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schon sank den Bemühten der Mut, als plötzlich ein Ausbruch von Konvulsionen erfolgte, der dem wiederkehrenden Leben voranging und endlich die Augen der Leidenden öffnete. Doch war ihr Zustand noch höchst gefährlich, und der ehrwürdige Pater Ambrosius, der Arzt der Abtei Tabor, konnte den angstvollen fragen des Herrn Albans nur die einzige Tatsache zusichern, dass sie für den Augenblick lebe.

Der Schmerz des unglücklichen Gatten hatte alles Rührende einer wahrhaften Empfindung, doch behielt er zu jeder Antwort, jeder Anordnung, Besonnenheit und Ruhe.

Elmerice und die treue, geschickte Marylone teilten alle nötigen Dienstleistungen, und nachdem 24 Stunden ohne Wiederholung des gefürchteten Schlagflusses vorüber waren, gab Pater Ambrosius Hoffnung zu ihrer Wiederherstellung. Doch war ihre Ermattung so gross, dass sie nur unklar zu denken schien und noch undeutlicher zu sprechen vermochte. Doch sie lebte, und alles Uebrige schien Herrn St. Albans erträglich, unbedeutend sogar. Er hatte jedes Geschäft ausser dem haus aufgegeben. Nach einer kurzen Besprechung an jedem Morgen mit seinen Verwaltern schien er auf der Welt nichts zu tun zu haben, als die Atemzüge, den Puls seiner Gattin zu zählen, ihr freie Luft und Licht zu nehmen oder zu gewähren, Kissen und Decken zu ordnen, wie es ihr Erleichterung verschaffen konnte. Die Besinnung der Leidenden schien auch zuerst bei diesen zarten Liebesbeweisen sich zu ordnen, die Erschöpfung machte sie sanft, und Elmerice fand sie liebenswürdiger, als sie ihr je erschienen war, denn sie lächelte, ohne das Rollen ihrer sonst unruhigen Augen, Jeden sanft an, schien jeden Dienst zu kennen und lohnen zu wollen, und ihre einzelnen Worte bezeichneten immer irgend ein wohlwollendes Gefühl. Pater Ambrosius sprach nun immer bestimmter die Hoffnung ihrer Genesung aus; und nach einer ruhig durchschlafenen Nacht redete sie Elmerice und ihren Mann mit klarer und ruhiger stimme an, und ihr volles Bewusstsein und der Gebrauch ihrer Sprache versetzte Beide in die freudigste Stimmung.

Nach einigen Erörterungen über ihr Befinden kehrte auch augenblicklich ihre alte Art und Weise zurück. "Aber, St. Albans," sagte sie, "was wird aus unserer Wirtschaft werden? Du bist den ganzen Tag hier im Zimmer gewesen, und wie wird draussen in meinem Haushalte Alles verwildert sein! O mein Gott," seufzte sie schwer, "welch' ein Unglück, wenn eine Hausfrau erkrankt!"

"Beruhige Dich, meine liebe Frau," sagte Herr St. Albans, "meine Geschäfte haben nicht darunter gelitten, meine Verwalter und alle meine Leute haben mir ihre Teilnahme an meinem Kummer durch vermehrten Fleiss und Tätigkeit bezeigt." –

"Nun wahrlich," unterbrach ihn die Frau rasch, "da bist Du glücklicher, als ichdoch sieh' nur erst selbst nach. Du wirst wohl finden, wenn Du erst suchen wirst, und nun Duja, Dein Geschäft hat freilich nicht so die tägliche Aufsicht nötig, wie das meinige, mir wird es desto schlimmer ergangen sein, wenn ich nur erst wieder umher blicken kann."

"Auch dieser Kummer, meine Liebe," erwiderte ihr Mann, "wird Dir erspart sein, denn Miss Eton hat jeden Morgen um zwei Stunden ihren Schlaf abgekürzt, Dein Haus in Ordnung zu erhalten, und Du wirst sehr überrascht sein, Alles in so vortrefflichem Zustande zu finden!"

"Miss Eton!" rief die Kranke – "Miss Eton meine Wirtschaft geführt? Nun, das muss ich sagen, überrascht miches ist aber recht viel guter Wille, und ich danke, danke recht sehr, liebe Miss! Die Leute haben doch nicht Alles verwahrlosen können; nicht wahr, liebe Miss, verschlossen hieltet Ihr das Meiste? da werdet Ihr auch haben kennen lernen, wie unachtsam die Leute sind, wie wenig man sich auf sie verlassen kann, wenn Ihr auch in zwei Stunden täglich nicht viel Erfahrungen machen konntetnun, ich danke sehr für den guten Willen."

"Damit müsst Ihr allerdings Euch genügen lassen," erwiderte Miss Eton lächelnd – "doch auch ich muss lobend Eurer Leute gedenken, die sich Mühe gaben, mich zu unterstützen, und von denen ich leicht und pünktlich Alles erhielt, was ich anzuordnen für nötig fand."

"Nun, nun," sprach Madame St. Albans lachend, "Ihr werdet es wohl gnädig gemacht haben, denn die wirtschaftlichen Anordnungen einer so jungen Dame werden wohl leicht zu erfüllen sein; das stösst noch nicht um, mein Kind, wenn ich behaupte, man findet bei sorgsamer Führung der Haushaltung wenig Unterstützung bei den Domestiken, und wenn ich täglich nur zwei Stunden dran setztewo denkst Du wohl, lieber Mann, dass Haus und Hof schon hin sein würden?"

"Gewiss, meine Liebe," erwiderte Herr St. Albans etwas schnell – "widmest Du Deiner Haushaltung mehr Zeit, Du hast aber auch nicht die grossmütige Pflicht dabei übernommen, mit aufopfernder Sorgfalt eine todtkranke Freundin zu pflegen, wie es Miss Eton tat; und vielleicht, wenn Du erst kennen lernst, wie musterhaft selbst in dieser kurzen Zeit alle Geschäfte getan wurden, findest Du selbst später, dass man sich mehr Musse gönnen kann, und doch nichts zu versäumen braucht."

"Wirklich, Herr St. Albans?" sagte die leicht aufgereizte Frau, mit grosser Empfindlichkeit, "nun Ihr scheint ausserordentlich mit Eurer neuen Wirtschafterin zufrieden zu sein, da Ihr meint, ich, die lang' erfahrene Frau Eures Hauses, solle in die Lehre gehen