, wie Miss Eton, zu beherbergen."
"Ich bitte Euch, Herr St. Albans," stammelte Elmerice – "treibt Eure Güte gegen mich nicht so weit, dass sie uns alle verlegen macht – und rechnet mir ganz einfache Handlungen nicht als Verdienst an, da sie so leicht zu vollführen waren, und durch Ueberschätzung auch ihren geringen Wert ganz verlieren müssen. Madame St. Albans wird sich freuen, Euch so schnell zurückgekehrt zu wissen; besucht sie jetzt, es wird ihr wohl tun." –
"Nein, vergebt, Miss Eton, jetzt nicht! Ich muss Euch jetzt allein sprechen, und ehe ich meine arme Frau wieder sehe, denn ihr steht eine neue Erschütterung bevor." –
In diesem Interesse aufgefordert und selbst beunruhigt durch die Stimmung des Herrn St. Albans, eilte Elmerice zu einem der eichenen Stühle im Salon, sich niederzulassen.
"Ich weiss Euch Eure grossmütige Nachgiebigkeit nicht genug zu danken, Miss Eton," sprach Herr St. Albans bewegt, Elmerice's Hand an seine Lippen drückend; "aber urteilt von meiner Unruhe, als ich so eben diesen Brief von dem schloss Ste. Roche erhalte, der mir die tödtliche Krankheit der Mistress Gray, meiner Schwiegermutter, anzeigt. – Vielleicht habt Ihr von dieser unglücklichen und menschenscheuen Frau schon Einiges gehört; doch ist ihr Leben so über allen Ausdruck von der gewöhnlichen Form aller anderen Menschen abweichend, dass man sie selbst und ihre ganze Existenz als ein geheimnis ansehen muss. Sie hat sich, das Schicksal ihrer Gebieterin zu teilen, mit der sie, ihre Tochter, meine Frau verlassend, aus England nach Frankreich kam, in das Schloss von Ste. Roche vergraben. – Wie das verhältnis dieser ihrer Gebieterin war, welch' ein Recht sie an den Grafen von Crecy hatte, dem früher diese Besitzung gehörte, bleibt ihr geheimnis; aber nach dem tod derselben, die wenigstens lange als Herrin des Schlosses betrachtet ward, gab sich Mistress Gray dem finstersten Menschenhasse hin und verschloss sich in dem Teile des Schlosses, den sie mit jener unglücklichen Frau bewohnt hatte, um von da an keinen Menschen mehr zu sehen, als zuweilen meinen Vater, den Kastellan des Schlosses, der ihre kleinen Bedürfnisse nach Aussen besorgte. – Seit seinem tod ist sie noch mehr abgeschlossen. – Die Kinder der Nachbaren, denen sie einzig und allein Eingang gestattet, sorgen jetzt für ihre Bedürfnisse, aber keiner der älteren dieser Kleinen darf wagen, ihr zu nahen. Was der Graf Crecy für Gründe gehabt haben mag, meine Schwiegermutter als unanrührbar anzusehen, weiss ich nicht. Gewiss ist es, dass sie eine grosse Pension bezieht, dass bei seinen Lebzeiten die strengsten Befehle ergingen, Mistress Gray in nichts zu beunruhigen, genau sich ihren Anordnungen zu fügen, und dass seinen Erben dies auch noch im Testament als unerlässliche Pflicht vorgeschrieben ist. Meine Frau, welche in der Familie des Herrn Lester erzogen ward, begleitete damals Eure Mutter, Miss Lester, nach Frankreich. Hier sah ich Miss Gray zuerst, als sie ihre Mutter in Ste. Roche besuchte; aber das arme Kind fand an der düstern, strengen Frau keine Mutter, und hat sie nie an ihr gefunden. Dessen ungeachtet liess meine gute Frau nie ab, kindliche Pflichten gegen sie zu erfüllen, so viel ihr dies erlaubt war; denn Mistress Gray verläugnete es gar nicht, dass selbst die Nähe ihrer Tochter ihr lästig sei, und trostlos, sie so allein und verlassen in ihrem hohen Alter zu wissen, nahm diese dem arzt von Ste. Roche das Versprechen ab, bei eintretendem Erkranken ihrer Mutter, sie sogleich davon zu benachrichtigen. Dieser Augenblick ist gerade jetzt gekommen. Der Arzt schreibt mir, dass er erst jetzt nach mehreren Tagen, da der Zustand schon höchst bedenklich scheine, ihre Krankheit erfahren habe, und treibt meine Frau zur Eile, wenn sie die letzten kindlichen Pflichten an ihr erfüllen wolle. – Denkt nun selbst, liebe Miss Eton, in welcher bösen Lage ich bin! Wie darf ich diese Nachricht meiner Frau bei ihrer Reizbarkeit mitteilen, ohne eine neue Gefahr über sie zu bringen, und wie darf ich es ihr verschweigen, da sie mir, wenn der Tod ihrer unglücklichen Mutter eintreten sollte, diese Schonung zum ewigen Vorwurf machen, und sich in ihrer kindlichen Liebe aufs Tiefste verwundet fühlen würde."
Miss Eton war sehr erschüttert von dieser Mitteilung und, gleich dem besorgten Gatten, sehr beunruhigt um die wirkung dieser Nachricht, die zu verschweigen eben so gefährlich war, als sie mitzuteilen.
Eben hatten Beide verabredet, den Pater Ambrosius in Rat zu nehmen, und waren in Begriff, sich zu trennen, als die tür aufging und zu Beider grosser Ueberraschung Madame St. Albans, auf den Arm Marylone's gestützt und völlig gekleidet, obwohl noch schwankend und blass, in den Saal trat.
Das Erstaunen war gegenseitig; Madame St. Albans, die ihren Mann im feld glaubte, Miss Eton auf ihrem Zimmer, schien am Boden gewurzelt, als sie Beide in eifriger, traulicher Unterredung vor sich sah.
Gewiss war das Gefühl der beiden so Ueberraschten, nach dem, was sie so eben mit dieser argwöhnischen Frau erlebt, nicht minder verwirrend, da ihnen einleuchtete, dass sie die Ursache dieses Beisammenseins noch nicht im stand waren, auszusprechen. Daher war ein Augenblick, der Alle zur Freude berechtigte, jetzt nur gekommen, sie unsanft zu berühren.
Herr St. Albans empfand jedoch