ein nah berechtigtes Mitglied derselben zu zeigen, ist durch die traurige, vorangebende Veranlassung dieses Verhörs, ein sehr ungünstiger zu nennen. Dessen ungeachtet glaube ich annehmen zu können, dass mit dieser Entdeckung, die gegen Ihren Willen gemacht ist, und die Sie früher verweigert haben, der Grund weggefallen ist, der Sie abhielt, uns zu entdecken, warum Sie den Grafen Ludwig veranlassten, mit Ihnen nach Ste. Roche zu gehen. Ueberhaupt, mein Herr – ich sage es mit Bedauern, aber es bleibt dennoch wahr – diese neuen Entdeckungen sind Ihnen nachteiliger, als förderlich; denn die Frage wird jetzt wichtig, o b S i e , der Angabe nach, wirklich der ältere Graf Crecy-Chabanne sind, oder der bisher dafür geltende Jüngling; denn Ihre hiernach als unterdrückt erscheinenden Rechte könnten auf ein verhältnis zwischen Ihnen und dem Gemordeten hinweisen, dass sein Leben oder seinen Tod für Sie wichtig machte. Sammeln Sie sich daher und erzählen Sie aufrichtig den Verlauf der Begebenheit."
"Mein Herr," erwiderte Reginald sogleich, ohne Zögerung – "ich übersehe meine Lage ohne Täuschung, daher ohne Hoffnung. Der Tod Ludwig's durch meine Hand schliesst überdies jede Möglichkeit wieder zu erlangenden Glückes gänzlich für mich aus! Mein Leben muss eine Sühne für sein schönes, früh geknicktes Dasein werden; – ich ersehne dies mehr, als dass ich ihm zu entrinnen trachte."
Ein röchelnder Seufzer stieg hier aus Emmy's Brust; sie taumelte erbebend vor den festen Worten ihres Lieblings zusammen. Herr von Mauville befahl ihr einen Stuhl zu geben; starr blieb sie von da an sitzen, die Augen fest auf Reginald gerichtet.
"Was ich weiter von diesem entsetzlichen Verhängnisse zu berichten habe," fuhr Reginald fort, "ist von so ungewöhnlicher Art, dass ich entschlossen war, es ganz zu verschweigen; da es unmöglich in den Augen meiner Richter sich zur Wahrheit erheben kann, und mich dieser daraus entstehende Zweifel gegen meine Wahrhaftigkeit doch tief kränken würde."
"Sie müssen Vertrauen haben zu Ihren Richtern, junger Mann," entgegnete Herr von Mauville; "wir sind nicht in der Absicht gekommen, Sie schuldig zu finden, und gewöhnt, das Ungewöhnliche zu hören. Kraft meines hohen Amtes fordere ich Sie auf, Alles auszusprechen, was Sie auf Ihrem Herzen haben."
Nach einer Pause schmerzlichen Nachdenkens rief Reginald: "Es sei! Ich stehe vor einem edlen mann, das fühle ich dankbar; – aber vor Allem fühle ich Gottes Nähe!"
Reginald erzählte jetzt mit Umsicht und Ruhe. Er berichtete die Unsicherheit über seine Familie, der er nicht nachgefragt habe in dem schützenden Verhältnisse zu der Familie Crecy. Graf Leonin habe sich seinen Vormund genannt, und jede Auskunft für ihn bis nach zurückgelegter Reise verschoben. Dann erzählte er Emmy Gray's erste Aufforderung vor der Reise, die er abgelehnt; dann ihre zweite, welche ihn nach Tabor rief, und mit sichtlichem Widerstreben entdeckte er Emmy's Mitteilungen. Emmy verlangte, ihm in Ste. Roche die Dokumente zu übergeben – ihn trieb das Herz nach dem grab seiner Mutter – Ludwig sollte ihn begleiten. Er konnte Nichts von ihm getrennt denken; er sollte mit ihm, von den Dokumenten und Aussagen der Alten unterstützt, dort Alles bedenken und beschliessen helfen! "Dies, mein Herr," fuhr Reginald fort – "ist der wenig haltbare Grund, weshalb ich Graf Ludwig zu der Reise nach Ste. Roche bewog, den aber nur d e r begreifen kann, der weiss, wie wir uns liebten – wie kein geheimnis unter uns waltete."
"Doch ist dies dennoch viel wahrscheinlicher, als was ich weiter zu erzählen habe." Er berührte jetzt den aufgeregten Zustand, in dem er, Ludwig zu bewachen, mit dem Pistol in der Hand, vor ihm gesessen habe und endlich, von unbewusster Müdigkeit überwältigt, entschlafen sei, wo ihn dann der Traum erfasst, den er mit der Gewalt des tiefsten Grauens, das jetzt noch seine Seele zu überwältigen drohte, ergreifend vortrug. – Lautlose Stille herrschte im saal. Vielleicht war Keiner in der ganzen Versammlung, der nicht den Jüngling als unschuldig und des tiefsten Mitleids würdig erkannt hätte.
Erschöpft und todtenbleich lehnte sich der Unglückliche, nachdem er geendigt, von der Anstrengung fast überwältigt, in den Lehnstuhl zurück. Mauville's Augen ruheten auf diesem rührenden Opfer, mit dem Wunsche, er möge so enden; denn der erfahrene Richter wusste, dass er nicht zu retten war.
Da sagte der beisitzende Richter zu Herrn von Mauville: "Sie vergessen die Aussage des Kammerdieners, der uns noch von einem Liebesstreite der beiden jungen Leute erzählte. Gleichfalls eine wichtige Möglichkeit, so rasche Tat zu erzeugen!"
Ein missbilligender blick des Herrn von Mauville traf ihn; doch ungehindert davon, fuhr er fort: "Die Neigung Beider traf dasselbe fräulein aus diesem haus; Graf Ludwig war am Morgen mit derselben verlobt worden. Das erfuhr der Angeklagte!"
"Halt," rief Reginald – "mein Herr, um Gottes Willen halten Sie ein!" Konvulsivisch war er aufgesprungen; noch ein Mal jagte das Blut über das sterbende Antlitz. "Mischen Sie in mein elendes Schicksal nicht den heiligen Namen dieser Dame! Sprechen Sie es aus, das vernichtende Wort: ü b e r f ü h r t , s c h u l d i g ! – Aber um Gotteswillen, diesen neuen Beweisgrund nicht