mit ihrer feinen stimme Bahn brechend – "auch im Spasse kann und will ich Ihre abscheuliche Empfindsamkeit nicht ertragen! Lucile, er reizt mir das Blut bis in die Fingerspitzen; – alles Gefühl, bis zum kleinsten Atome, möchte ich aus mir herausjagen, um auch N i c h t s , keinem Sonnenstaube Aehnliches, in mir davon zu haben!"
"O Knospe, Knospe," rief der unerbittliche Leonce – "dieser Zorn ist Symptom Deines Aufblühens! Sollte der Sonnenstrahl schon über Deinen Blättern stehen?"
wild und glühend bis zum Scheitel, sprang Margot auf, und jetzt setzte sie so schnell über die marmorne Treppe, dass sie eine Stufe verfehlte; und hätte Leonce sie nicht, eilig zuspringend, in demselben augenblicke im arme emporgerissen, so wäre sie die baufällige Treppe hinab gefallen.
Als er sie ansah, erblickte er dicke Tränen in ihren Augen, und sie schlug fast nach ihm; so ungestüm dachte sie daran, sich von ihm zu befreien.
"Nein, nein, Margot, verzeihen Sie mir erst!" rief er mit seiner vollen Gutmütigkeit; – "ich war zu ausgelassen, ich habe Ihnen wehe getan und fühle mehr, wie Sie ahnen, den Schmerz, Sie beleidigt zu haben! Nein, nein, ich lasse Sie nicht eher los, bis Sie mir verzeihen!"
"Alles, Alles," rief Margot – "nur lassen Sie mich los, ich sterbe sonst auf der Stelle!" Und noch einmal versuchte sie, ihre kleinen hände zu befreien, und entschlüpfte Leonce, der sie los liess, und verbarg sich hinter Lucile, die vergeblich zur Ordnung gerufen hatte.
"Ich bin ganz Deiner Meinung, Margot," rief Lucile lachend, dass die Tränen ihr in den Augen standen – "Leonce ist ganz unerträglich – und ich wünschte, wir wüssten seine pendantische Rede über das Maass noch auswendig, um sie ihm jetzt vor halten zu können; denn ich merke, die Nutzanwendung hört bei seinem eigenen Verfahren auf – wie das bei allen Buss-Predigern der Fall sein soll."
"Sein Sie jetzt nicht zu streng, Lucile!" erwiderte Leonce "ich habe Etwas in den schönen Augen meiner kleinen Muhme gesehen, was allen Uebermut in mir ausgelöscht hat. Ich bin für heute bestraft genug und will Ihnen jetzt ganz einfach referiren; ja, ich bin so eingeschüchtert, dass ich, um nicht mehr von meinen Gefühlen verführt werden zu können, die Veranlassung weder nennen, noch bezeichnen will, Ihrem Scharfblicke das Weitere überlassend. – Der junge Graf von Bussy, der so eben seine Vermählung mit Mademoiselle de Guiche in Versailles gefeiert hat, ist auf dem Wege nach seinem schönen schloss Rabutin und kommt so nahe an Ste. Roche vorüber, dass er, von unserer Anwesenheit unterrichtet, mir gestern einen Boten sendete, mit der Bitte, seinen Besuch bei meinen liebenswürdigen Verwandten zu vermitteln."
"O," rief Lucile, freudig ihre hände zusammen schlagend – "das ist eine allerliebste Nachricht – nun sollen Ihnen alle Ihre Unarten vergeben werden!"
"Auch, wenn ich bereits zugesagt habe?" fragte Leonce. "Der Bote traf mich auf dem Wege nach dem Kloster Tabor, dessen Bibliotek ich einen Besuch machen wollte; da gedachte ich des Beifalles, den Sie, liebe Lucile, der jungen Gräfin Guiche stets gezollt, und ich hatte entschieden, ehe ich die Schwierigkeiten überlegt, Ihnen diesen Vortrag zu machen."
"Nun, ich bin versöhnt," rief Lucile; – "denn ich finde diesen Besuch allerliebst! Und ich argwöhne, Leonce – mein Armand war mit Ihnen im Komplotte bei dieser Uberraschung!"
"Zufällig war Armand mit mir, als uns der Bote erreichte." lachte Leonce. "Doch er ist so schüchtern, wie ich, seiner holden Tyrannin gegenüber; wenigstens hat er mir die ganze Verantwortlichkeit zugeschoben."
"Nun," erwiderte Lucile – "was meinst Du, Margot, sollen wir ihm vergeben?"
"Tue Du, was Du willst," sagte diese von weit ber; denn sie war leise hinter Lucile fort bis an das niedere Geländer der Terrassen-Brüstung geschlichen und schaute, Allen den rücken zukehrend, in die Gegend. "Ich werde mich darauf noch ein Weilchen besinnen und namentlich auf seine fernere Aufführung Acht haben, ehe ich Frieden schliesse."
"Dann habe ich Ihre Versöhnung sicher," antwortete Leonce, – "besonders, wenn Sie mir erlauben, Sie jetzt anzusehen."
"Nein, nein! Armand, leiden Sie es nicht!" rief Margot; – "ich springe hier hinunter, wenn er mir nahe kommt!"
"Sein Sie ruhig," antwortete Armand – "jetzt nehme ich Sie in meinen Schutz. Doch sagen Sie, darf ich Ihnen nahe kommen? Und wollen Sie uns beistehen, im schloss die Zimmer auszuwählen, die wir für unsere zahlreichen Gäste bereit halten müssen?"
"Sogleich komme ich," sagte Margot; – "doch hier in der Ferne entdecke ich etwas – ich muss es erst heraus haben, was es ist."
"Ich will Ihnen helfen, Margot" – rief Leonce aufstehend; – "ich weiss vollkommen in der Gegend Bescheid."
"Nein, nein," sagte sie, rasch herunter springend – "ich weiss jetzt, was es ist;" – und mit einem Satze war sie zwischen