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und diese ihm Reichtum bringen wird, da Graf d'Aubaine nur zwei Kinder hat."

Schnell stand hier Lord Duncan auf und trat mit einer sonderbaren Heftigkeit auf den Balkon hinaus. Die Gräfin war jedoch zu sehr in den angeregten Empfindungen vertieft, um es zu bemerken; Lord Duncan ward freundlich und mit dankbaren Worten von ihr entlassen, da er ihr bis zur Abendtafel Ruhe zu gönnen wünschte, und diese Zeit den erinnerungsreichen Plätzen um Ardoise widmen wollte. Doch müssen wir gestehen, dass er die Gräfin d'Aubaine mit viel geringeren Hoffnungen für das Glück der von ihm so väterlich geliebten Elmerice verliess, und oft hören wir ihn wiederholen: "Reginald, Reginald, Deine Nachgiebigkeit kommt zu spät!" In dieser Zeit hatte Elmerice an dem Krankenlager ihrer alten Freundin trübe Stunden! Sie konnte sich nicht verhehlen, dass ihr Leiden ernster Art war und vielleicht das letzte ihres Lebens sein werde. Aber der Gedanke, Emmy zu verlieren, war ihr in einem Augenblicke, wo sie dieselbe als ihre einzige Stütze ansah, fast unerträglich. Mit leidenschaftlicher Angst erwartete sie daher den alten Arzt, und als er endlich ankam, eilte sie ihm mit einem so gesteigerten Grade von Schmerz entgegen, dass er sie erstaunt anblickte und, während er ihre Hand wie bloss freundschaftlich drückte, doch heimlich und schnell den Zeigefinger an ihren Puls legte, um ihren Gesundheitszustand zu ergründen. Musste er nun auch ihre Bewegung auf ihre Teilnahme allein schieben, überzeugte ihn doch der Zustand der Alten, dass die grösste Besorgniss für dieselbe vorhanden sei. Er hatte kaum den Wunsch, ihr ein Medikament zu geben; da ein ruhiges Einschlafen der gänzlich abgelaufenen Lebenskräfte zu erwarten stand. Um sie jedoch der armen Elmerice, die sie fortwährend für ihr letztes Lebensglück erklärte, so lange wie möglich zu erhalten, verordnete er ein Mittel, welches die Fieberbewegungen aufheben sollte.

Es war Elmerice nicht gelungen, sich den übrigen Schlossbewohnern ganz zu entziehen; die Pforte, die einst Emmy Gray mit so eifersüchtiger Strenge bewachte, schien Schloss und Riegel verloren zu haben, und es blieb Elmerice keine Schutzwehr in ihren Verhältnissen, da von Pflege der Alten fast nicht die Rede sein konnte; indem ihr stiller, träumerischer Zustand kein Symptom zeigte, das einen tätigen Beistand erfordert hätte. Die Damen wurden durch diese Beobachtung ermutigt, der liebenswürdigen Miss Eton ihre Besuche zu machen, und besonders schien der Marquis d'Anville es seit einiger Zeit von seiner Gemahlin zu fordern; er selbst zeigte sich jeden Morgen vor Elmerice's Tür, um von Asta zu erfahren, wie ihre Gebieterin geschlafen habe.

Er hatte lange Unterredungen mit dem alten arztsendete Boten nach Paris, die ihm Papiere brachten, die er mit dem alten Herrn bei verschlossenen Türen zu prüfen schien, und dennoch erfuhr Niemand etwas Bestimmtes von ihm; und Alles, was er seiner jungen Gemahlin mitteilte, war der achtungsvolle Brief des Lord Duncan, der seine Ankunft verhiess.

Man hatte an einem der nächsten Tage so eben die Tafel aufgehoben und schweifte durch den schönen Audienzsaal der Königin Katarina, um in dem Burggarten die freie Luft zu geniessen, als die gegenüberliegenden Flügeltüren sich plötzlich öffneten, und, ohne vorhergehende Meldung einige Fremde eintraten, unter denen sich eine Dame auszeichnete, deren hohe, schlanke Gestalt von langen, schwarzen Gewändern umflossen war, und deren Gesicht ein Schleier den Anwesenden entzog. Sie ging schnell den Anderen voraus und blieb dann stehenihre hände ausstreckend, als verlange sie, dass man sie ergriffe. Der Marquis und Lucile traten ihr auch schnell entgegen, und in demselben Augenblicke schlug sie den Schleier zurück. Mit einem Schrei des Entzückens stürzte Lucile in ihre arme, während Alle jetzt die Tante Franziska d'Aubaine erkannten, und Margot, der Marquis, Leonceganz ausser sich vor Freude und EntzückenSich mit dem Ungestüme kindlicher Berechtigung um sie drängten.

Wie war das Herz der Gräfin dazu geschaffen, einen solchen Moment der Liebe zu fühlen und die rührenden Beweise derselben durch die holdesten Worte und Liebkosungen zu erwiedern!

"Doch schon zu lange," rief sie, sich heiter lächelnd losmachend – "geniesse ich eigenmächtig das Glück, Euch wiederzusehen. Ich komme nicht alleinich bringe einen alten Freund mit mirLord DuncanLeitmorin und Lady Marie, seine Tochter!"

Der Marquis erfüllte nun mit der liebenswürdigen Courtoisie, die ihm eigen und so wohlkleidend war, die Pflichten des gastfreundlichsten Willkommens, und Lucile unterstützte ihn mit ihrer bezaubernden Anmut, während die Gräfin d'Aubaine von dem übrigen Kreise begrüsst ward, der eben so entzückt war, wie ihre Verwandten, der seltenen Erscheinung der hochgefeierten Gräfin Franziska teilhaftig werden zu können. Mademoiselle de la Beaume war eine alte Jugendbekannte von ihrdie Eltern der Gräfin Guiche waren ihr befreundetGraf Bussy hatte sie als Knaben oft gesehenden schönen Grafen Guiche aber, zu Aller Ueberraschung, aus der Taufe gehoben! Genug, es entstand ein Freudentaumel um die hohe, edle Frau, die eine so kindliche, naive Heiterkeit zeigte, dass Jeder Mut gewann, ihr sein Herz zu Füssen zu legen.

"Und dennoch begreife ich mein Glück nicht, teure Tante!" rief Lucile. – "S i e r e i s e n d ? S i e wo anders, als in Ardoise? Es scheint mir ein Traum, und ich fürchte zu erwachen!"

"Dies Mal nicht, meine teure Lucile!" sagte die Gräfin. "