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, die Vorkehrungen der Nacht aus dem Wege zu räumen, behände und in geschickter Tätigkeit weder Alter, noch Krankheit verratend.

Unmöglich war es Elmerice gewesen, den Strom der Worte und Gefühle, der sich aus Emmy's begeisterter Seele hervordrängte, unterbrechen zu können. In sprachlosem Erstaunen hatte sie ihr zugehört und in sich eine Gewalt angeregt gefühlt, die sie selbst fast über das Maass hinaus bewegte. Tausend Stimmen in ihr wollten ihr zuflüstern, dass sie Wahrheit gehört habe; und dennochwenn sie die betagte Alte vor sich sah, und des Wahnsinns gedachte, dessen Spielwerk sie seit vergangener Nacht war, behielt sie keinen Mut, ihr zu glauben, und fühlte nur das Eine, dass sie vorerst dem Willen dieses kranken Sinnes nicht entgegen treten dürfe. Ja, dies ward ihr leichter, als der Zweifel; denn es war mit den verhängnissvollen Worten der Alten etwas Neues in ihr erweckt: eine stolze Hoffnung, ein Gefühl der Berechtigung zu einer hohen Stellung des Lebens, die wie ein belebender Sonnenstrahl auf begrabene Wünsche fiel.

"Ha," rief die Alte, indem sie sich umwendete – "Ihr hier?"

Der alte Arzt sass in dem Lehnstuhl, in welchen er sich gleich zu Anfang postirt hatte, und schaute mit seinem klugen Angesichte in die wunderbare Scene, die vor ihm aufgeführt ward. Er nahm jetzt den kleinen, dreieckigen Hut ab, stiess mit dem hohen Stocke, dessen Goldknopf weit über die Hand vorsah, auf den Fussboden, und aufstehend und sich gegen Emmy verneigend, sagte er: "Zu Befehl, Madame! Wenn die Patienten Tollmannswerk treiben und davon laufen, haben die ärzte das unbequeme Vergnügen, hinterher gehen zu müssen. Darf man fragen, wie einer Fieberkranken die Nacht ausser dem Bette bekommen ist?"

"Lasst Euer Geschwätz!" entgegnete Emmy Gray; – "ich bin nicht darauf aus, mich von Euch hofmeistern zu lassen; Ihr könnt alle Zeit gehen, ich bedarf Euch gar nicht mehr."

"So," sagte er, und ein unterdrücktes lachen spielte um seinen Mund; – "also jetzt bedürft Ihr mich nicht mehr; und dann ist das Nächste, dass Ihr mir die Tür weiset; – nun, es ist nicht das erste Mal! – Ich muss Euch aber sagen, dass ich dies Mal hier mehr, als Euch zu besorgen habe; denn das junge Frauenzimmer dort, das Ihr, in einer Eurer liebenswürdigen Launen, in diese seidenen Windeln gewickelt habt, um sie zu Eurer Spielpuppe zu machen, die ist mir anvertraut, ich habe für ihr Wohlergehen einzustehen, und werde nicht leiden, dass Ihr fortfahrt, Eure Torheiten ihr in den Kopf zu setzen. He, Madame, habt Ihr mich verstanden? Ich habe die ganze Historie mit angehört."

"So ist es gut!" rief Emmy unerschüttert; – "denn obwol Euch Niemand zum Zuhören berief, mögt Ihr, als Fennimor's ehemaliger Diener, immer zuerst den Vorzug geniessen, ihre Enkelin mit der Ehrfurcht zu begrüssen, die ihr hier in ihrem Eigentume gebührt."

"Emmy, Emmy," rief der Alte ungeduldig – "bist Du denn vergeblich alt und grau geworden; – hat sich denn nach so vielem nutzlosem Hassen und Zürnen, nach all den Jahren dauernden Rachegedanken, die alle an der Ohnmacht Deiner geringen Welterfahrung scheiterten, hat sich denn darnach die Quelle des alten Wahnsinnes dennoch unversiegt erhalten, und willst Du jetzt ein neues Opfer bezeichnen, indem Du dies schöne, unschuldige geschöpf diesen Kämpfen preis giebst?"

"Alter," rief Emmy, mit gemildertem Ausdruck auf ihn zuschreitend – "denke, was Du sagst! – Sieh' sie ansieh' sie an! Sag', ist nicht das Vermächtniss ihrer Ansprüche in jedem Gliede ihres Körpers ausgedrückt? Höre ihre stimme, Alter! Ruft sie Dir nicht mit Fennimor's Tone zu, ihre Enkelin anzuerkennen? Ja, ja, nenne mich wahnsinnigaber sage auchwenn Wahnsinn erlaubt istso ist es hier!"

"Du hast Recht, armes Weib," sagte der erweichte Arzt: "ehe Du sie sahst, hatte ich schon gedacht, was Dich jetzt so verwirrt. Aber was hilft Dir und ihr die traurige Entdeckung, da ihre Ansprüche auf immer verloren gingen, und Du und ich mit allen Gefühlen für die unglücklichen Opfer, die ich mit Dir betrauern werde, so lange ich lebe, doch den Bann nicht aufheben können, der sie vor den Augen der Welt ihrer Rechte beraubte. Unglückliche," sagte er und zog sie näher, ihr leise zuflüsternd: "vergiss nicht, dass Fennimor's Sohn, als Mörder, aller bürgerlichen Rechte auf Frankreichs Boden für sich und seine Nachkommen beraubt ward, und ihm kein Erbe zuerkannt werden darf."

Die Alte taumelte bei diesen Worten, die sie aufs neue dem hoffnungslosesten Elende preisgaben, fast zur Erde. Der Arzt führte sie zu einem Stuhl, und sogleich kam der Gegenstand ihrer schmerzlichen Unterredung zu seinem Beistande herbei, und vor ihr niederknieend und ihre kalten hände erwärmend, sie mit rührenden Blicken ansehend, redete Elmerice leise zu der trostlos zu ihr niederschauenden Emmy.

"Bleib' dennoch bei mir, mein Kindmeiner Fennimor lebendiges Ebenbild!" stammelte sie endlich mühsam. "Wir wollen AllesAlles besprechen. AllesAlles sollst Du mir sagenund hierhier sollst Du sein, was