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mit den Augen bewachend, rief sie rauh und streng: "Fürchte Dich nicht, mein Engel! Sie dürfen Dir Nichts tun, sie haben kein Recht an Dir."

Noch immer schwieg die junge person, obwol sie die Hand von dem stuhl zog und sie leise, wie abwehrend, gegen die Alte aufhob, die sogleich verstummend zurücktrat.

"In welcher Weise dürfte auch Miss Eton ihre Freunde fürchten?" fragte nun Lucile mit dem gewinnenden laut ihrer stimme; – "denn so stolz sie sich uns auch entzogen hat, darf ich dennoch nicht zweifeln, dass mir der Zufall günstig ist, und ich die Freundin meiner Tante d'Aubaine vor mir sehe. Erlauben Sie mir, Ihnen meinen Gemahl, den Marquis d'Anville, vorzustellen."

"Madame," sagte Elmerice, noch immer mit bebender stimme – "entschuldigen Sie meine Ueberraschung! Ich ahnte nicht, Ihnen in diesen verödeten Gemächern hinderlich werden zu können!"

"Das möchte auch in Wahrheit unmöglich sein," rief der Marquis d'Anville. "Was könnten wir uns für einen glücklicheren Zufall wünschen, da er unser lebhaftes Verlangen erfüllt, uns Ihnen vorstellen zu dürfen."

Elmerice verneigte sich mit einer so edlen Würde, dass der Marquis das Wort, welches ausblieb, nicht entbehrte.

"Aber jetzt," sagte Lucile, während sie Elmerice ganz nahe trat und die schöne, kalte Hand von den Marmorblumen, die sie noch immer festielt, wegzog; – "jetzt haben wir Sie, und Sie werden sich uns nicht mehr entziehen könnenoder wenigstens abwarten müssen, ob wir uns nicht Ihre Gesellschaft verdienen!"

"Madame," sagte Elmerice, die ihre Besinnung wieder zu erhalten schien; – "ich war so frei, Euer Gnaden meine notwendige Bestimmung darüber mitzuteilen. Wenn ich jetzt den Mut habe, sie zu wiederholen, muss ich es mir selbst zum Verdienst anrechnen, da ich das Glück Ihrer persönlichen Bekanntschaft geniesse."

"Wie, Sie wollten nicht mit uns leben?" sagte d'Anville, gutmütig näher tretend; – "o, versuchen Sie es! Wir sind alle jung, heiter, ich darf sagen, gut geartet. Warum wollten Sie nicht in den Kreis eintreten, zu dem Sie in jeder Beziehung gehören?"

"Ich habe eine heilige Pflicht gegen eine teure, alte Freundin übernommen;" erwiderte Elmerice; – "ich darf mich davon nicht ablenken lassen, wie ehrenvoll es auch sein müsste, Ihre Güte anzunehmen."

Da zuckte sie zusammen; denn auf ihre weisse Schulter legte Emmy Gray die verknöcherte Hand, und sagte in ihrer gebrochenen Redeweise: "Kind, Kind, stosse diese dort nicht zurück, sondern tritt ein in ihre Kreise und siehe zu, was sie beschliessen werden. Wohl gehörst Du zu ihnen, und ich muss Dich dort wissen, ehe mein letzter Tag kommt."

Elmerice wendete sich und sprach, wie es schien in englischer Sprache, leise bittend zu ihr, während der Marquis sich der Alten nahte.

"Mistress Gray," sagte er freundlich; – "erlaubt, dass ich Euch in Ste. Roche willkommen heisse. Immer habt Ihr meinen Besuch abgelehnt; und doch hätte ich gern selbst nachgeforscht, ob es mir nicht möglich wäre, Euch irgend eine Erleichterung Eurer Lage zu verschaffen."

"Lasst das, Herr," sagte Emmy trocken; – "Ihr habt keine Macht, mir Etwas zu gewähren; mit Eurer Familie habe ich abgeschlossen! Ich wohne in dem rechtmässigen Erbe meiner ehemaligen Gebieterin und weiss vollständig, was mir darin zustehet, zu meiner Erleichterung zu verfügen. – Fragt, ob Emmy Gray Euch hier willkommen heissen mag!"

Diese Rede schien Niemanden, als Elmerice zu verletzen. Alle waren auf Emmy's abenteuerliche Weise so vorbereitet, dass ihnen auch Stärkeres erwartet gekommen wäre.

"Tut es immer, Mistress Gray," antwortete der Marquis, ohne das ironische Lächeln, mit dem verletzte Eitelkeit sich herablassend zu rächen weiss, wenn sie sich anscheinend zu bezwingen sucht – "Ihr werdet mir dadurch mehr Eigentums-Gefühl geben, als ich bis jetzt empfinden konnte."

Emmy blickte trübe zu ihm auf; und dieser blick, der aus den tief gesunkenen Augen drang, war scharf und klug.

"Wir werden sehen, – ich werde ja hören, wie Ihr seid," sagte sie dabei; – "Louise, Eure Mutter, war so übel nichtLesüeur rühmte sie oft; – nun, wir wollen sehen!" –

"Und Sie?" – fragte nun Lucile, mit Armand herzlich zu Elmerice tretend. "Selbst Ihre alte Freundin, der Sie sich so grossmütig widmen, redet unserem Vorschlage das Wortund Ihre jugendlichen Wangen, die blässer sind, als sie sollten, fordern Sie gleichfalls auf, unter Menschen zu leben, die mit ihrer Heiterkeit versuchen würden, ihnen wieder Farbenglanz zu geben."

"Ach Madame," erwiderte Elmerice, fast überwältigt von der Qual dieser dringenden Anforderungen; – "wie wenig passe ich in Ihre harmlos glücklichen Kreise! Glauben Sie nicht, dass ich Ihre Güte weniger empfinde, wenn ich sie ablehne; aber ich muss mir diese Zurückgezogenheit als eine Güte von Ihnen ausbitten. Vielleicht haben Sie Recht; – und mein krankes Ansehen verrät nur zu sehr, dass ich leidend bin und also der Ruhe bedarf."

Lucile und Armand betrachteten mit dem grössten Anteile