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" rief Margot. "Wenn wir geschmückt sind, kommen wir alle in Prozession und holen Sie ab!"

"Ja, und Jeder nimmt einen Namen an aus den zeiten der Königin, deren Kleider wir nachahmen!" rief Mademoiselle de la Beaume.

"Dann müssten Sie Katarina selbst sein," sagte Armand. – "Gut," lachte die alte Dame – "Katarina bekam so gut weisses Haar, wie ich. Doch kann ich bloss eine stolze Königin darstellen; denn ihre übrigen Nüancen kann ich nicht ergründen!"

"Vergessen Sie nicht," sagte Armand – "dass sie gesellschaftlich, geistreich und liebenswürdig war, worin ihr keine Frau ihrer Zeit gleich kam, und dass dies gerade meinen Vorschlag bestimmte. – Aber Sie müssen sich jetzt eine Tochter, eine Margarete von Valois wählen!"

"Sehen wir sie nicht vor uns?" rief Mademoiselle de la Beaume – "Gräfin Bussy muss meine Tochter sein!"

"Nun," rief Lucile – "so will ich Johanna von Navarra wählen, die stolze Bearnerin, die ich so liebe, und Leonce soll mein Sohn sein! Und Sie, Miss Eton, müssen Eudoxia Nemours vorstellen, die eigentliche, wenn auch geheime Beherrscherin dieses Schlosses zu jener Zeit!"

Miss Eton schauderte bei dieser Wahl unwillkürlich zusammen. "Fürchten Sie Nichts," lachte die alte Prinzessin – "mir lebt kein Gemahl zur Seite; und ich verspreche, weder selbst, noch durch Andere Gift und Dolch zu führen."

"Ach, Madame," sagte Elmerice, zu ernst für den Maskenscherz – "der Tod ist nicht das Schimmste! Aber haben Sie die Tränenspur auf dem Betpulte des unglücklichen Fräuleins vergessen? Soll ich dieselbe Stelle einnehmen?"

"Wir müssen uns Alle das Wort geben," rief Mademoiselle de la Beaume, Elmerice lachend in die Augen schauend – "dass wir unseren jungen, schönen Gast von seiner viel zu ernsten Stimmung heilen. Sie sollen nicht umsonst die Hofdame der lebenslustigen Katarina geworden sein."

Elmerice errötete lebhaft und trat fast erschrocken hinter den Stuhl ihrer neuen Gebieterin; und dennoch sah sie, als sie Leonce seitwärts erblickte, wie sein Auge mit so vielem Ausdrucke auf ihr ruhte. Mit w e l c h e m Ausdruckedas wusste sie nicht zu deuten; doch fühlte sie eine Schüchternheit dadurch erweckt, die ihre Haltung bedrohte. – Indess fuhr die unermüdliche Mademoiselle de la Beaume fort, ihren Hofstaat zu ordnen. "Und Sie? – Margarete von Valois, meine königliche Tochter, ich präsentire Ihnen hier die berühmte Claudia von Guise als Ihre Hofdame! Doch vergessen Sie nicht, dass Ihr Gemahl, Ihrer schönen Augen wegen, fast der ganzen HugenottenPartei abfiel. Ich mache Ihnen ein gefährliches Geschenk," fuhr sie fort und zog Margot vor sich hin; – "und mein einziger Trost ist, dass Ihr Gemahl auch für die Schönheiten meines Hofes Augen zu haben scheint, die kleine Claudia aber verdecktes Spiel sehr gut versteht und dem verliebten Bearner nicht nachstehen wird."

Nun ward eben so viel gelacht, als errötet. – Die übrigen Herren wurden ebenfalls verteilt. Armand war Heinrich von GuiseVardes wollte Benserade seinGraf Bussy Colignyund Guiche der Busenfreund von Heinrich von Navarra, der schöne jugendliche Condé!

"Ach," sagte die Prinzessin lachend – "die letzte Wahl gefällt mir. Condé und Navarra hatten immer ihre kleinen Intriguen! Das passt sich. Aber hütet Euch jetzt vor Eurer Königin; – sie hatte beständig ein Auge auf diesen Prinzen und entdeckte alle seine Geheimnisse!" –

Diese Scherze belebten den Kreis und sicherten eine freie Bewegung; Jeder konnte so viel Geist und Phantasie zeigen, als er besass, und Alle fühlten sich aufs Höchste erheitert und entzückt.

Und dennoch schien es derjenigen, die dazu Veranlassung gegeben, als sei sie auf das schmerzlichste dadurch verletzt. Als sie endlich bei dem Aufbruche der ganzen Gesellschaft in Fennimors Gemächer trat, in denen sie ihre alte Freundin, trotz des vollen Kerzenscheins, den sie stets darin verbreitete, neben Fennimors Sterbeplatze fest eingeschlafen fand, sog sie dies Bild der Ruhe und des Friedens mit vollen Zügen ein, und eine schwere, unerträgliche Last schien von ihr genommen. "Nein," sagte sie leise, über der Schlafenden die hände ringend – "ich kann nicht bei Euch bleiben, ich gehöre zu DirDu bist die einzige, die ich noch beglücken kanndort hat Jeder erreicht, was er wünscht, und was ihn erfreutbeneiden will ich es ihnen nicht; – aber weshalb soll ich mit lachendem mund die tiefe Wunde meiner Brust so harter Berührung preisgeben? Warum das Kostüm, was Du, meine heilige Fennimor, trugest, was Dich schmücktezum Fastnachtsscherze verbraucht sehen, da es den Schein der Aehnlichkeit mit der Tracht jener verufenen Zeit der Medicäerin hat? Nein, hier will ich bleiben und Dir dienen, Emmy, mit dem Schein-Glückke, nach dem Dein armes Herz so begierig griff!"

Gekräftigt, beruhigt durch diesen Entschluss, trat sie hinaus an Fennimors Grab. Sie kniete nieder, und drückte ihr glühendes Angesicht gegen den kalten Marmor. Sie konnte nicht weinen, trotz der tiefen Wehmut ihres Herzensihr Nachdenken war von allen Rückerinnerungen ihrer früheren Tage in Leitmorin erfüllt, es streifte vergleichend das eben Erlebte und erhöhte das bange klopfen ihres Herzens. "Ach, Fennimor," sagte sie, sich erhebend