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das schöne Wesen, das so berechtigt erschien, durch die Vereinigung von Geist, Bildung und äusserm Reize! Ihre Weigerung war keine eigensinnige, ungeschickte Laune; sie kam tief aus ihrem Herzen, sie schien dabei zu leidendas fühlten Beide. Sie k o n n t e n ihre Bemühungen nicht aufgeben!

"Wir wollen nicht unbescheiden werden," rief Lucile – "Sie sollen in Ihre Einsamkeit zurückkehren können, wenn Sie wollen; nur müssen Sie uns nicht ganz verwerfen, Sie müssen uns alle erst kennen lernen, genug, ich muss eine kleine brücke zu Ihnen hinüber haben; denn schon jetzt fesseln Sie mein ganzes Herz, und ich könnte Sie nie wieder vergessen!"

Diese letzten Worte erschreckten Elmerice fast, denn sie sprachen aus, was s i e gegen die Marquise anfing zu fühlen. Beide blickten sich daher mit zärtlicher Ueberraschung an, und ohne es selbst zu wissen, folgte sie der liebenswürdigen Frau, die sie sanft mit sich zog. "Sie finden in den Nebenzimmern alle meine Freunde, die wahres Verlangen tragen, Sie zu sehen, und entzückt sein werden, Sie kennen zu lernen."

Jetzt erst, wie sie sich mit diesen Worten der tür näherten, an der Bussy und Vardes in sprachlosem Erstaunen stehen geblieben waren, erinnerte sich Elmerice ihrer auffallenden Kleidung. Sie zögerte abermals und rief ängstlich: "Madame, betrachten Sie mich! Ich kann in dieser Kleidung nicht vor Ihren Freunden erscheinen; – ich legte sie an," fuhr sie beschämt und verwirrt fort, "um dem Herzen meiner alten Freundin wohl zu tun, die damit ihr heiliges Erinnerungsfest feiert; – aber dies, wie mein ganzes verhältnis, war auf die tiefste Einsamkeit berechnetsetzen Sie mich nicht dem Tadel oder dem Spotte Anderer aus!" –

"Nein, nein, Alle werden entzückt sein, das herrliche Kostüm zu sehenAllen werde ich erklären, wie es zusammenhängtNiemand wird diese fromme Nachgiebigkeit verkennen." –

Vardes hatte schon die tür geöffnet; – sie standen in derselben der aus den entfernteren Gemächern zurückkehrenden Gesellschaft beinahe gegenüber.

Da fühlte Elmerice, dass jedes Zurücktreten unmöglich sei, und ihr edler Stolz erwachte. Sie wollte ihre vollkommene herrschaft über sich wieder habenund die Anstrengung gelang.

Doch wer könnte das Erstaunen der Gesellschaft beschreiben, als aus den Zimmern der Katarina von Medicis, an der Hand der Marquise d'Anville, eine wunderbare Schönheit hervortrat, deren Kostüm, jener Zeit gehörend, vereinigt mit ihrem marmorblassen gesicht, sie als eine aufgefundenen Bewohnerin aus diesen Räumen eines vergangenen Jahrhundertes erscheinen liess! Niemand regte sich von seinem platz; Elmerice hatte Zeit, Alle zu erkennen. Margot war nicht dabei; sie lehnte seitwärts an einem der merkwürdigen Schränke des Saales, und vor ihr, den Rükken gegen die Eintretenden gewendet, stand der Marquis Leonce, zu eifrig redend, um zu gewahren, was hinter ihm vorging.

"Wir sind so glücklich gewesen, mehr und Besseres zu finden, als wir suchten," sagte der Marquis. "Miss Etondie Freundin meiner Tante Franziska, die sich uns so spröde entzogen hat."

Jetzt mussten die Damen sich eingestehen, dass das schöne Bild lebe; Elmerice zeigte die vollkommenste Haltung und eine so anmutig verbindliche Miene, als sie die Begrüssungen erwiderte, dass die günstigste Meinung von ihrer Erziehung den Eindruck ihrer Schönheit erhöhte.

"Sie sind in Allem glücklich, liebe Marquise," sagte die alte Prinzesse de la Beaume; – "während wir hier verlegen und beschämt umher wanderten, verschafft Ihnen Ihr Mut eine so reizende Bekanntschaft."

"Ja, meine Damen," erwiderte die Marquise – "ich bin stolz darauf, und noch mehr wie stolz, ich bin sehr glücklich! Bald werden Sie mir für Nichts so dankbar sein wollen, als für diese probe meines Mutes!"

Alle fühlten, die Marquise wolle ihrer jungen Begleiterin eine möglichst gehobene Stellung geben, und Alle beeiferten sich, einen Kreis um sie zu schliessen.

Indessen nahte sich Armand seiner Muhme Margot. "Kind," rief er – "lassen Sie Ihr tête à tête und kommen Sie zu uns, wir haben Miss Eton entdeckt, die in jenem Zimmer weilte; und es ist unseren Bitten gelungen, sie hierher zu führen."

Als ob ein Pistol an Leonce's kopf abgeschossen würde, so fuhr er bei den Worten seines Bruders in die Höhe. Er wendete sich schnell und sah Elmerice in dem Kreise der Damen stehen, mit Ruhe und Unbefangenheit redend, aber mit einer Blässe bedeckt, die sie wie einen Geist erscheinen liess.

"O Leonce," rief Margot, sich auf seinen Arm stützend, "haben Sie je eine wunderbarere Erscheinung gehabt? Und das ist unser lebendig gewordenes Bild aus dem Eudoxien-Turme!"

"Nun so begrüssen Sie, wie wir Alle, das herrliche Wesen mit achtung und Güte," rief Armand, und führte sie Beide der Gruppe zu.

"Ach, da kommt meine Muhme Margot!" rief Lucile. "O komm', mein Liebchensieh', unser Wunsch ist erfüllt! Miss Eton, das ist wieder eine Nichte Ihrer Freundin d'Aubaine, die Tochter des einzigen Bruders unserer lieben Franziska!"

Elmerice hatte sie mit ihren Begleitern sich nahen sehen, sie begrüsste sie mit besonderer Freundlichkeit, und verzögerte die Vorstellung des Marquis Leonce, indem sie lebhaft ausrief: "Wissen Sie auch