nicht vollkommen einig, und Ersterer sah das zornige Dahinstürmen derselben mit Besorgniss und nicht, ohne sich dagegen aufzulehnen. In einer ihrer geheimen Zusammenkünfte sagte er deshalb: "Wir spielen doch ein gewagtes Spiel, diese Kreatur aus ihrem Dunkel zu ziehen! Wenn dieser Mensch durch Emmy Gray von seiner Geburt unterrichtet ist, wird er durch diese gerichtliche Procedur von uns eigentlich erst dahin gestellt, wo er auch zugleich seine Ansprüche geltend machen kann; was er nur wünschen wird. Denken Sie, Madame, welch' ein Aergerniss, wenn Sie diese auch nur bekämpfen müssten!" "Ha, mein lieber Marquis, worauf stützen sich denn solche Ansprüche? Hat mir denn nicht Lord Gersei sein Wort gegeben, dass er das zeugnis des Kirchenbuches in Stirlings-Bai vernichten liess? – Und hier – das zeugnis von der Geburt dieses Geschöpfes, was beweist es anders, als dass es ein Kind war, dem der wahre Name nicht zustand! Haben Sie mir das nicht selbst gesagt?"
"Gut, Madame; aber welche Sicherheit gibt Ihnen Ihr Herr Sohn? Wird er nicht, von diesem jungen Bösewichte gedrängt, Alles eingestehen? Und wird das Eingeständniss des Grafen nicht alle Kirchenbücher hinlänglich ersetzen?" –
"Ich werde ihm mit meinem Fluche drohen, wenn er dies wagt!" rief die Marschallin, ausser sich; – "aber ich werde ihn entfernt halten, dass das nicht möglich ist; man macht ihn krank – man verdächtigt seinen Verstand; – glauben Sie mir, ich werde Mittel finden, dies von mir abzuhalten!"
"Ich darf daran allerdings nicht zweifeln," sagte Souvré höhnisch – "da Euer Gnaden über die Mittel nicht schwierig sind, wie ich höre. Doch besser wäre es gewesen, den guten, schwachen Leonin auf seinem schloss zu lassen; wozu ihn hierher berufen, wenn seine Anwesenheit Gefahren bringt?"
"Welch' Geschwätz!" rief die Marschallin ungeduldig; – "bleibt der Gemordete nicht sein Sohn? Kann ich den Schutz der gesetz aufbieten und den Vater dabei übergehen? Ausserdem wusste ich, dass ein bedeutendes Erkranken ihn an das Bett fesselt. Ich beklage das in diesem Augenblicke nicht; – die Form ist beobachtet, und die Sache wird nicht durch ihn gestört werden."
"Sie überbieten mich immer, meine Gnädigste!" erwiderte Souvré. – "Man kann Ihnen in Ihren kühnen Combinationen nicht folgen; vorzüglich, wenn man noch immer so, wie ich, einen lächerlichen Rest von Menschlichkeit mit sich herum schleppt und so mauvais ton ist, mütterliche Weichheit in Euer Gnaden anzunehmen."
"Ich dispensire Sie von Ihren Reflexionen über mich, Herr Marquis," sagte die Marschallin mit dem Versuche, ihm zu imponiren. "Wer, wie ich, die Ehre einer Familie, die dem Trone so nahe steht, zu schützen hat, kann von Personen in anderen Verhältnissen nicht immer verstanden werden."
"Vollkommen richtig," sagte der unerschütterliche Marquis – "ich – zum Beispiel – verstehe weder diese Ehre, noch die Mittel, sie zu schützen. Doch das tut Nichts. Immer jedoch, Madame, komme ich darauf zurück, dass wir diesen jungen Menschen reizen werden, Alles zu sagen, was er irgend hervorbringen kann."
"Und ich zweifle nicht, dass dies Geschwätz eines unbekannten Menschen, der so sehr verdächtig ist durch die Anklage, die so eben über ihm schwebt, nicht aufkommen wird gegen das zeugnis einer Frau, die meine Stellung in der Welt einnimmt. Wir behalten immer Recht, wenn ein zeugnis aus diesen niederen Ständen, zu denen seine Mutter, also auch er gehört, gegen uns aufzutauchen wagt. Lehren Sie mich unsere Stellung nicht kennen!"
Diese Unterredung endete, wie jede frühere. Man trennte sich mit erhöhtem Hasse, mit dem Gefühle der Last und der notwendigen hülfe, die man an einander hatte; und Jeder behielt seine Meinung. –
Unterdessen schien es, dass das Opfer dieser Maassregeln, von Gott selbst aus der Gewalt seiner Feinde erlöst werden sollte. Ein hitziges Fieber zerstörte die Jugendblüte des unglücklichen Jünglings, der noch wenige Tage früher eine Zierde der Menschheit, ein verschwenderisch ausgestatteter Liebling des himmels schien. Ihm ward die Sorgfalt und Pflege, die in einem so edlen haus zu erwarten stand; der Graf liess ihn behüten und bewachen; ja, er selbst nahm zuweilen in dem Zimmer des Kranken Platz und hörte mit Erstaunen, den Wahnsinn des Gequälten die fern liegendsten Dinge mit der Gegenwart und mit Einbildungen über dieselbe, wie der Graf wähnte, verknüpfen, die jedoch alle teils von Liebe für den Verstorbenen, teils von Schmerz über seinen Tod erfüllt waren.
Von da wandelte der unglückliche Vater nach den stillen Gemächern Franziska's. Er fand hier täglich dieselbe rührende Erscheinung. Sie ward nicht krank; es war ihr wenigstens nicht zu beweisen, dass sie es war. Sie liess sich jeden Abend entkleiden und bestieg ihr Bett; aber nach kurzem Schlummer sass sie dann, bis der Morgen anbrach, in ihrem Bette aufrecht, ohne ein Zeichen der Teilnahme. Ihre alte Amme, die sie allein zu hören schien, öffnete dann die Fenster; und aus ihrer Hand nahm sie ein wenig leichte Nahrung. Dann schien sie alle Tage von derselben idee getrieben zu werden; sie stand hastig auf und begehrte dasselbe blaue Atlaskleid und die weissen Rosen zum Haarputze, und erwartete so angezogen, an dem niederen Balkon sitzend, ihren Vater. Sobald er eintrat