, Andere nie durch fragen oder Gedanken zu belästigen und immer höflich zuzuhören, wenn gesprochen ward, hatten ihr allgemeine Bewunderung erworben. Lucile de Maurepas wusste jedoch, dass ausser dieser bequemen, äusseren Erscheinung, ihr ein festes, tugendhaftes Herz inne wohnte, dass sie Gefallsucht und Eitelkeit aus reinem weiblichen Instinkte verabscheute und mit unerschütterlichem Mut alle Verführungen abgewiesen hatte, die an dem hof Ludwigs des Fünfzehnten jeder ausgezeichneten Schönheit drohten und leider mit nur zu viel Bereitwilligkeit von den ersten und vornehmsten Familien des Adels entgegen genommen wurden, die eine so hoch herkommende Entehrung aufgehört hatten, unter sich so zu benennen.
Dennoch waren beide Frauen, seitdem Lucile de Maurepas, Marquise d'Anville ward, fast ganz aus einander gekommen, und die bescheidene Heloise, die für Lucile eine beinah schwärmerische Bewunderung fühlte, wagte nicht, sich selbst anzumelden, sondern überliess dies ihrem Bruder, dem jungen Grafen Guiche, der mit Leonce und Armand befreundet war.
"O, Madame," sagte sie jetzt, von Armand geführt, mit der anmutigsten Bescheidenheit sich vor Lucile verneigend – "was werden Sie zu meinem Besuche sagen?"
"Dass Sie immer noch dieselbe Treue und Liebenswürdigkeit besitzen, die ich wohl bewundern und lieben konnte, aber nie erreichen!" Hiermit umarmte Lucile die schöne Heloise und stellte ihr Mademoiselle d'Aubaine vor, welche noch nicht präsentirt und der Gräfin Bussy daher fremd war:
"Meine kleine Muhme, die eben so unartig, als schön, eben so gutmütig, als ausgelassen ist! Wollen Sie sie unter ihren Schutz nehmen?"
"Ach, Madame, wer Ihren Schutz geniesst, wird den der ganzen Welt entbehren können, und Ihre schöne Muhme soll mich lehren, wie man Ihren Beifall verdient. – Doch der Graf Bussy wird mir zürnen, ihm so lange den Weg zu Ihnen vertreten zu haben."
Graf Bussy war eben so schwarz, als seine Gemahlin weiss, und in der Grösse überragte er sie bedeutend. Auf seiner breiten Brust ruhte ein Firmament von Sternen; denn er hatte in Spanien mit Auszeichnung gedient, und war Oberster eines Reiter-Regiments. Er hatte den Ernst eines Kriegers auf der breiten Stirn und blickte mutig und freundlich zugleich, wie das eine so schöne Eigentümlichkeit dieses Standes zu sein scheint; nur seine Lippen waren zu stark emporgedrängt; sie bezeichneten den Stolz der Bussy-Rabutin. Er war der passendste Gemahl für Heloise de Guiche; denn er war sicher, nie seine Heftigkeit durch sie erregt zu sehen, nie Grillen oder Widerspruch begegnen zu müssen, was er Beides nicht gelernt hatte zu ertragen. dafür schützte er sie, wie eine Mutter ihr Kind. Er hatte eine unablässige Aufmerksamkeit für sie; er umgab sie mit der höchsten Liebe und war glücklich, ihre schüchternen, kaum wahrnehmbaren Wünsche zu erraten und zu erfüllen.
Angenehm ward die Marquise d'Anville durch die Begleitung von der Prinzesse de la Beaume, einer alten Tante der Gräfin Guiche, überrascht, und mit ihr stellten sich Graf Guiche und der Chevalier de Vardes vor, Beide gleich ausgezeichnete Bekannte ihres Gemahls und Schwagers.
Das Audienz-Zimmer der Katarina von Medicis nahm diese angenehm gemischte Gesellschaft auf, und Mademoiselle de la Beaume unterliess nicht, nachdem sie von Leonce Alles erfragt hatte, die Erinnerungen hervorzurufen, die hier so nahe lagen.
"Ueberhaupt, meine liebe Marquise," fuhr sie fort – "halten Sie sich nicht durch mein weisses Haar gegen meine Neugier gesichert; ich bin mit dem vollständigsten Willen hierher gekommen, sie so viel, als möglich, zu befriedigen! Glauben Sie mir, Versailles vergass einen ganzen Tag lang, über den neuen Hofstaat der Marquise de Pompadour zu scherzen, als wir unser Glück verkündigten, Ihnen aufwarten zu dürfen; und wer nicht irgend ein Wunder von Ste. Roche zu erzählen wusste, war den Tag nicht de bon ton!"
"Dem Himmel sei Dank, Madame!" rief Lucile. "Der Marquis d'Anville wird aufs neue Hoffnung fassen für meine noch mögliche Entwicklung, wenn er an Ihnen beobachten kann, dass die höchste Liebenswürdigkeit sich mit etwas Neugier verträgt! Ich war gar zu sehr in Misskredit gekommen; denn ich hatte denselben Vorsatz, wie Euer Gnaden, und ihn zum Teile schon ausgeführt."
"O," rief Mademoiselle de la Beaume – "wie allerliebst, dass ich in Ihnen eine Verbündete finde! Der Marquis ist wahrscheinlich schon mit Allem, was Neugier heisst, durch Sie versöhnt, und wir haben seine Unterstützung sicher. – Sagen Sie mir nur das Eine, ob wir auch ein wenig graulich wohnen werden; denn es wäre doch entsetzlich, wenn wir nicht in der Nacht ein noch nie erlebtes Ereigniss hätten!"
"O, ma princesse," rief die Gräfin Bussy – "darnach trage ich gar kein Verlangen! Doch, wie kann ich sie annehmen, wo meine teure Marquise herrscht!"
"Teure Gräfin," lachte Lucile – "bis jetzt beherrschen die Phantasien dieses Schlosses m i c h mehr, als ich s i e ! Wir haben uns gestern noch gestanden, dass über uns Alle ein besonderes Wesen gekommen ist, dem Jeder von uns einen kleinen, ungewöhnlichen Tribut zahlen musste; und wir sahen Ihrer Ankunft mit dem Vertrauen entgegen, in Ihrer Nähe alle unsere Träumereien zu vergessen. Die Zimmer übrigens, die Sie, ma princesse, bewohnen werden, sind leider mit keinem besonderen Attentate bezeichnet. Katarina von Medicis liess sie