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dennoch von Allen geduldeter sein und ihnen berechtigter erscheinen würde, als meine Stellung, wenn ich sie auch durch jeden äusseren und inneren Vorzug rechtfertigte.

Er sagte mir, dass mich mein Gatte nicht dagegen zu schützen vermöchte; dass die mitleidigen Duldungs-Beweise in so schicklichen Grenzen gehalten sein würden, dass mir das Herz daran erstarren, mein Gatte in ohnmächtigem Zorne darüber vergehen könne, ohne dass ihm aus den leisen Beleidigungen das Recht erwachsen werde, Genugtuung zu fordern. Er war überzeugt, dass keine Liebe, auf diese Bedingungen hin, in den höheren Ständen dauern werde, da er von der Macht des schlechten Beispiels eine sehr traurige Vorstellung hatte. Lord Duncan hörte das Ende dieses Gespräches und versuchte, meinem Vater mildere Ansichten einzuflössen. Es gelang ihm nicht! 'O Duncan, Duncan,' rief er – 'von Dir diese Worte! Von Dir, der Du mein ganzes Schicksal kennstder Du weisst, dass ich Wahrheit sageDu redest einem Jünglinge aus dieser Familie das Wort, die ich fast angelobt habe zu verachten!'

'Sie werden Deine Elmerice mit Freude unter sich aufnehmen,' rief der gute Lord, 'wenn Du nur auch etwas nachgebender sein wolltest!'

'Ach,' rief mein Vaterund nie sah ich ihn heftiger – 'ihnen gilt Nichts höher, als ihre Geburtsrechte; sie haben kein wahres, inneres, sittliches Bedürfniss! So lange die Sittenlosigkeit noch von einem leidlichen Deckmantel usurpirter, gesellschaftlicher Haltung und Vorzüge überkleidet ist, bleibt ihnen das ehrloseste Individuum, trotz dem, dass sie von seinem Gehalte unterrichtet sind, eine eben so höflich gehandhabte Figur, als die Tugend selbst es fordern könnte. Der S c h e i n ist's, was sie wollen, worauf sie halten; er bildet den Korporationsgeist, der sie durch einander sich schützen lässt und sie namentlich gegen das Richtschwert des Urteils verbindet, das sich aus jenen geringeren Ständen erheben könnte und ihr falsches, leeres Treiben mit dem rechten Namen nennen!'"

"O Emmy," rief Elmerice – "diese Worte sind, wie diese ganze Unterredung, in mich eingegraben; denn sie entschieden das Schicksal meines ganzen Lebens! Ich gelobte eine feierliche Verzichtleistung und trennte mich in Gegenwart des Lord Duncan von dem mann, der mich liebte, und den ich gelobte, als einen Fremden anzusehen!" –

Wenn Emmy achtzehn Jahr gezählt hätte, wäre ihr Anteil, ihr Mitgefühl nicht inniger zu denken gewesen; sie blickte so bang, so liebevoll bang in die bewegten Züge der Erzählerin, dass diese sich ihr laut schluchzend in die arme warf und Alles, was sie erlitten und so tief in sich verschlossen, auszuweinen wagte.

"O, mein armes, armes Kind!" seufzte Emmy; – "und doch glaube mir, Dein Vater war ein weiser Mannund ich zweifle nicht, es war mein Reginaldder Sohn meiner Fennimor; – er hat Dich vor einem gleichen Elende bewahrt, wie meine Fennimor traf. O," sagte sie mit einem rührenden Ausdrucke von Liebe – "könnte ich Dich doch trösten! Wollte Gott, Du wärest nicht mehr unglücklich, weil dies Elend von Dir abgewendet ist! Richte Dich auffasse Mutund sage mir, wie das Buch meiner Fennimor, das ich vollständig wiedererkenne, Dir von Deinem Vater gegeben ward; ob er Dir Nichts sagte, was noch näher seinen Zusammenhang damit bezeichnete? –

Er gab es mir an dem Tage, wo ich von einem katolischen Geistlichen in den Schooss der Kirche aufgenommen ward. Er sagte mir, es sei ihm das heilige Vermächtniss seiner geliebten Mutter, die er nicht gekannt habe; er bat mich, den Inhalt zur Richtschnur meines Lebens zu machen, wie e r daraus Trost und Belehrung geschöpft habe zu allen zeiten. Dann zeigte er mit dem Finger hieher und sagte mit grosser Bewegung: dies ist der Name Deiner unglücklichen Grossmutter!" –

"O," rief Emmy hier – "was zweifeln wir noch? Du bist sicher und gewiss die Tochter meines Reginald, und Eton war der Name, den er annahm! Wenn nun Margarit Lester, die Freundin von Ellen, Deine Mutter war, so wird es gewiss, dass er zu dem Bruder seiner Mutter, zu Herrn Lester floh, als ihn dies treulose Land verbannte, und nach einigen Jahren, als er die jüngste Tochter seines Oheims geheiratet hatte, sich nach Schottland zu Lord Duncan begab, der seit langer Zeit die innigste Freundschaft für ihn zeigte."

Wir werden die überzeugung beider Frauen, die an dem Schlusse dieses Gespräches sich in ihnen befestigte, nicht tadeln können, da sich die Wahrscheinlichkeit dafür bei dem Austausch ihrer Berichte so bedeutend vermehrt hatte. Mit einem stolzen Triumph sah Emmy nun auf Elmerice, die sie träumte, in ihre Rechte eingesetzt zu haben, mit Verachtung der ganzen übrigen Welt. Wie sie dabei das Bedürfniss ihres jugendlichen, dem Leben noch gehörenden Lieblings verkannte, müssen wir ihr billig nachsehen, wenn wir denken, dass sie kaum je ein anderes Leben, als das der tiefsten Einsamkeit, gekannt hatte; und was sie Leben nannte, sich ihr nur als eine Pflanzschule der Verbrechen zeigte, aus der Elmerice errettet zu haben, ihr ein dankenswertes Verdienst um sie schien. Auch erfuhr sie bei ihrer ausschliessenden Besitznahme durch Elmerice keinen Widerspruch. – Wenn unser Herz den eben bezeichneten Kummer erleidet, scheint es uns nicht schwer, von dem