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nach dem Ende des düsteren Saales, und leicht gelang es ihm, die tür nach der Gallerie zu öffnen, die er hier, gut vertraut mit dem Plane des Schlosses, vorzufinden sicher war.

Er fand die tür nur angelehnt, und als er sie aufstiess, glaubte er eine weibliche Gestalt am Ende der Gallerie verschwinden zu sehen; doch war diese so mit kleinen, selbst gesäeten Gebüschen bewachsen, dass ihm kein freier Durchblick gestattet war, und er fast beschämt seine forschenden Augen zurückzog, überzeugt, es sei ein Spiel seiner eben so lebhaft erregten Phantasie. – Es drang indessen ein Strom von Luft und Sonnenlicht durch die geöffnete tür, dass sich Alle der erfreulichen Richtung zuwendeten. Aber indem sie ihr entgegen eilten, mussten sie an der grossen, eichenen und noch immer behangenen Tafel vorüber, auf der Ludwig sein Leben ausgehaucht; und das scharfe Licht, was jetzt durch die tür strömte, erhellte sie und den dunkeln Fussboden davor.

"Was ist das?" rief Lucile, überrascht stehen bleibend – "dies ist ein Grab, mit Blumen überdeckt!"

Man nahete sich. Die Vegetation der so schmerzlich gedüngten Stelle war nicht zu läugnen; der feuchte Saal hatte die traurige Aussaat begünstigt; aber ein frischer Kranz von Epheu und Cypressen konnte diesem Stillleben der natur nicht zugerechnet werden; und Alle blieben schweigend vor dem nicht erklärbaren Ereignisse stehen.

"Nun," sagte Leonce – "wir wissen ja, dass wir nicht die alleinigen Bewohner dieses Schlosses sind. So muss denn Emmy Gray diesen Kranz hierher gelegt haben, und dieser teil des Schlosses muss mit ihren Gemächern im Zusammenhange stehen."

"Das ist wenigstens so prosaisch, als möglich, erklärt!" rief Margot – "ich schwöre aber darauf, die Alte war es nicht. Denn mit achtzig Jahren, wie sie bald sein kann, ist man nicht mehr so sentimental; und da sie schon seit einigen zwanzig Jahren diesen traurigen Ort über sich wusste, so ist es unwahrscheinlich, dass sie erst jetzt ihren Kranz fertig bekommen haben sollte; – denn es ist der einzige hier und ein völlig frischer!"

"Ach," sagte Lucile – "denkt doch an die Erscheinung, die wir in den ersten Tagen unseres Hierseins hatten, wie wir unter der alten Terrasse hinritten, die vor Emmy's Zimmer liegt, und am Fensterkreuze die reizende Gestalt im weissen Gewande schweben sahen, die sich lange genug zeigte, um von uns Allen gesehen zu werden, und dann plötzlich, wie ein Geist, verschwand! O, ich bitte Euch, lasst mich von hier fort auf die sonnenhelle Gallerie tretenwenn ich Luft habe, will ich beichten. Ihr werdet hier meine Neugier nicht verspotten, und ich kann nicht länger schweigenselbst, wenn Ihr mich Alle auslachen solltet. Ach, Armand," sagte sie, sich an ihn lehnend – "man ist nicht umsonst in diesem Geisterschlosseich erwarte überall Fennimor zu finden, ich wünsche es so brennend, dass mein Geist sich dabei verwirrt, und ich es für m ö g l i c h halte. Deshalb," fuhr sie fort, während der Marquis die holde, überspannt blickende Frau nach der Gallerie führte, "wüsste Emmy Gray, wie ich ihre Fennimor liebe, wie ich mich nach den Ueberresten ihres heiligen Engellebens sehnesie nähme mich bei sich auf, sie würde mich anerkennen als Fennimors Verwandte!"

"Wir haben ja dazu noch Hoffnung, meine Liebe," sagte der Marquis beschwichtigend. "Auch ich denke, unser Entschluss, endlich hierher zu kommen, soll uns noch gute Resultate bringen; ich könnte hier nicht eher fort, bis etwas Versöhnendes geschehen ist; obgleich ich gestehen muss, dass ich noch nicht weiss, wie es zu machen sein wird. Fast geht es mir, wie Dir; auch ich sehe umher, als erwartete ich etwas, wenn auch nicht Fennimor, den sanften Engel, dem ich seine höhere, nähere Vereinigung mit jener Welt, ohne einen egoistischen Wunsch für unsere Herzen, gönne."

"So ist es, meine teure Lucile," sagte Leonce, freundlich seiner bewegten Schwägerin nahend – "diesen Standpunkt müssen Sie festaltendenken, wie diese hier schon verklärte Fennimor die höchste Seligkeit geniessen muss, dann werden Sie Ihr schönes Gleichgewicht wieder erhalten, und wir werden uns Alle dem Leben um so teilnehmender zuwenden, da es uns so heilige Pflichten auferlegt gegen ihren berechtigten Erben."

"Ja," sagte Lucile, ihm ihre schöne Hand reichend – "ich wusste wohl, dass Leonce eben so wenig an diesem Erbe Freude haben könnte, als wir selbst; doch ist es grossmütiger von Ihnen, wie von uns, da wir ausserdem so viel reicher sind, wie Sie." –

"Teure Lucile! Wenn wir die Rollen eben tauschen könnten, würden Ihre Gesinnungen gewiss nicht damit wechseln! Habe ich doch, wie Armand, was mir von diesem Vermögen zufiel, bisher nicht zu meinen Revenüen zugezähltund ich hoffe," setzte er lächelnd hinzu – "Sie haben mich stets elegant und vortrefflich eingerichtet gefunden." –

Sinnend drückte Lucile dem geliebten Verwandten die Hand. "Aber wer war es denn," fuhr sie plötzlich empor – "wenn es Fennimor nicht sein kann?"

Leonce sah unwillkürlich die Gallerie hinaufaber Lucile fuhr fort: "Unser Streit an dem Abende, nachdem wir Alle jene Erscheinung in Emmy