, dies nicht wissen zu wollen. Aber ich bin ein alter Mann; Sie sollen ihr Vaterland nicht verlassen, ohne den Segen eines Herzens, das Sie lieb gewonnen hat, wie einen Sohn."
Reginald stürzte an seine Brust; Herr von Mauville segnete ihn in tiefer Rührung mit einer erschütternden Fülle hochherziger Worte. Dann entriss er sich plötzlich seiner Umarmung und enteilte dem schmerzlich bewegten Jünglinge.
Lange blieb Reginald regungslos auf seinem platz. Wir können sagen, er erlebte einen grossen Entwikkelungs-Moment. Von allen Seiten nahete sich das Vorbereitete und ward zum Bewusstsein, das schnell die neue Form des Daseins bildete, und sie mit dem Inhalt einer ernsten, männlichen erkenntnis erfüllte. Aber dessen ungeachtet seufzte das junge Herz: "Du bist allein!"
Als der Abend sank, redete ihn in schüchternen Lauten eine bekannte stimme an; erschrocken fast sprang der Einsame auf. Es war sein treuer Kammerdiener, der sich ihm zu Füssen stürzte: "Nehmen Sie mich mit, gnädiger Herr! Verstossen Sie mich nicht, sonst bricht mir das Herz!"
"Wie," rief Reginald; – "Du willst den Verstossenen – den Verbannten begleiten?" –
"Ja, Herr, bis in den Tod! Lasst mich nicht zurück, ich überlebe es nicht!" –
"So komm mit!" rief Reginald, und ein warmes Gefühl durchströmte sein Herz. Er war nicht mehr allein!
Die Reise war von dem sorgsamen Diener mit einer Umsicht vorbereitet, die seine Instruktionen verriet. Als Reginald in den Wagen stieg, überreichte ihm der Kammerdiener ein Portefeuille; es entielt ein bedeutendes Vermögen in Wechseln und Gold. Auf dem Umschlage standen die Worte: Das Vermögen von Fennimor Lester, verehelichten Gräfin Crecy-Chabanne.
Schaudernd verschloss Reginald die verspätete Urkunde der Gerechtigkeit. – "Hörtest Du nie von Emmy Gray?" fragte Reginald später. "Es sei die letzte Frage über die Vergangenheit; aber ich muss sie beantwortet haben, ehe ich das Land verlasse." –
"Sie lebt – aber sie hat der Welt unerlöschlichen Hass geschworen; auch Euch wollte sie nicht wiedersehen! Der Herr Graf von Crecy lassen für sie sorgen, wie für eine Prinzess." –
Reginald änderte jetzt seinen Namen und blieb von da an verschwunden. Alle Bemühungen, ihn aufzufinden, scheiterten, wie wir es bereits wissen.
***
Wir wollen zu einer anderen Zeit dem Eindrucke nachfragen, den die Erzählung des Marquis d'Anville auf seine Zuhörer machte; näher liegt uns das junge fräulein, das wir, von dem arzt zu Madame St. Albans Hilfe herbeigerufen, in dem Vorflure des kleinen Turmes verliessen, der in die Zimmer der Mistress Gray führte.
Trotz dem, dass der Arzt sie berufen, schienen dennoch über ihren Eintritt Schwierigkeiten obzuwalten; denn Elmerice hatte hinreichend Zeit, das ergreifende Schauspiel eines mit heftigen Ausbrüchen wild über die Erde dahin ziehenden Gewitters zu beobachten, und erst, als eine gleichmässig graue Wolkenlage einen frühen Abend herbeiführte, und der niederfallende feine und warme Regen die erschreckte und zerrissene Vegetation zu heilen schien, trat Asta zu der Harrenden und flüsterte ihr zu: "Bald! bald!"
Elmerice fühlte ihr Herz aufwallen; sie trat der Eingangstüre näher und atmete bedürftig den Duft, der aus tausend kleinen, erquickten Kelchen balsamisch zu ihr aufstieg. Ihre Augen wurden nass, trotz dem, dass sie sich innerlich über eine Empfindung schalt, die ihr durch Nichts motivirt schien. Sie ward ungeduldig und wünschte um so lebhafter, in den bangen Zauberkreis eingeführt zu sein, den sie bald zu überwinden dachte durch Dienste, die sie leisten wollte. Auch sollte ihr Wunsch jetzt erfüllt werden. Asta war zurück geschlichen, mit ihr erschien der alte Arzt und führte sie stumm und leise durch die breite Flügeltüre, die sich geräuschlos in den Angeln drehte.
Obwol ein hoher, lang ausgestellter Schirm die Uebersicht des Zimmers hinderte, sah Elmerice doch an der weit ausgebreiteten Decke, dass sie in ein ungewöhnlich grosses Zimmer trat. Der hohe Schirm bildete, wenige Fuss von der Wand abgestellt, einen verdeckten gang, und als sie ihn, hinter dem arzt hergehend, zurückgelegt, sah sie sich vor dem Bette der Madame St. Albans, die, auf Kissen gestützt, leise stöhnend darin ausruhte.
"Ach, Kind, Kind, ich habe es nicht gewollt, dass man Dich rief!" schluchzte Madame St. Albans leise. "Du armes Kind, wärest Du doch bei Deiner Gräfin geblieben! Was kommt nun Alles über Dich! Zwei Leichen wird es in kurzer Zeit geben; denn weder sie, noch ich, Keine von uns Beiden übersteht die Leiden!"
"Darum gerade ist es gut, dass ein Gesunder bei Euch ist," erwiderte Elmerice freundlich, – "Ihr sollt bald erfahren, was gute Pflege tut."
"Ach," sagte Madame St. Albans, fast verdriesslich, – "seid nicht so höflich mitten in dem Elende! Das kann Euch nicht von Herzen gehen; und ich habe nie den Leuten getraut, die so sehr höflich waren." Grämlich lehnte sie sich in die Kissen zurück, als wolle sie Ruhe haben.
Elmerice wendete sich ab, wenig ermutigt durch diesen Empfang, und sah in das Antlitz des alten Arztes, der, wie es schien, kaum ein lautes Gelächter bezwang.
"Da habt Ihr's!" sagte er, sie gegen eins der hohen Fenster führend, das