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. Neben dem dauernden Geruche, den kostbare Möbel von edlem Holze verbreiten, waren hier in schönen, reichen Gefässen aus Japan und China die köstlichsten, frischen Blumen aufgestellt, deren Duft die Luft erfüllte, und welche, als die einzigen Bewohner dieser stillen Räume, ein um so ungestörteres, frischeres Leben führten. Daneben standen die breiten, bequemen Möbel, wie der Glanzpunkt des Luxus unter Ludwig dem Vierzehnten sie hervor rief; alle geordnet oder ungeordnet, wie der Gebrauch es herbeigeführt hatte, so lebenswarm, so bewohnt scheinend, dass Elmerice, plötzlich erschrocken, von ihren Beobachtungen abliess, der Alten nachblickend, die in einem Nebenzimmer dieselben Vorkehrungen mit dem Anzünden der Kerzen zu machen schien, wie hier, und die sie jetzt mit dem geheimnissvollen Bewohner wiederkehren zu sehen, fast erwartete.

Doch Emmy kehrte allein zurückund auf Elmerice zueilend, führte sie diese mit froher Geschäftigkeit in das nächste Gemach. Hier waren grosse Fenstertüren nach dem kleinen Gärtchen geöffnet; die sternenhelle Nacht, die herein sah, unterstützte das Licht der Kerzen; es war hell und von dem wunderbaren Gegensatze dieser Beleuchtungen magisch verklärt. Gegen die mittlere Tür stand ein hoher Lehnstuhl, als sei dies ein besonders bezeichnetes Lieblingsplätzchen. Rosen blühten in schönen Gefässen umher; am Boden aber, nach der Mitte des Fensters zu, war ein Teppich ausgebreitet, auf dem glänzendes, silbernes Spielzeug lag.

Welch eine gediegene Pracht atmete dies hohe Gemach! Diese seidenen Tapeten, mit Spiegeln und Goldarbeiten unterbrochen; diese schweren, goldenen und silbernen Gueridons, die Tischchen und Büchergestelle von Gold, Marmor oder seltenen Holzarten und endlich das kleine Positiv, von Engeln getragen, und das künstlich geschnittene, hohe Lesepult von Eichenholzdahinter die Sitzbank von gleicher ArbeitAlles jetzt von brennenden Kerzen beleuchtet!

"Siehsieh!" rief Emmy immer fort; – "ist es Dir so rechtbist Du zufriedensag mirsag mirhabe ich Alles gut besorgt?"

"O, schönschön, wunderbar schön ist es bei Dir!" rief Elmerice, ganz berauscht von den Eindrükken, die ihr im wahnsinnigen Eifer aufgenötigt wurdenund sah dabei liebevoll zu der Alten auf, die, so wie sie die Lippen öffnete, wie angerührt von neuem Entzücken, horchend stehen blieb und über das alte, gefurchte und vergrämte Antlitz alle Sonnenlichter des Glückes, die auf diesen verhärteten Boden noch wirken konnten, treiben liess.

"Nun gehört Dir das Alles wieder!" sagte sie dann seufzend und sinnend – "Du wirst das Alles wieder bewohnenund ich werde Dir dienenund werde Dich sehenDeine Engelsstimme hörenDeine hellen Augen sehenund horchen, wie der Boden so leise knistert, als fühle er es gern, wenn Deine kleinen Füsse darüber hinfliegen! Alle Nächte habe ich Deine Blumen begossenden anderen frisch wasser gegeben, die welken verscharrtund Alles gelüftet und den Staub ausgekehrt. Sieh nur, wie es da draussen in Deinem Gärtchen ist!" – Sie zog sie zur tür hinaus, und plötzlich stand Elmerice vor einem grünen Hügel, unter dem Schatten blühender Rosensträucheund vor ihr ruhete auf einem Ruhebette von schwarzem Marmor die schöne, runde Gestalt einer jugendlichen Frau, in weissem Marmor gebildet. –

"Gott," rief Elmerice – "wer ist das? O Emmy, Emmy, ist das Deine Fennimor?"

"Das ist meine Fennimor!" erwiderte Emmy stöhnend und sank über das schöne Bild. – "Du weisst ja, er liess nach Lesüeur's Bilde Deinen Grabstein mit Deiner lieben Gestalt hier meisselndadahier unten lagst Du so lange!" Sie stöhnte herzzerreissend. – Elmerice ward hingerissen; es stürmte in ihrem Busen; sie wusste nicht mehr, ob sie Fennimor sei, ob nicht; aber sie war geneigt es zu glauben und fühlte ein inniges Bedürfniss, hier mit dieser Stelle so vertraut zu sein, als Emmy es begehrte. Eine Fülle von Liebe sprang aus reicher Quelle in ihrem Busen auf. Wie liebte sie diese schöne, kalte Fennimor, diese treu ergebene Emmy mit ihrem finstern poetischen Schmerze; – wie einem kind der Eltermutter, schlug ihr Herz ihr entgegen! Sie kniete zu ihrsie umschlang siesie legte ihr warmes Haupt an die erkaltende Wange der Alten, die auf Fennimors Marmorhand ruhte.

"Emmy!" sagte sie erst leise, dann immer dringender flehendendlich mit allen weichen Lauten der Liebe: "siebe auf und liebe michich will Dich ja lieben, wie Deine Fennimor!"

Emmy schien aus ihrer Betäubung zu erwachen, und die letzten Worte trafen ihr Bewusstsein.

"Ha, Mädchen, wer spricht da?" rief sie wild, und riss Elmerice mit sich empor – "war das meines Engels liebe stimmeFennimor redet," sagte sie sinnend – "und ist doch so lange tot, dass braune Lokken weiss wurden, und Jugend zum Greisesag, wie kam das?" fuhr sie fort und schritt vor, Elmerice mit fester Hand sich nach in das Gemach zurückziehend. Sie sah vor sich nieder; ihr starker Verstand wollte die magische Gewalt brechen, von der sie beherrscht war; – sie sann und sann, und blieb vor dem hohen Lehnstuhl in der offenen tür stehen. – "Hier starbst Duhier sah ich Dich als LeicheDu warst totich war jung damalsund