhältnisse hindeutete, unterdrückten die Zuhörer ihr Erstaunen, um Beiden Zeit zu einer schnellen Sammlung zu lassen.

"Gräfin d'Aubaine und Sie, meine Herren," hob nun Lord Duncan sogleich an; – "ich muss um Verzeihung bitten, wenn ich Ihnen, ein unfreundlicher, wilder Insulaner, hier so eben erschienen bin. In Ihrem feinen, gesitteten Frankreich hoffe ich, ist man immer darauf gefasst, den überseeischen Freunden ein Conto auf ihre rauhen Naturäusserungen zu schreibenund so lassen Sie mich denn zur Sache übergehen. Ich glaube, meine Freunde, wir sind Alle ausser Zweifel, dass Elmerice, unter dem Namen Eton, die Tochter Reginald's, des rechtmässigen Grafen Crecy-Chabanne ist; – und hier bin ichder Freund ihres Vaters, dieses unglücklichen Reginald's, in dessen Armen er seinen edlen Geist aushauchteum diese Wahrheit mit Allem zu vertreten, was Ihr schöner Eifer nur wünschen kann, meine Herren!"

"Gottlob," rief der Marquis d'Anville, – "so haben wir das Letzte, was uns fehlte: die Identitäts-Erklärung eines vollständig glaubhaften Mannes!"

"Sie haben mehr, mein Herr!" sagte heiter der alte Lord; – "Sie haben gerichtliche, völlig beglaubigte Zeugnisse darüber. Da wir, der englische Bischof, Herr Lester, der Oheim des Grafen, und ich, ihn nicht zur Wiederannahme seines Namens und Ranges bewegen konnten, sicherten wir doch, als er sich vermählte, hinter seinem rücken den Nachkommen durch die Urkunden, die seine person nachwiesen und versicherten, die Möglichkeit eines gerichtlichen Beweises. Erst kurz vor seinem tod, da das Glück seiner Tochter durch eine entstandene Frage über ihren Rang und Titel bedroht erschien, entdeckte ich ihm unsere vorbereiteten Schritte; er gab meinen Bitten nach und erklärte sich nun selbst vor den dazu nötigen Gerichtspersonen für den Grafen Crecy-Chabanne und liess die Dokumente darüber ausfertigen."

Mit freudeleuchtenden Augen empfingen die beiden dadurch enterbten Brüder die wichtige Urkunde, und fast mit Andacht sahen sie die schöne Unterschrift Reginald's neben dem alten Crecy'schen Wappen.

"Wie glücklich bin ich, Mylord," rief endlich d'Anville – "Ihnen jetzt ein eben so wichtiges Dokument einhändigen zu können. Hier: Ludwig der Fünfzehnte, unser allergnädigster König, hat die