an Genugtuung aufgegeben und rang mit seinem Schmerze um christliche Fassung und Ergebung; aber es war ein Kampf, dem er so oft unterlag, als er davon zu sprechen wagte, und ich habe ihn niemals wieder dazu aufgefordert."
"Reginald wusste durch Emmy Gray's verhängnissvolle Mitteilung von dem Dasein seines Onkels und von dessen Aufentalt. Er suchte ihn zu erreichen; aber sein Diener brachte den todtkranken Jüngling bewusstlos in das verwandte Haus. Noch ahnte die edle Familie nicht, wen sie aufnahm, obwol Margarit augenblicklich in ihm den Jüngling wieder erkannte, den sie unter dem Namen Chevalier de Ste. Roche in Ardoise gesehen hatte; dessen ungeachtet genoss er jede Pflege und die zarteste Teilnahme, die endlich den leidenden Zustand brach und ihn dem Leben zurückgab, das er nur noch mit Ergebung ertrug, von jedem frohen Gefühle des Glückes und der Jugend auf immer geschieden."
"Als er sich seinem Oheim entdeckt hatte, und die ereignissreiche Erzählung seines grausamen Schicksales das Herz dieses edlen Verwandten mit dem Unglücke seiner Schwester vertraut gemacht hatte, erfüllte Beide eine tiefe und gerechte Verachtung gegen die Familie Crecy-Chabanne, deren rechtmässiges Oberhaupt durch so grausame und hartnäckige Verfolgungen, um jedes Vorrecht der bürgerlichen Gesellschaft betrogen, aus seinem vaterland vertrieben ward. – In Folge dieser Empfindungen, und von dem lebhaften Verlangen gedrängt, dieser Familie spurlos entzogen zu bleiben, willigte Reginald ein, den erlöschenden Namen seiner Tante anzunehmen; – und er nannte sich von da an – Eton!"
Lord Duncan brach hier ab; er sah das hinsterbende Lächeln auf dem gesicht seiner edlen Freundin. Beide schwiegen. Langsam floss endlich Träne auf Träne aus ihren gesenkten Augen. Lord Duncan erhob sich, er wollte sich entfernen; – aber ihre reine und erhabene Seele hatte schon gesiegt; sanft streckte sie die Hand nach ihm aus. – "Bleiben Sie, teurer Freund!" rief sie, unter stärker rinnenden Tränen – "o, ich weine mehr aus Freude, wie aus Schmerz! So war sein Schicksal weniger traurig, als ich es erwarten musste – so genoss er Liebe, treue Hingebung an der Seite der edelsten Menschen! Ach, und er vergass mich n i e ; denn – sprechen Sie es aus – sein Vermächtniss war Elmerice!"
Gerührt unterbrach Lord Duncan den beruhigenden Erguss ihrer Gefühle nicht. Still und voll Ehrfurcht blickte er auf diese schöne, würdige, weibliche Erscheinung, die mit allen Zuständen Frieden schliesst und ihnen ihren Stachel zu nehmen weiss.
"Lord Duncan," sagte sie nach einer kleinen Weile – "welches Licht gibt mir dieser Augenblick über mich! Wie unwahr sind wir noch immer gegen uns – und neben welchen absichtslosen Täuschungen gehen wir her, als ob wir sie nicht sähen! Was Sie mir jetzt aussprechen, ist die Ahnung der langen Vergangenheit, seit Margarit Lester mir in schüchternen Andeutungen ihre Liebe, ihre Vermählung mitteilte. Seit ich Elmerice sah, und aus ihren Erzählungen über ihren Vater Manches mir erschien, als ob eine liebe Hand den Schleier von einem unverwischlichen Bilde wegzöge – seitdem belebte sich diese Ahnung aufs neue! O, Lord Ducan, nehmen Sie mein Bekenntniss an: selbst das schöne Antlitz meiner Elmerice rief teure Züge in mir zurück; – und dennoch, dennoch hüllte ich mich schüchtern gegen die Wahrheit ein! Aber ich liebe dies teure Kind so zärtlich, so hingebend, wie ich nur vermocht hätte, wenn mir die Wahrheit aufgedeckt gewesen wäre; und all meine Einrichtungen für ihre Zukunft n a c h meinem tod, gestalteten sich so, wie es der Witwe Reginald's – mein schönster Titel blieb dies immer – zukam! O Mylord, wie froh bin ich, sagen zu können: ich war vor Ihrer Ankunft entschlossen, nach Ste. Roche zu gehen; und nicht alle meine Pflichten habe ich aus kränklicher Schonung meines verwöhnten Gefühles vernachlässiget."
"Reginald" – hob hier Lord Duncan an – "kannte Sie so genau, teure Freundin, dass er gerade so, wie es geschehen ist, den gang Ihrer Empfindungen voraussetzte. Nicht i c h sollte Elmerice begleiten; und da seine Gemahlin ihn überlebte, sollte auch diese erst der Tochter nach Frankreich f o l g e n ! Elmerice sollte alle Nachrichten über sein Leben ahnend in Ihnen vorbereiten, und wir nur hinzutreten, um das zu geben, was Ihnen dann noch fehlen würde."
"So fahren Sie fort," sagte Franziska d'Aubaine mit Fassung. Aber sie stützte ihr Haupt mit der Hand und entzog ihr Gesicht, damit dem Lord die Zeichen ihres tief erregten Gefühles beschämt verhüllend. Mit einer edlen Schonung erzählte Lord Duncan weiter:
"Nachdem Herr Lester zu einiger Fassung zurückgekehrt war, richtete er seine ganze Aufmerksamkeit auf seinen unglücklichen Neffen und bemühte sich, ihm eine Stütze zu werden. Sie begreifen, mit welcher Liebe und Bewunderung er den reich angebauten Geist, das edle Herz desselben erkennen lernte; wie stolz er im Laufe der Zeit auf ihn ward und wie er ihm seine achtungsvollste Freundschaft schenkte."
"Doch sein und Reginald's dringendstes Verlangen, einen Wirkungskreis, eine Tätigkeit zu finden, scheiterte wiederholt an Reginald's zerstörter Lebenskraft. Sein Aufentalt in der Bastille, die er unter den heftigsten Seelenleiden, nach einer kaum überwundenen Krankheit, ohne die nötige Pflege bewohnen musste, hatte eine hartnäckiges Siechtum veranlasst, das ihn viele Jahre nach einander zu derselben Zeit aufs Krankenlager warf und endlich die ärzte zu dem Ausspruche