; – "ich glaube, es ist Ihnen hier nicht mehr erlaubt, sich um Andere zu bemühen! Wie ich höre, werden Sie hier bedient – und wie mir scheint, wie eine Gräfin oder Fürstin!" –
"Sie wissen bereits, liebe Madame St. Albans, dass Ihre Frau Mutter sehr gütig gegen mich ist!" –
"Ja, sehr gütig, so scheint mir selbst!" entgegnete die sich erzürnende Frau. "Man sollte, wenn man das, was man von dem Aufwande, der hier getrieben wird, hört, und es mit dem zusammenhält, was man sieht, nicht glauben, dass man zu der Mutter einer so armen Frau kommt, der man es wegen Mangel einer kleinen Summe Geldes abschlägt, einen kleinen Ländererwerb zu machen!" Nach diesen Worten hatte sie sich hinreichend erweicht, um mit geröteten Augen ein baldiges Schluchzen anheben zu können.
"Ellen," rief Emmy jetzt rauh – "betrage Dich vernünftig und halte vor Allem Deine Tränen an! Ist Dir Deine Mutter bereits zu glücklich, dass Du sie oder den Gegenstand ihres Glückes mit Neid betrachtest? Du bist eine kleine Seele – und ich wusste immer, was ich von Deinem guten Herzen und Deiner Weichmütigkeit denken sollte; die hält mit Heulen und Weinen und lästiger Bedienstlichkeit so lange vor, wie Einer so elend bleibt, dass Nichts an ihm ist; – aber wird es besser, und zeigen sich einige Lebensgüter, so möchten Deine neidischen Augen gleich Alles verschlingen. – Nun lass' das! Ich werde Dich nicht mehr ändern; – so lebe' denn wohl. – Gott weiss, wie es Dein rechtschaffener Mann mit Dir aushält – ich beneide ihn nicht; – lebe' wohl, Ellen – reise glücklich! Ich glaube, Du hast eine gute Eigenschaft von mir – Du bist verschwiegen! denke daran, dass ich darauf rechne."
Wie hoch auch die ungestümen Gemütswellen in Madame St. Albans charakter gehen mochten, ihre Mutter fuhr mit einigen Worten nie umsonst darüber hin – sogleich legten sie sich.
"Nun – nun seht nur, wie Ihr wieder böse seid!" sagte sie, mit dem Versuche freundlich zu sein; – "denkt doch, dass es ein Abschied heute sein soll! Da müsst Ihr mich doch gut entlassen."
"Schon gut! schon gut! Ich habe Nichts dagegen," sagte Emmy kalt; – "ich habe stets gute Wünsche für Dich, aber lasse mich aus dem Spiele."
Madame St. Albans zuckte die Achseln und beendigte dieses kurze Wiedersehen, so schnell sie konnte; da sie die leicht wachsende Ungeduld ihrer Mutter zu fürchten hatte, welche sie ruhig Stirn und Hand küssen liess und sie dann, von Elmerice begleitet, laut schluchzend davon gehen sah.
"Es muss wohl wehe tun," sagte sie, sogleich ihre Tränen von ihrem Unwillen besiegen lassend – "wenn man sich von einer Fremden bei der leiblichen Mutter verdrängt sieht! Ja, ja, mein Schatz, Sie haben so einschmeichelnde Manieren und können so hübsch um den Berg herum gehen; da kann unser eins nicht mit, der immer gewohnt ist, offen und gerade aus zu gehen."
"O," sagte Elmerice – "versündigen Sie sich doch nicht aufs Neue durch so arges Misstrauen gegen mich! Sie wissen ja durch den alten Arzt, für wen mich Ihre arme, alte Mutter hält, und dass ich ihren Wünschen nachgebe, um sie nicht zu kränken."
"Nun, mein Schatz, ich muss Ihnen sagen, dass ich das Alles sehr töricht und unüberlegt von der alten Frau finde. Sie werden sich da hochmütige Gedanken von Gräfinnen und grossen Gütern in den Kopf setzen; und wie Ihr vornehmer Umgang Sie schon ein Bischen oben hinaus macht, so wird das noch zunehmen mit solchen Einbildungen. Ich rate Ihnen, Kind, schlagen Sie sich das aus dem kopf und suchen Sie bei zeiten Ihr überspanntes Wesen los zu werden; da werden Sie gesund bleiben und ein Mal einen rechtschaffenen Mann so glücklich machen, wie ich Herrn St. Albans, der auch nicht die überspannten Frauenzimmer liebt, wenn solche auch am ersten tun, als könnten sie Bücher lesen und haushalten in einem Atem."
Elmerice schwieg. Sie blickte mitleidig auf ein Verfahren, dem sie Nichts entgegen zu setzen wusste.
Da die gehoffte Entgegnung ausblieb, sah Madame St. Albans kopfnickend zu ihr auf und setzte noch hinzu: "Und dann sich bei einer Mutter verdrängt sehen zu müssen!"
Elmerice errötete jetzt vor Unwillen. "Ich dächte Madame St. Albans," sagte sie – "in dem Verhältnisse zu Ihrer Mutter hätte sich unmöglich etwas ändern können; da es niemals besser war, als es jetzt ist."
"Wirklich? wirklich?" sagte sie überrascht und verlegen; – "ich dächte doch! Indessen, wir wollen uns trennen, meine schöne junge Dame, und ich will denn von Herzen wünschen, dass Sie die grosse herrschaft wirklich werden, von der Sie träumen. Doch denken Sie an mich; – es hängt starker Makel an dem vornehmen Namen!"
So ward auch der Abschied der beiden ungleichen Frauen sehr steif und kalt, und Elmerice atmete auf, als sie den Bann aufgehoben fühlte, den diese Frau stets über sie verhängte.
Dagegen hatte die erfahrene Aufregung in Emmy Gray die Kraft geweckt, ihre schwere, inhaltreiche Erzählung zu beginnen. Nur von der kurzein