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nur glaubte sie die Augen zu schliessenjugendlich sank sie damit dem Schlafe in die arme. –

Dagegen erwachte Asta am frühen Morgen und fand, nachdem sie mit ihrem treuen Eifer sich aufgerafft, Niemanden, der ihrer Hilfe oder Fürsorge benötigt war. – sowohl das Bett der Alten, wie das Lager ihrer jungen Gefährtin war leer. Starr blieb das arme Kind nach dieser Wahrnehmung in ihrem Schrecken gefesselt; dann ergriff die Furcht vom vergangenen Abende ihr Herz. Sie war sicher, die Geister, die das Schloss bewohnten – s i e waren eingedrungen und hatten Beide davon geführt, und nur i h r K r e u z c h e n hatte sie behütet! Ausser sich vor Schreck und Entsetzen, ergriff sie nun die Flucht. Ach, wie erwiesen war Alles! Hingen doch Schlösser und Riegel unter dem Schutze ihres Kreuzes unversehrt; also auf andere Weise, durch die Luftden Rauchfang waren sie entführt! Während dem flogen die Schlösser und Riegel unter Asta's zitternder Hand auseinander, und die Türen weit hinter sich aufschlagend, flog sie, durch den Wald laufend, wie gejagt, um das Pfarrhaus, um den alten Arzt zu erreichen, der oft schon früh den ersten Besuch bei Madame St. Albans zu machen pflegte.

Um diese Zeit bogen sich die Gebüsche zurück, die um den Eingang des kleinen Turmes ihre zarten Zweige wölbten. Ein blühendes, weibliches Angesicht lauschte mit dem anmutigen Ausdrucke von Neugier und Frohsinn daraus hervor; endlich folgte die schlanke, elastische Gestalt, sie erstieg die Treppe; offene Türen luden sie zum Nähertreten ein, leichten, schüchternen Schrittes schwebte sie hereinAlles leer! Doch jene Türenund die eine bloss angelehnt; – leise schob sie sie auf, erst sah der Kopf herein, bald folgten die Füsse. Welch ein Zauberland lag hier aufgerollt! Offene Türen nach dem kleinen Garten, blühende Blumen, brennende Kerzen, die im Tageslichte schon erblindeten, überall der Hauch des Lebens! Das zweite Zimmer ebenso; Schönheit, Reichtum, Geistin jeder Falte, jedem Schnörkel ein Gedanke! Doch das nächste Zimmer! So lange es noch Neues gab, wozu hier weilen? Ein Schlafgemach, ein aufgeschlagenes Bett! – Die Lichtgestalt blieb an der Schwelle stehen, das leichte Gewand des Busens hob sich so hoch, so schnell; wir wissen nicht warum. Dann glitt sie leicht über den leichten Boden und blickte auf das schöne Engelsbild, das, tief schlafend mit dem Ausdrucke eines lächelnden Kindes, in dem grünen Zelte schlummerte, von einer Greisin bewacht, deren tief gefurchte Züge und wunderlich verhüllte Gestalt an jene Fabeln erinnerte, die von Zauberinnen erzählten, welche Königskinder entführten und bewachten zu geheimen Zwecken. Es war, als ob der Engel der Schlummernden sie besuchte. Wie anteilvoll, wie hoch entzückt, wie ganz verloren in dem Anblicke stand das zarte Wesen zu ihr hingebeugt! Da rückte die Alte das gesunkene Haupt empor; entflohen war das Lichtbildspurlos verschwundennicht einmal der Ambra-Duft, den Engel sonst zurücklassen sollen, war hier zu spüren!

Später trat der alte Arzt mit Asta zaudernd in den offenen Raum. "Geschlafen hast Du noch, Du Törin! Von der Hexenfurcht am Abende bist Du noch besessen, und lässt die Türen auf und versäumst über Deine Furcht Deine Pflicht."

Asta tat dagegen nichts als schluchzen, und die arme nach allen Ecken ausstreckend, zeigte sie die leeren Räume. Unwirsch stürzte der Alte nun auf die Betten zu und suchte, als ob er Gnomen vermisse, in jeder Falte. Vergeblich, er fand sie nicht.

"Was ist denn das für neuer Unsinn?" schrie er wild und blickte Asta halb fragend, halb verlegen an – "hast Du denn Nichts gehört?"

"Sagte ich's Euch doch!" schluchzte diese; – "wie konnte ich's denn hören, sind denn Türen gegangen? War es denn natürlich Werk?"

"Türen?" rief der Alte, und drehte sich rasch auf dem Absatz um. Er hatte die Richtung bekommen. Die tür, die sich seit Jahren Keinem geöffnet, war nur angelehnt. Sogleich erfasste Besorgniss für das, was Elmerice erfahren haben könnte, sein teilnehmendes Herz; er eilte der tür zu, indem er Asta befahl, zurück zu bleiben; denn er selbst überschritt nur ungern diese so streng behütete Schwelle, die er, seit Reginald als Kind davon hinweg getragen ward, nie mehr betreten hatte. Doch hielt das Gefühl der achtung für den düsteren Willen dieser armen Unglücklichen das Gefühl der Pflicht nicht auf, was ihn zum Schutze des jungen Wesens trieb, das hier so verlassen zu haben, er sich jetzt zum ernsten Vorwurfe machte. Er blieb von dem Anblicke dieser wohlerhaltenen, erinnerungsreichen Gemächer nicht ungerührt; aber er wollte erst erfahren, was neuerdings hier geschehen war, und eilte rasch bis zum Schlafgemache vor. Wer beschreibt sein Erstaunen, als er hier die tiefste Ruheeine Scene des Friedens und offenbar vorhergegangener Liebesbeweise vorfand! Er blieb wie eingewurzelt stehen und fragte endlich mit seinem klaren, geübten verstand der stummen Scene vor sich ihren ganzen Hergang ab. Was war nun weiter zu tun? Er sah an dem blassen gesicht der Alten, das Fieber habe sie verlassen; – was konnte nun das Schicksal des jungen Mädchens werden, wenn vielleicht bei voller Besinnung die Illusion nicht vorhielt, welche die Alte bis zu diesem Grade der Hingebung