jetzt im höchsten Alter – das ist Alles richtig!"
So weit hatte sie sich durchgearbeitet, da sagte Elmerice: "Ach, liebe doch mich, die Lebende!"
Sie zuckte zusammen – ihre Augen folgten dem Tone; – da stand das schöne Abbild ihrer Fennimor hell von den Kerzen umstrahlt, von dem Nachtimmel mit blauen Lichtern äterisch angehaucht. – "Ha," rief Emmy, "alte Törin! – Mein göttlich Kind, da bist Du ja! Und ich – wo war ich? – Sag mir, Du bist da, und ich will nach Nichts fragen; – nein, schweig, mein Engel, sage nichts! – Die falschen Menschen schwören – beflecke Deine Lippen nicht damit – sehe ich Dich doch – Du bist da – mir wiedergeschenkt – ich darf Dich haben – sehen – Dich pflegen und warten. O, wie Du kalt bist!" rief sie plötzlich, mit ihrer fieberheissen Hand ihre hände fassend. "Gern gehst Du früh in Dein schönes Bettchen – das blieb Dir zu lange heute aus – deshalb bist Du so blass; – ach, wie lange habe ich nicht bei Dir gewacht! und doch hattest Du das so gern – ach, wie Du mich immer hinhieltest – bald Dies, bald Jenes fordertest, damit ich bleiben sollte; und lachtest dann unter der Decke, wenn ich wieder umkehrte und Dir den Willen tat, als merkte ich Deine kleinen Unarten nicht – ach, wie sah ich das so gern! Heute bleibe ich gewiss bei Dir, mein liebes Kind! Darum komm nur, komm, es ist längst Schlafenszeit!" –
Emmy zog sie gegen eine offene Tür, die ein gleichfalls erleuchtetes Zimmer zeigte; und als Elmerice eintrat, sah sie ein eben so kostbar eingerichtetes Schlafgemach und, mit einem nicht zu mässigenden Schauer, ein Bett mit reichen, grünen Damastbehängen in dem Hintergrunde. Emmy schritt vor und zog die Behänge zurück; das Bett lag weiss, wie täglich gepflegt, dahinter; die seidenen Decken, mit Rosen überstreut, einen süssen Duft ausatmend, waren zierlich aufgeschlagen, bereit, den erwarteten Schläfer angenehm zu decken; der kleine Fussschemel mit der seidenen Decke stand daneben. – Alles atmete auch hier fortgesetztes Leben.
"O Emmy, hier ist es schön!" sagte das junge Mädchen. Das Grauen war von der Schönheit und dem rührende Sinne der Liebe überwältigt, der hier, den Zerstörungen der Zeit zum Trotze, zu erhalten verstanden hatte.
"Ja," sagte Emmy – "ich habe Alles bereit gehalten – ich musste wohl, wer kommen würde – nun ist es erfüllt. Sieh, wie Alles frisch ist – gerade, wie Du es liebtest – nicht? Auch Deine schönen Kleider – Deinen Schmuck habe ich gehegt – morgen sollst Du die Wahl haben."
So glücklich, mit Erinnerungen wahnsinnig spielend, taumelte Emmy Gray in dem Zauberkreise ihres früheren, ihres einzigen Glückes umher, und ihre junge Gefährtin fühlte nur das Bedürfniss, nachgebend diesen heiligen Wahnsinn nicht roh zu stören, furchtlos von der Zeit die Erledigung eines Zustandes erwartend, von dem eine ahnende stimme ihr sagte: er würde, auch von Fennimors Bild entkleidet, dennoch verhängnissvoll ihr Leben erfassen. Und doch glaubte sie schon im nächsten Augenblicke erliegen zu müssen; denn Emmy, die, vom Fieber mit Jugendkraft beflügelt, im Zimmer redend hin und her schritt, forderte sie nun auf, sich nieder zu legen; ja, sie machte, als Elmerice anstand, ihr zu folgen, eine Bewegung, sie in ihren Armen aufzuheben, wie sie dies vielleicht früher Fennimor getan. Erschrocken sass nun Elmerice sogleich auf dem rand des Bettes, und stellte die Füsse auf das kleine Schemelchen. Da kniete die Alte vor ihr hin, und ahnend, was sie wollte, aber zitternd vor Verwirrung, löste Elmerice nun selbst die Fussbekleidung mit rascher Hand unter den langen Gewändern und stellte dann verschämt die kleinen, weissen Füsse vor Emmy auf das Schemelchen.
Still sass sie davor auf der Erde und sah sie an, als ob ein Himmel unschuldiger Freude vor ihr läge; – leise strich sie ein Mal mit der Hand darüber, und ein mühsames Lächeln wollte die in Schmerz erstarrten Züge brechen. Doch es ging nicht, und sie seufzte nur, als wäre ihr wohl. Dann sah sie auf und raffte sich empor, legte die Decken zurück, und schüchtern nachgebend, legte sich Elmerice nun in das weiche, herrlich duftende Bette. Emmy rückte und zog und schob daran umher, wie sie es früher dem Lieblinge getan; dann senkte sie den einen Vorhang, hing den anderen halb aufgeschlagen um einen grossen, mit Kissen fast zum Bette umgeschaffenen Stuhl und nahm darinnen Platz, mit einer Decke sich umhüllend. "Siehst Du," sagte sie leise und matt – "hab' ich's nun recht gemacht? Nun, lass mich auch ruhig bei Dir bleiben diese Nacht – und schlafe Du unter Gottes Segen bis zum hellen Morgen!"
"Das will ich," erwiderte Elmerice nachgiebig; denn sie sah, das Fieber sank in seiner Heftigkeit, Ermattung trat ein, sie durfte sie nicht stören. Eben so wenig konnte sie hoffen, ihre Lage zu ändern; denn Emmy hatte das ganze Bett verbaut; auch hatte sie die zweite Nacht bis jetzt gewacht, sie war jung, das Lager weich und schön. Schon schlief die Alte fest; da verwirrten sich die Bilder, einen Augenblick