hatte – ich habe das Kreuz über die Tür gezogen – das ist die einzige Rettung!"
Sinnend hörte Elmerice den Bericht an, und nachdem sie ihn in ihre Sprache umgesetzt hatte, erkannte sie, dass das Schloss von der Gesellschaft bewohnt sein müsse, die sie so eben am fuss des Walles erblickt habe. Aber wer konnte das sein? Sie hatte von der herrschaft dieses Schlosses noch nie gehört; – wer anders konnte jedoch mit so grossem Eigentumsrechte hier walten?
"Beruhige Dich, Asta," sagte sie – "das sind Menschen, die das Schloss bezogen, wenn ich auch nicht weiss, wer hierzu das Recht hat. Eben vom Fenster sah ich sie zu Pferde einherziehen; sie hatten ein eben so menschliches Ansehen, als Du und ich; sie waren nur, wie reiche Leute hohen Standes, kostbar gekleidet."
Asta wagte einen blick zu Elmerice, der alle die Zweifel des erschreckten Kindes, so wie die schüchterne Warnung entielt, doch so Natürliches nicht zu glauben! Doch schwieg sie bescheiden, heimlich wohl sich mehr auf das Kreuz verlassend, als auf die Einsicht ihrer jungen Gefährtin.
Diese empfand jedoch in anderer Beziehung eine Unruhe, die Asta freilich nicht teilen konnte; denn plötzlich schien ihr ihre ganze Lage unpassend, besorglich. Die bängste Befürchtung für ein weibliches Herz – unbeschützt in zweideutige Verhältnisse zu geraten – ergriff sie. Diese waren möglich, wenn der Eigentümer plötzlich die Rechte Emmy Gray's verletzte und den Raum in Anspruch nahm, der bis dahin mit seinen unangerührten Rechten auch Elmerice und ihr gewagtes Unternehmen verhüllte. Doch war sie zu jung, als dass nicht diese ersteren Gedanken sich von der Frage durchkreuzt gefunden hätten, wer die zierliche Gesellschaft sein könne, die sie wieder in die Kreise zurück versetzt hatte, die sie seit dem Abschiede von Ardoise entbehrt.
Näher rückte ihr indess ihr jetziges verhältnis durch den harten, lauten Ruf der Alten, die nun zur Nacht, aus ihrem Schlaf erwachend, ihr krankhaftes Treiben zu beginnen schien.
"Asta," rief sie – "wer hat dies aufgestellt? – Ist Ellen aus dem Bette?"
Asta sagte, sie wüsste Nichts davon, und Madame St. Albans sei zu Veronika gegangen, weil sie das Fieber stärker bekommen. –
"Nun, wer gab denn das? Warst Du der kecke Page, der wider meinen Willen sich hier breit gemacht?" –
"O nein! o nein!" rief Asta; – "ich weiss Nichts davon!" –
"Schweige, Törin," rief die Alte, – "die Furcht macht Dich zur Lügnerin!"
Die Kleine schwieg. Wieder musste sie das Feuer schüren, dann gebot sie ihr zu gehen.
Elmerice wies Asta stumm ihr Lager von vergangener Nacht und setzte sich an ihrem Bette nieder, um dem armen kind die erregte Furcht abzuwehren. Bald schlief sie sanft, und Elmerice setzte sich nun an das Lager der alten Emmy, von den dichten Vorhängen, die es umgaben, verdeckt.
Kein Schlaf kam mehr über die Kranke, und Elmerice konnte die ungewöhnliche Gemütsbewegung der Alten erkennen, die in einzelnen Worten ausbrach, und zwar in Worten der alten Heimat-Sprache, von schweren Seufzern unterbrochen: "Asta war es nicht, – ich glaube es – sie log nicht – Ellen ist weggebracht – wer bleibt nun übrig? – Gerade, wie mein Engel es tat – die Rose – und dann die Früchte – ach, mein Engel, warst Du hier? Warum erquicktest Du mein Auge nicht – bin ich es nicht wert, dass ich Dich auch schaue – die Rose zeigt doch Deine Liebe – Dein Mitleiden! – Sprich, hab' ich Recht?"
"Ja!" sprach Elmerice, von ihrem Gefühl überrascht, in derselben Sprache; – "ich möchte Dich gern trösten!"
Ein Entzückenslaut, Schreck-gebrochen, war die Antwort. "Sprich, sprich noch ein Mal – das ist süsser, wie Engelgesang! Lass' mich den lange ersehnten Ton noch ein Mal hören!" – Kaum war die stimme Emmy's, die so kindlich bat, in dem weichen, belebenden Tone zu erkennen.
Elmerice glühte vor Liebe und Eifer; sie eilte vor und knieete jetzt schon neben dem Bette. "Fasse Dich! Vertraue mir! Ich bin gekommen, um Dich mit Gott und Menschen zu versöhnen durch meine reine, uneigennützige Liebe!"
"O mein Engel – lass' die Menschen!" rief Emmy – "beflecke damit Deine reinen Lippen nicht; – sag' mir nur das Eine – dürfte ich Dich wohl schauen? Bist Du bloss ein süsser Ton – oder umgiebt Dich noch ein wenig von dem lieben, schönen Engelsleibe? – Darf ich Dich sehen?"
"Und wenn Du mich siehst," sagte Elmerice – "wirst Du nicht erschrecken? Werden Dir meine Züge nicht fremd und störend sein?"
"O nein – nein!" rief Emmy dringend – "Deine liebe stimme ist ja dabei!"
"So ziehe den Vorhang auf – ich kniee an Deinem Bette."
Elmerice in ihrem weissen, faltigen Kleide, das schöne, von Bewegung erblasste Angesicht von braunen Locken, wie von einer Glorie, voll umspielt, die tiefen blauen Augen mit der schönen Begeisterung der Menschenliebe zu ihr aufgeschlagen, kniete in dem hellen Lichte des Feuers, glänzend wie ein Cherub, vor den anbetenden Augen der in starres, entzücktes