und Gaukler und Betrüger zum Zeugnisse gegen uns zulässt!" Sie wollte, sich erhebend, ihren Platz verlassen; doch Reginald sollte ihr den Beweis geben, dass das Blut der Crecy in seinen Adern fliesse! Lebhaft, mit glühendem Antlitze trat er ein Paar Schritte gegen sie vor.
"Bleiben Sie, Madame," rief er in einem gebieterischen Tone, "und nehmen Sie Ihren Platz wieder ein! Sie haben kein Recht, Beschimpfungen gegen mich auszustossen; denn Sie vor Allen sind fest von der Wahrheit der eben vernommenen Aussagen überzeugt. Sie, Madame, haben den Namen Crecy-Chabanne entehrt; – Sie, Madame, haben Ihren Sohn, meinen Vater, zu dem Verbrechen doppelter Ehe – zur Beraubung seines rechtmässigen Kindes verführt; – Sie, Madame, haben durch Ihre unmenschliche Grausamkeit, durch Ihren Agenten Souvré das Herz meiner engelgleichen Mutter, Ihrer allein rechtmässigen Schwiegertochter, gebrochen! Sie – Sie haben das edle Haus Lesdiguères zu einer beschimpfenden Verbindung mit dem Gemahl einer Anderen vermocht und auch das Herz dieser edlen, betrogenen Tochter jenes Hauses gebrochen!"
"Bleiben Sie," rief er, da die Marschallin, aus der Erstarrung ihres Schreckens erwachend, zu enteilen trachtete; – "Sie sind hier noch nötig. Ich befehle Ihnen, zu bleiben! Sie haben gewagt, mich Betrüger zu nennen. Sie hätten vor dem Worte zittern sollen! Ich, der ich es über die nächsten ausrufen konnte, habe es zurückgedrängt, aus achtung für den Namen, den meine reine Mutter trug. Jetzt, Madame, ist das Siegel von Ihnen selbst gelöst; – ein Crecy-Chabanne darf nicht Betrüger genannt werden. Tritt vor, Emmy Gray, entfalte die Dokumente, die Alles dartun; und Sie, Madame, werden Kenntniss davon nehmen und alsdann widerrufen – g e g e n m i c h w i d e r r u f e n !"
Die Marschallin stand, wie unter einem Zauber gebannt, starr – besinnungslos fast vor dem glühenden, zürnenden Jünglinge. Auch schien mehr oder weniger die ganze Versammlung in ein rücksichtsloses Zuhören aufgelöst, während Herr von Mauville ein scharfer Beobachter blieb, und mit Willen das Kreisen dieser leidenschaftlichen Zustände nicht zu hindern suchte, ihnen die Fingerzeige ablauschend, die die Wahrheit zu entüllen versprachen.
"Was wagt Ihr?" stammelte endlich die Marschallin; – "was für Rechte habt Ihr an mich, als die der Verachtung und des Abscheues? Wem soll ich gerecht werden? Dem Mörder meines Enkels, dessen ganze Anklage gegen uns nur eine neue Bestätigung seines absichtlichen Todtschlages ist!"
"Absichtlich! Absichtlich!" schrie Reginald, als ob alle saiten seines inneren misstönend zerrissen würden; – "ich absichtlich Ludwig getödtet – ihn, der wenige Stunden zuvor mein Bruder ward – ihn, der auf meine Liebe, auf meinen Schutz angewiesen war durch meine älteren Rechte an den Rang und Namen, den er getragen? Ich – ihn absichtlich morden? Heiliger Gott, dieser Gedanke konnte nur in Euch entstehen!"
Indessen hatte Emmy Gray den Trauschein aus dem Kirchenbuche von Stirlings-Bai, dessen sie sich vor der damaligen Abreise heimlich zu bemächtigen gewusst, ehe Lord Gersei seine Vernichtung vollführen konnte, und aus dem Kirchenbuche von Ste. Roche das Tauf-Attest Reginald's und den Todtenschein Fennimor's ausgebreitet. Herr von Mauville prüfte Beide und gab sie dann den anderen Richtern.
"Madame," sagte Herr von Mauville dann zur Marschallin, "die Dokumente müssen allerdings genauer geprüft werden; – doch haben sie einen glaubhaften Anstrich!"
"Wie," entgegnete die Marschallin, – "eine Ceremonie des ketzerischen Priesters dieser abtrünnigen sekte, die wir angehalten sind, nicht als Christen anzusehen, – sie sollte einen Rechtsanspruch entalten? Bei wem, glauben Sie, wird das Anerkennung finden?"
"Bei Allen, Madame," entgegnete Herr von Mauville, "die mit einer besonderen Bevorrechtung der schottischen Kirche bekannt sind, welche, aus der Zeit der Königin Maria herstammend, die Priester dieser Kirche als befähigt anerkannte, kirchliche Einsegnungen zu vollziehen; damals in der Hoffnung erlassen, die Confessionen durch Vermischung endlich der römischen Kirche wieder zu gewinnen. Sie haben dadurch einen rechtskräftigen Grund erhalten, den wenigstens der päbstliche Hof nicht verwirft."
Die Marschallin verlor einen Augenblick die Fassung. Sie blickte auf Souvré – dieser lehnte sich kalt und hochmütig gegen die Gerichtstafel. "Madame," beantwortete er den blick der Marschallin – "es scheint mir, Sie lassen sich zu sehr herab, diese verworrene Verhandlung mit Ihrer Gegenwart zu beehren. Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen den Arm gebe; Sie werden in Paris ein geeigneteres Gericht finden, was so ausgesuchte Beleidigungen abweisen und bestrafen wird. Wenigstens ich habe mit diesen Angelegenheiten Nichts mehr zu tun."
Er nahete sich der Marschallin, und diese liess sich hinwegführen, ohne sprechen zu können, ganz um ihre gewöhnliche, stolze Haltung gebracht; die Gräfin d'Aubaine folgte ihr; denn sie sah ihre arme Tochter nicht, welche auf einem Sessel hinter dem stuhl ihres ebenfalls ahnungslosen Vaters sass, und mit der Gemütsbewegung zuhörte, die sie gänzlich über ihre auffallende Handlungsweise hinweghob.
Als diese störenden Elemente sich entfernt hatten, ergriff Herr von Mauville wieder die oft unterbrochene Verhandlung. "Junger Mann," redete er Reginald an; – "der Augenblick, in dem Ihre alte Beschützerin sie zwingt, sich einer so mächtigen und vornehmen Familie als