mit dem Bette der Erzürnten in einer Reihe lag und eins der vier grossen, breiten Fenster war, die diese Seite des Riesengemaches einnahmen. "Aber," fuhr er fort, – "daran müsst Ihr Euch gewöhnen; ich habe lange gezaudert, ehe ich Euch zu diesen verrückten Weibern herbeschied; denn die Albans ist eine so kleine, jämmerliche Seele, die sich Wunder wie klug deucht, wenn sie Anderen nichts Gutes zutraut. Ich sage, solche sogenannte stille Leute, die immer tun, als wollten sie mit keinerlei Art von Verdienst in die Schranken treten, das sind innerlich die Tollsten, die sehen auf Alles mit Verachtung, was sie nicht verstehen; ihr Hochmut macht sie bösartig."
"Obwol ich Madame St. Albans bloss für launisch und nicht für bösartig halte," sagte Elmerice – "habe ich doch von ihrer Weise schon manche Erfahrung gemacht, die mir jetzt zu Hilfe kommen wird."
"Nur nicht zu gut, mein Kind! Schreit sie ein Paar Mal tüchtig an, das hilft mehr, als nachgeben. Bleibt Ihr immer sanft und freundlich, das versteht so ein Gemüt nicht. Weil sie selbst schreien und heulen würde, wenn man sie behandelte, wie sie Anderen tut, so hält sie Jeden, der es hinnimmt, für seiner Schuld überführt oder für falsch."
"Und doch," lächelte Elmerice, belustigt von dem alten, klugen mann, – "doch muss ich schon bei meiner Weise bleiben; es ist nicht so wichtig, dass sie mich versteht; aber ich würde mich selbst nicht verstehen, wenn ich ihr eben so erwiedern wollte, wie wir es ja an ihr nicht billigen. Ich werde weniger dadurch verletzt, wenn ich nicht darauf eingehe, und muss es leiden, wenn sie mich deshalb falsch schilt."
"Ja, ja," sagte der Alte, sie wohlgefällig anblikkend, – "es gibt auch solche Weiberherzen! Ich kann sie wohl leiden, wenn ich dagegen den Anderen gern etwas auf den Leib hetze. Nun, mein Kind, ich werde zusehen, wie sie's machen, und komme schon zu Hilfe. – Jetzt will ich Euch sagen, dass Keine von den Beiden sterben wird, wenn sie im Bette bleiben; aber sehet, sie sind so krumm gezogen, so voll Gliederschmerzen, dass, wenn sie da nicht bleiben, ich für Nichts einstehen kann; denn alle Augenblicke wird es entzündlich, und die Alte liegt immer im Fieber. Das hält Einer in den Siebzigern auch nicht lange aus, wenn er gleich solchen Riesenkörper hat, wie sie. Bedurfte nun die Alte Etwas, was Asta nicht zu besorgen verstand, dann stand die Albans auf und tat es; und da blieb die geschichte, wie sie war, und Beide kommen mir von Kräften und können d a r a n sterben."
"Und hofft Ihr denn, lieber Herr," rief hier Elmerice, angenehm überrascht, "dass Mistress Gray sich von mir wird pflegen lassen?" –
"Davon kann vorerst bei Tage nicht die Rede sein; denn sicher litte sie es nicht. Aber sehet, in dem grossen Himmelbette, da wird sie Euch nicht so bald entdecken, und nun ist Euer Geschäft, wenn ich nun doch einmal über Euch bestimmen soll, der Asta beizustehen, damit die Frau dort zu Bette bleiben kann, wenn es heisst, Umschläge kochen, Suppe oder Tee brauen, Wäsche wärmen, und was sonst noch vorfällt am Krankenbette. Asta ist klug genug, es der Alten beizubringen; aber vorher will doch immer noch eine andere Hand dabei sein. – Und dann, mein Kind, des Nachts, da werdet Ihr zuweilen die Aeuglein aufhalten müssen; da tritt bei der Alten das Fieber ein, dann will sie aus dem Bette und redet Manches, worauf Ihr Nichts geben müsst; doch in dem Falle wird sie nicht merken, dass Ihr eine Fremde seid, und Ihr werdet sie beruhigen und im Bette festalten können; denn sie ist schwach wie ein Kind. Der Frau aber da deutet an, ihre unnütze Geschäftigkeit wäre verboten; und weil Ihr entschlossen seid, von ihr zu leiden, so duldet ihren Widerspruch, aber haltet sie im Bett; ich werde dem Allen den gehörigea Nachdruck geben. – Und so segne Euch Gott, mein Kind!" fuhr er fort, und strich plötzlich mit der Freiheit eines alten Mannes ihr die Locken von der Stirn, und betrachtete sie zurückgebogen einen Augenblick mit seinen forschenden, runden Augen. Dann schüttelte er den Kopf und trat wieder an das Bett der Madame St. Albans.
"Frau," sprach er – "betragt Euch jetzt vernünftig; ich habe Euch hier nicht das arme fräulein hergeholt, dass Ihr an ihr Eure Launen und Tücken auslasst. Was sie Euch sagt, müsst Ihr tun; denn das ist mein Wille, sonst könnt Ihr ins Gras beissen, und Herr Albans heiratet eine Andere. Na, das dachte ich wohl, nun geht das Weinen an; auf dem Punkte sind wir sehr empfindlich! Nun, ich sage Euch ja, tut, was ich von Euch fordere, und Ihr sollt tanzend und springend zum Herrn Gemahl zurückkommen!"
Ohne die schluchzende Entgegnung der Beleidigten abzuwarten, kehrte er sich um, und Elmerice, die noch immer an dem Fenster lehnte, sah mit Herzklopfen, wie er die Vorhänge des Bettes zurückschlug, in welchem die geheimnissvolle Alte