für die polnischen Magnaten, die hier vor der Wahl des Herzogs von Anjou ihren heimlichen Besuch machten, einrichten; und ausser Liebestränken und goldenen Netzen, wird sich hier nicht Viel nachweisen lassen."
"Ich hoffe doch!" sagte die heitere alte Dame – "das wird der glorreichen Frau Königin nicht Alles nach Wunsche gegangen sein! Irgend einer von den anwesenden Herren hat sich gegen ihren Willen gesträubt; da ist er denn verunglückt – von dem Altan gefallen – zwischen den Tapeten verschwunden – der Nachttrunk hat ihm einen Schlagfluss zugezogen – geschweige denn die notwendigen Liebesopfer, die Katarina gerade so, wie Gift und Dolch anzuwenden verstand – genug – ich hoffe, wir erleben etwas!"
"Ich bleibe die ganze Nacht auf," sagte die Gräfin Bussy – "wenn Sie mich so ängstigen, ma chere tante!"
"Still, still, mein Engel!" lachte die alte Dame, indem sie sich erhob – "die schönen, polnischen Magnaten werden selbst mit dem Kopf unter dem arme, Dir den Respekt nicht versagen, den Deine Schönheit befiehlt."
Alle erhoben sich nun, um im Hofdamen-Zimmer die interessanten Portraits aus jener Zeit zu betrachten. –
Als Margot d'Aubaine am Abende dieses Tages ihre Kammerfrauen entlassen hatte, öffnete sie, wie es ihre Gewohnheit war, das niedere Fenster, das nach dem Burggarten führte, und setzte sich auf den Fensterrand.
So viele Gedanken und Gefühle wogten in ihr! Die grossen, feurigen Augen glänzten feucht und blickten so ernst, dass man hier kaum das gaukelnde Kind des Tages wieder erkannt hätte. Da flog plötzlich eine Rose so gut gezielt und so geschickt hinein, dass sie Margot wider Willen in der Hand behielt. "Leonce!" rief sie unwillkürlich; denn – waren ihre Gedanken mit ihm beschäftigt gewesen – war ihr diese Art, sich anzukündigen, bekannt – genug, sie zweifelte nicht, wer es sei.
"Nun Sie mich erkannt, dürfen Sie weder nach hülfe rufen, noch vor Schreck in Ohnmacht fallen," sagte er leise – "sondern Sie müssen mir erlaubnis geben, hinter der Hollunderwand hervorzukommen und mit Ihnen von Herzen zu reden."
"Das werde ich nicht tun," rief Margot, ohne sich vom Fenster zu rühren – "ich werde Ihr unschickliches Verfahren nicht aufmuntern."
"Gut," sagte Leonce – "so will ich Ihnen die Verantwortung ersparen!" und in demselben Augenblicke sass er vor ihr in der andern Ecke des Fensters, das er von Aussen mit einem Satze erreicht hatte.
"Jetzt," sagte er, lachend die arme in einander schränkend – "kann unsere Gouvernante die Distancen messen und wird Alles in bester Ordnung erklären müssen."
Margot senkte den Kopf, um ihr Lächeln zu verbergen. Sie hatte weder zum Billigen, noch Missbilligen das Herz.
"Und nun," fuhr er fort – "teure, liebe Margot, die Masken vom gesicht! Nein, wenden Sie sich nicht von mir weg! Denken Sie, dass ich diesen tollen Streich, aus meinem Fenster zu steigen, um das Ihrige zu erreichen, gewagt hätte, wenn mir der Gedanke Ruhe gelassen hätte, dass ein Missverständniss zwischen uns treten könnte? Sagen Sie mir, teure Liebe, erkennen Sie mein Herz? Sind wir uns Beide verständlich geblieben – und vertrauen Sie meiner treuen Liebe?"
Margot schwieg einen Augenblick – dann fuhr sie rasch empor. Beide kleine hände streckte sie nach ihm aus und rief so innig und zärtlich, wie sie vermochte: "Nein, nein, guter, lieber, edler Leonce, ich verkenne Sie nicht! Mein Herz begreift Ihre Absichten und – lassen Sie es mich gestehen – mit den sichersten Hoffnungen für meine glückliche Zukunft!"
In demselben Augenblicke sprang Leonce auf, und ehe sich Margot besinnen konnte, umschlang er sie und gab ihr einen herzlichen Kuss.
"Ungeheuer!" schrie Margot, ausser sich vor Schreck; aber schon sass er ihr in der grössten ruhe gegenüber.
"Sie haben Nichts mehr von mir zu fürchten," sagte er – "aber Ihr allerliebstes geständnis machte mich zu glücklich!"
"Nun, hören Sie weiter! – – hören S i e nur," rief Margot, zitternd vor Schreck – "man hat uns belauscht – wir sind verraten!"
Auch Leonce hatte auf dem Altan über ihrem Fenster die Türen öffnen hören und erinnerte sich, dass hier die Zimmer von Mademoiselle de la Beaume waren. "Still!" sagte er leise – "sein Sie ganz still – wir werden durch die Geisterfurcht der alten Dame gerettet werden!"
"Ach, Euer Gnaden," rief eine zitternde stimme – "wagen Sie sich nicht so dreist – Sie haben es selbst gehört – es ist nur zu gewiss, nicht hier draussen war das Geräusch – hier innen, hinter dem grossen Bilde – ach, mein Gott, lassen Sie mich die anderen Herrschaften wecken, dass sie uns zu hülfe kommen!"
"Schweig', Törin," erwiderte Mademoiselle de la Beaume; – "hier von Aussen kam das Geräusch! Ich habe nicht durch tolle Furcht mein Gehör verloren."
"Ach, so sei Gott Euer Gnaden gnädig! – Nicht einmal den Rosenkranz haben Sie am arme – nun so soll der meinige Euer Gnaden schützen!" – Jetzt hörte man eine stimme, wahrscheinlich den Rosenkranz murmeln. Mademoiselle de la Beaume stand indessen