, dass Ihre Cousine mich recht eigentlich auf Ihre liebenswürdige Heiterkeit angewiesen hat? Dass ich also mit ganz besonderem Anteil um Ihr Wohlwollen bitten muss?"
"O Miss Eton," lächelte Margot – "da hat man Ihnen verschwiegen, dass ich den ganzen Tag – von der ganzen Gesellschaft gescholten werde, und dass nicht Viel an mir bleibt, als an einem unartigen kind, mit dem man sich einrichten muss, wie es gehen will."
"Erlauben Sie mir den Versuch," erwiderte Elmerice verbindlich – "die ganze Gesellschaft scheint sich mit Ihnen sehr wohl zu befinden!" –
"Sie wollen mich durch Güte erziehen, da alle Anderen darauf bedacht sind, es mit Strenge zu tun; und gewiss, Sie sollen in mir eine willige Schülerin finden; denn die Bewunderung, die ich schon seit lange für Sie hege, kann Ihre persönliche Bekanntschaft nur erhöhen." –
"Aber, Margot, wollen Sie Ihren armen Vetter ganz verdrängen?" rief d'Anville; – "seine Verbeugung dauert schon so lange, als Sie vor ihm stehen! Nun, Miss Eton," rief er freundlich, als Margot lächelnd zurücktrat – "nehmen Sie meinen Bruder gütig als Ihren Bewunderer auf!"
Leonce erhob sich hier aus seiner gebeugten Stellung, und mit raschem Entschlusse vor Elmerice hintretend, sagte er fast stolz: "Miss Eton wird geneigt sein, die Bewunderung einer so unbedeutenden person zurück zu weisen, und Jeder wird vor ihr die Schranken fühlen, hinter denen er sich zurückziehen muss. Das zufällige Glück, Miss Eton hier zu sehen, wird gewiss auf das lebhafteste von mir empfunden!"
Elmerice verneigte sich ernst, ohne zu sprechen; als sie ihr gesenktes Auge vom Boden erhob, streifte es eine leichte, schwarzseidene Schlinge, in welcher Leonce noch immer den früher gebrochenen Arm trug. Ihr Auge blieb daran haften, und ihre Züge verrieten den lebhaften Wechsel ihrer Empfindungen. Sie öffnete zwei Mal die Lippen – endlich sagte sie kaum hörbar: "Sie waren verwundet, Herr Marquis? Gräfin d'Aubaine schrieb mir, dass Sie einen Unfall hatten."
Leonce hatte jedes Wort von ihren Lippen verschlungen. "Es war ein sehr unbedeutender Unfall!" rief er; und als sie schwieg, fuhr er mit Lebhaftigkeit fort: "ich segne die Veranlassung – und habe zu viel wirklichen Schmerz erlitten, um dies Ereigniss dazu rechnen zu können!"
Der Zufall wollte, dass sie sich bei diesen Worten fast allein gegenüber standen, da die Uebrigen sich besprachen, jetzt die Zimmer der Königin, die alle Schrecken verloren hatten, zu besuchen. Leonce schien nach seiner Erwiederung eine Antwort zu erwarten; – Elmerice stand noch in derselben Stellung. – Plötzlich richtete sie sich auf, blickte ihn ernst und flüchtig an und wendete sich, ihn grüssend, dann zu den Uebrigen.
Als man die Zimmer betrat, hatte sich Emmy Gray daraus zurück gezogen, welches für Elmerice eine Erleichterung, für die Anderen eine unangenehme Täuschung war. Leonce trat an den Schreibtisch, vor dem Elmerice gesessen – und betrachtete bewegt das aufgeschlagene Prachtwerk, in welchem sie gelesen.
Wenn Blicke sich ahnen, so finden sie sich durch alle örtlichen Hindernisse hindurch; – Elmerice und Leonce blickten sich an, durch viele Personen von einander getrennt!
Wir übergehen den Eindruck, den die weitere Besichtigung der Zimmer bei der Gesellschaft hervorrief. Als man sich anschickte, sie zu verlassen, entstand ein neuer Kampf mit Elmerice, welche zu ihrer alten Freundin zurückkehren wollte und dennoch, von Allen liebevoll gedrängt, sich der Gesellschaft anschliessen musste.
Mit unbeschreiblicher Schwermut sah sie sich plötzlich in dem Zirkel, den zu fliehen, sie so viel Grund zu haben glaubte – sah sich unter heitere, sorglose Menschen versetzt, deren Leben glücklich und sicher begründet schien, während sie mehr, wie je, sich heimatlos, ohne ausreichenden Schutz, ohne Anspruch an eine feste Lebensstellung fühlte! Dabei hatte sie, trotz aller Schonung ihrer Umgebungen, dennoch eine vornehme Neugier zu ertragen, die mit tausend Höflichkeiten doch zu ergründen trachtete, ob eine Miss Eton, die auch nicht zur englischen Aristokratie gehörte, wirklich den Anforderungen einer höheren Geselligkeit Stich halten werde; und die überraschte Bewunderung, mit der man günstige Wahrnehmungen aufnahm, hatte für wahres Zartgefühl etwas Beleidigendes. – "O, wie Recht hatte mein Vater," seufzte sie – "mit ihrer Höflichkeit erstarren sie mein Herz!"
Freilich machten hiervon Lucile und Armand, ebenso wie die kleine Margot eine ehrenvolle Ausnahme. Diese hatten die Höflichkeit des Herzens, die immer den rechten Ton zu finden weiss, und Elmerice zeigte bei jenen aus Stolz und hier aus wirklich dankbarem Gefühle, eine schickliche Teilnahme an der lebhaft angeregten Unterhaltung.
Dazwischen war ihre Kleidung ein Gegenstand des Entzückens für alle Damen, dem sich mit einiger Zurückhaltung die Herren anschlossen, die alle heimlich einander beschuldigten, an Miss Eton ihr Herz verloren zu haben; denn selbst Armand, der treueste Paladin seiner Dame, sollte sich zu hingerissen gezeigt haben.
Bald hatten die Damen heraus gefunden, dass diese Kleidung auf dem land und in diesem alten schloss viel passender sei, als die, welche jetzt herrschende Mode war; und Elmerice zeigte sich willig, sich in einem Nebenzimmer den Blicken aller herbei gerufenen Kammerfrauen darzustellen, die sich verpflichten mussten, auf das schnellste mit den vorhandenen Kleidern der Damen diese Metamorphose vorzunehmen.
"Miss Eton, wie allerliebst wird uns morgen die Mittagstafel kleiden!