übrigen Leben Abschied zu nehmen, mit dessen, uns als wertvoll aufgenötigten, Gütern wir in einen traurigen Widerspruch geraten, den die Einsamkeit uns dagegen schonend verhüllt. War doch die von ihren Eltern ihr angewiesene Heimat selbst kein beruhigender Aufentalt mehr, und dagegen dieser jetzt aufgefundene, wunderbare Ruhepunkt wie geschaffen, sie und ihren Kummer auf immer der Welt zu entziehen. Dies schrieb sie auch ihrer geliebten Marie Duncan und forderte sie auf, ihren Vater zu seiner Einwilligung in diesen Lebensplan zu bewegen.
Von da an fasste sie ihre ganze Lage mit der Liebe gegen einen dauernden Besitz auf, und teilte bald die rührende Schwärmerei Emmy's, die die ganze Vergangenheit zurückzurufen trachtete, und in krankhafter Aufregung sich über Gegenwart und Zukunft immer mehr verwirrte.
Elmerice hatte ihren Bitten nachgegeben und, uneingedenk des Modewechsels, ihre eignen Kleider mit den Prachtkleidern vertauscht, welche aus Fennimor's Garderobe, von Emmy gehegt und gepflegt, als ihr rechtmässiges Erbteil ihr von derselben übergeben waren. Als sie zuerst in einem schweren Seidenstoffe von gewässertem Moor, mit Spangen von reichen Steinen auf Schultern und Brust befestigt, vor Emmy dastand, sank diese vor ihr, wie vor einer himmlischen Erscheinung, nieder und dankte Gott in einem lauten, feurigen Gebete für die Gnade, ihr göttliches Kind, ihre Fennimor noch einmal vor Augen zu sehen.
"Ach," sagte Elmerice – "ist es denn wirklich wahr, dass ich dieser schönen Fennimor so ähnlich sehe? Wüsstest Du, wie ich meine ganze Liebe zu Dir aufrufen musste, um die Kleider anzulegen, die von dem herrlichsten Wesen der Erde in der kurzen Zeit ihres Glückes getragen wurden, Du würdest meine Beschämung begreifen, die mich fürchten lässt, ihren heiligen Schatten damit beleidigt zu haben."
"Fürchte das nicht, mein Engel," sagte Emmy – "sie würde Dich selbst damit schmücken – sie würde Dich mit überzeugung für ihre geliebte Nachkommin erklärt haben! Aber auch Du sollst nicht länger in Zweifel bleiben, dass sie Dein Ebenbild ist; – und da Du zufällig einen Anzug gewählt hast, in dem Lesüeur sie gemalt hat, so sollst Du mein heiligstes Heiligtum, den Eudoxien-Turm sehen, worin ich ihr Bild aufgestellt habe, an dem platz, mo sie stets mit ihrem Harfion sass. – Dann wirst Du sehen, dass Du selbst aus dem Bilde hervortrittst – dann wirst Du mir, ohne Dir Vorwürfe zu machen, das Glück gönnen, Dich ganz so zu sehen, wie sie ehemals vor mir stand." "O," rief Elmerice – "vergieb mir meine Zaghaftigkeit und denke von meiner Liebe zu Dir nicht geringer; ich will Dir glauben und von jetzt an Dir folgen." "Vielleicht nur noch kurze Zeit," sagte Emmy ernst, – "und Fennimor gönnt mir dies Glück – und segnet Dich dafür!" Wir verlassen hier auf einige Zeit diesen Schauplatz des wunderbarsten Phantasielebens und kehren in den gegenüberliegenden teil des Schlosses ein, das heitere Treiben der jungen Personen verfolgend, die hier dem Leben, so Viel an ihnen lag, allen Reiz abzufordern trachteten.
Indem wir uns jedoch die Eigentümlichkeit der Hauptpersonen zurückrufen, werden wir eingestehen müssen, dass der frohe, heitere Lebenssinn des Marquis d'Anville und seiner jungen Gemahlin doch gerade deshalb so überströmend hervortrat, weil in ihnen ein sicherer Grund von ernstem Gefühle lag, und eine durch Grundsätze befestigte Karakterbildung. Wir dürfen daher erwarten, dass die geschichte des Grafen Leonin, mit der wir uns beschäftigt haben, und die der junge Marquis so vorzutragen wusste, dass ihr Hauptinhalt durch die leichtere Form der Erzählung nicht geschwächt ward, einen ernsten Hintergrund in den Herzen seiner Zuhörer zurückliess, und das übersprudelnde Leben jugendlicher Heiterkeit dadurch leise eingedämmt erschien. Leonce hatte nicht nötig, an sein System des Maasses zu erinnern; vielleicht war aber das Maass der Liebenswürdigkeit gerade dadurch in beiden Frauen erfüllt.
An dem letzten Abende, als der Marquis seine Erzählung mit dem spurlosen Verschwinden Reginald's schloss, und die Gesellschaft nach einigen Worten, die ihre Erschütterung ausdrückten, sich früher, als gewöhnlich, getrennt hatte, öffnete sich einige Zeit später die Tür zu dem Zimmer des Marquis d'Anville, und seine junge Gemahlin trat mit der ihr stets bleibenden, anmutigen Schüchternheit einer Jungfrau ein. Aber ihr liebliches Angesicht war so bleich, wie ihr weisses Nachtkleid; und als ihr der Marquis liebevoll entgegeneilte, fiel sie ihm in die arme und weinte die ganze erfahrene Gemütsbewegung, wie ein Kind an dem Busen der Mutter, in den Armen ihres Gemahls aus.
"Armand," sagte sie, nachdem sie den rührenden Ausdruck ihrer Gefühle in etwas beherrscht hatte – "versprich mir, dass wir nicht Besitzer werden wollen von dieser traurigen Erbschaft; dass wir alle unsere Kräfte, alle unsere Verbindungen, alle unsere Mittel noch ein Mal in Bewegung setzen wollen, jenen armen, gekränkten Reginald oder seine Erben zu entdecken!"
"Du sprichst aus meiner Seele!" rief der Marquis, sie an seine Brust drückend – "die Zeit hatte den Eindruck in mir gemässiget; die Fruchtlosigkeit meiner Nachforschungen hatte mich endlich damit abschliessen lassen; fast hätte ich jetzt das Provisorium über diese Güter aufgehoben und mich zum Erben erklärt; aber indem ich Euch jetzt Alles erzählte, stieg, aufs neue belebt, die ganze Gewalt dieser grossen Verschuldung in mir auf, und unmöglich schien es mir seit den letzten Tagen, hier wirklich als rechtmässiger Besitzer aufzutreten und damit fast in