1839_Paalzow_084_274.txt

nötigte, dass die Luft in England diesem Zustande nachteilig werde. Doch konnte Reginald in jener Zeit nicht an seine Abreise denken; denn sein geliebter Oheim verlor nach kurzem Krankenlager die würdige Gefährtin seines Lebens."

"Auf ihrem Sterbebette vertraute sie Reginald die Liebe ihrer Tochter und sagte ihm, sie wünschte, dass er sie heirate; denn Margarit mache keinen Anspruch an seine Liebe, die er ja doch niemals für ein anderes weibliches Wesen werde empfinden könnenMargarit werde wie seine Schwester ihm zur Seite bleiben, seine schwankende Gesundheit stützen und das Leben ihm liebevoll erleichtern. Doch verbat sie sich jede Zusicherung des erschrockenen Reginald und verliess bald darauf die Welt."

"Von da an lernte unser Freund erst Margarit kennen; denn bei ihrer ersten Bekanntschaft in Ardoise hatte Reginald keinen Raum gehabt für die Wahrnehmung einer anderen weiblichen Erscheinung; aber er näherte sich ihr mit dem Wunsche, durch sein Vertrauen sie von den Gefühlen abzulenken, die erregt zu haben, ihm Kummer machte. Aber seine Annäherung hatte andere Folgen! Jetzt erst trat hervor, was Margarit bisher bescheiden ihm entzogen, dass sie noch immer die Freundin, ja, die Vertraute der Gräfin Franziska wardass ihre Liebe mit der seinigen um den Rang stritt, und sie das Band werden würde, das ihn mit dem einzigen Glücke seines Lebens in Verbindung erhalten könnte. Sie waren von da an unzertrennlich; – und wie er fühlte, dass er die Neigung des edlen Mädchens, statt sie zu verringern, gesteigert habe, bot er ihr seine Hand an und wiederholte ihr, was sie wusste, dass er ihr kein Herz zu geben habe."

"Schon damals kannte ich seine Anwesenheit in England; Herr Lester hatte mir ausführlich sein Schicksal mitgeteilt. Zu derselben Zeit wiederholten sich die Versuche des Grafen Leonin, Reginald auszuforschen; da, nach dem im Kloster erfolgten tod der alten Marschallin, wahrscheinlich sein Verlangen erwachte, sich den Sohn wiederzugewinnen. Auch ich bekam Aufforderungen und ich gestehe, dass ich es versuchte, meinen Einfluss auf Reginald zu benutzen, um ihn für die Vorteile dieser Stellung empfänglich zu machen. Aber ich fand ihn unerschütterlich. Das Andenken an seine gekränkte Mutter vertrat jeden Weg der Versöhnung mit seinem Vater, an den er zwar ohne Hass dachte; aber sich doch völlig unfähig fühlte, in ein kindliches verhältnis zu ihm zu treten."

"Ueberdies war er verheirateter durfte Nichts mehr hoffen, und er verachtete Rang und Stand, der zu so vielen Verbrechen Anlass gegeben, mit einer fast an Hass grenzenden Bitterkeit."

"Gleich nach der geräuschlosen Hochzeit folgten sie mir nach Schottland, welches Herr Lester lebhaft wünschte, da die geforderte Luftveränderung noch immer verschoben worden war; und bei mir, in Leitmorins Bergen, in den grünen Tälern mit ihren zahllosen Quellen erfrischte sich die Lebenskraft unseres teuren Freundes. Dessen ungeachtet führte ihn sein Pflichtgefühl zu Herrn Lester zurück; denn er erriet die immer verhehlten Wünsche seines liebevollen Weibes, die nur mit sorge den alternden Vater allein wusste; auch brachte Reginald in Wahrheit bessere Lebenskräfte mit und überhob seine Familie für einige Jahre der sorge für sein Leben. Er bereitete sich in dieser Zeit vor, einen Ankauf in England zu machen, der ihm eine würdige Tätigkeit sicherte, als der plötzliche Tod seines Schwiegervaters und die erneueten Nachforschungen des Grafen Leonin ihn diesen Plan aufgeben liessen, und seine Freundschaft für mich ihn bestimmte, sich nach Schottland zurückzuziehen."

"Hier lebte er bis zu seinem Ende in der innigsten Gemeinschaft mit meiner Familie und teilte seine Zeit in die Kultur seines kleinen Gutes und die Erziehung seiner einzigen Tochterunserer Elmerice!"

"Doch erwachte nach der ersten Vernarbung seiner schweren Seelenwunden eine tiefe sehnsucht nach dem schönen Frankreich, seinem berühmten vaterland, in ihm; und es gehörte sein festes Abschliessen mit dem Leben dazu, um ihn davon entfernt zu halten. Als er aber seine Kräfte sinken sah und sich selbst nur zu richtig ein frühes Ende prophezeihte, erwachte ein Gedanke in ihm, der seine letzten Jahre erheiterte – I h n e n nach seinem tod seine Tochter und Gemahlin als ein Vermächtniss zu übersenden, und Elmerice auf dem Boden einheimisch werden zu sehen, den er dennoch am liebsten sein Vaterland nannteund durch Sie das teuerste Andenken seines Lebens!"

"Was hätte Margarit nicht in ihrem edlen, von ihr

angebeteten Gatten verstanden? Wo wäre ihr Anteil je ausgeblieben, wenn e r ihn zu erwecken suchte? Die Erziehung Elmerice's nahm von da an diese vorbereitende Wendung, und sie ward in Schottland schon eine Bürgerin Frankreichs."

"Doch eben so fest suchte er zu der damaligen Zeit

alle Bestimmungen so zu ordnen, dass Elmerice über das eigentliche Schicksal ihres Vaters stets in Ungewissheit bliebe und ihrer Familie auf immer entzogen. Wir Alle waren durch die heiligsten Eide gebunden, dies von ihr abzuhalten. Ein Brief an Sie, teure Gräfin, flehte Sie um dieselbe Zusage an; denn er fühlte eine Art eifersüchtigen Zürnens, wenn er sich das herrliche Kind, auf das er mit Stolz und Entzücken blickte, in den Händen einer Familie dachte, die vielleicht mit zweifelnder Miene auf ihre Vorzüge sehen und ihnen die volle Berechtigung weigern könnte."

"Ein späteres Ereigniss jedoch, das ich Ihnen zu

einer anderen Zeit mitteilen werde, veränderte in etwas diese hartnäckigen Bestimmungen; – sie sollten nur so lange Geltung behalten, als das Lebensglück dieses geliebten Kindes nicht wesentlich darunter litte. Ich bekam erlaubnis, seiner