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bei der jungen Miss! Da werde ich wohl ganz verzagt sein müssen, mein Amt wieder anzutreten."

"Ich bitte Euch, liebe, teure Frau, beschämt mich nicht so durch Euren Spott," rief Elmerice, ängstlich bittend sich zu ihr wendend. "Nur zu wahr wird es sein, dass Alles, was ich tat, Euch nicht genügen kannHerr St. Albans will sich bloss gütig gegen meine gute Absicht zeigen."

Herr St. Albans bedauerte gewiss sehr, die heftige und eifersüchtige Frau gereizt zu haben aber er hatte diesmal nicht die Stimmung, den unangenehmen Ausbruch durch seine dann immer eintretenden kleinen Schmeicheleien zu dämpfen, sondern er stand schnell auf, und gegen Miss Eton sich verneigend, sagte er ernst und ruhig: "Seid gewiss, Miss Eton, i c h empfinde aufs Tiefste, welche Stütze Ihr in dieser Schmerzenszeit uns Allen gewesen, und zweifelt nicht, meine gute Frau wird Euch auch später diese Anerkennung nicht versagen."

Etwas erschrocken über die feste Haltung ihres Mannes, rief Madame St. Albans halb weinerlich: "Aber um Gotteswillen, Herr St. Albans, Sie sind ja so heftig, wie ich Sie noch nie gesehen! Wie könnt Ihr denn denken, ich werde undankbar sein gegen Miss Eton? – wenn könnte man mir das nachsagenhabt Ihr aber wohl Recht, gegen mich arme kranke Frau so heftig zu sein?"

"Wenn ich das war," sagte Herr St. Albans in milderem Tone, "hatte ich allerdings Unrechtdoch war dies weder meine Absicht, noch mein Gefühl; ich wünschte mir nur eine gelegenheit, Miss Eton die volle Anerkennung zu gewähren, die ihre grosse Güte und Umsicht mir einflösste. Jetzt will ich einmal selbst meinen Geschäften nachgehen, von denen Du fürchtest, ich habe sie vernachlässigt." – Er erhob sich, umarmte stumm und freundlich seine Gattin, grüsste ehrfurchtsvoll Miss Eton und verliess mit ruhigem Anstande das Zimmer.

Elmerice blieb nun in ängstlicher Spannung mit der Kranken allein. Sie wünschte die Zürnende anzureden, aber sie fühlte sich völlig unsicher über den Gegenstand, den sie zur Unterredung wählen sollte. Endlich fing sie von den verschiedenen Domestiken und deren Verhalten zu sprechen an, und fragte, wie um Belehrung, nach mehreren wirtschaftlichen Gegenständenaber alles wirkte nicht. "Ihr werdet das besser wissen, als ich, Miss Eton, wie ich so eben erfahren habe," sagte sie misslaunig, "ich fand die Tugenden nicht an den Leuten, die Ihr rühmt, aber ich sehe auch die Dinge, wie sie sind, mich können sie auch nicht betrüben. Lasst Eure Schmeicheleien, ich bin eine einfache Frau, für mich passt das nicht; da Ihr Alles besser wisst, braucht Ihr mich nicht um Rat zu fragenmir ist auch Alles ganz gleichmag Alles gehen, wie es will, ich mache mir gar nichts daraus."

Dies waren ungefähr die höchst übellaunigen Reden, die Elmerice zur Antwort bekam, und die ihr endlich ein ruhiges Schweigen auferlegten. Doch plötzlich rief Madame St. Albans, nachdem sie einzelne Worte ausgestossen hatte: "Wer hätte denken sollen, dass Herr St. Albans mich so heftig behandeln könnte!"

Erschrocken näherte sich Miss Eton sogleich dem Lager der Kranken, und bat sie herzlich und dringend, sich doch die Aeusserungen ihres Mannes nicht so zu Herzen zu nehmen. "Gewiss war sein Lob nur das Bemühen, Euch über Eure häuslichen Sorgen zu beruhigen, und vielleicht" – setzte sie schüchtern hinzu – "glaubte er selbst keinen Vorwurf verdient zu haben, da, wenn er seine Geschäfte vernachlässigt hat, dies aus Liebe und Sorgfalt zu Euch geschehen ist."

"Ja, ja," sagte die heftige und verzogene Frau, "so ist es Recht: er verteidigt Euch, Ihr verteidigt ihn, das kann nicht anders sein. Ihr habt Euch beide sehr genau kennen lernen!"

Miss Eton fühlte hier etwas sich ihr aus den Worten der Madame St. Albans aufdrängen, dem sie nicht mehr ihre gewöhnliche Langmut entgegenstellen konnte. "Wir haben sicher beide nicht geahnet, uns über unser bisheriges Verhalten gegen Euch verteidigen zu müssen; liebe Madame St. Albans," erwiderte Elmerice mit Ernst, "erlaubt, dass ich Marylone in Eure Nähe rufeich bin für den Augenblick, fürchte ich, Euch lästig, ich will daher einen lang verschobenen Brief an die Gräfin d'Aubaine schreiben." Ohne von Madame St. Albans verhindert zu werden, entfernte sich Miss Etonaber nachdem sie das gute Mädchen zu ihrer herrschaft gesandt hatte, eilte sie, das Zimmer zu verlassen, da sie den hervorbrechenden Tränen nicht mehr zu wehren vermochte. Um so unangenehmer ward sie überrascht, als ihr auf dem Vorsaale, den sie durchschreiten musste, um in ihr Zimmer zu gelangen, Herr St. Albans entgegen trat. Er sah mit einem Blicke die Stimmung des edlen Mädchen, das er so hoch zu verehren gelernt hatte, und auch auf seinem Angesichte ruhte ein wehmütiger Ernst.

"Ich darf Euch nicht lassen, Miss Eton," sagte er, der schnell grüssend Vorübereilenden in den Weg tretend – "ich muss Euch um Euren Rat bittenversagt mir ihn nicht," setzte er tief bewegt hinzu, "wenn Euch auch, wie ich fürchte, Eure neuesten Erfahrungen in meinem haus gelehrt haben, wie unwürdig wir noch Alle sind, einen solchen Schatz