werdet, Euch durch Haus und Hof zu begleiten, um Eure vortreffliche Haushaltung kennen zu lernen – so werde ich in Eurer Gesellschaft sein, ohne Euch hinderlich zu werden."
Diese wohlgemeinte Rede verfehlte jedoch ganz ihren Zweck. Madame St. Albans war von natur misstrauisch und hatte immer Furcht, man wolle ihre Art und Weise tadeln, oder sie lächerlich machen; gegen Miss Eton hatte sie den Verdacht einer höheren Geistesrichtung gefasst, und wie ihr unbegreiflich war, wie sich damit das Interesse für Häuslichkeit und wirtschaftliche Tätigkeit vereinigen könne, so schien ihr die Rede des Fräuleins reine Verstellung, hochmütige Herablassung oder Spott sogar.
Sie lachte daher ziemlich höhnisch auf und sagte dann, wie sie hoffte, ihre Meinung verständlich machend: "Behüte mich Gott, dass ich ein so zartes, hochgebildetes fräulein so beleidigen sollte, sie mit Wirtschaftssachen zu belästigen! Nein, mein gutes Kind, so viel Bildung haben wir gerade auch noch, um zu wissen, wie solche feine Dämchen behandelt werden müssen. Ihr gehört mit Euren zarten Händchen und feinem Gesichtchen in die stube; ich aber habe in meinem Berufe weder Gesicht, noch hände schonen können, sie sind jetzt nichts Anderes mehr wert, als weiter fort zu schaffen, was sie nicht ohne Erfolg, wie ich hoffe, bis jetzt geleistet haben."
"Wollt Ihr mich denn glauben machen," erwiderte freundlich nahend Elmerice, diese Antwort verschmerzend, "dass Bildung so heilige Interessen, als das Wohl des Hauses für eine Frau sein muss, ausschliesse? Ich dachte gerade, Bildung lehre uns erst recht, den Wert und den Genuss solcher Pflichten verstehen, und dies muss auch gewiss Eure Meinung sein."
"Was so eine gewöhnliche Frau denkt, wie ich, Miss Eton, darauf kommt wenig an, ich habe nur so meinen schlichten Menschenverstand, mein Bischen gesunde Vernunft, von hoher Bildung aber weiss ich nichts – das müsst Ihr verzeihen, wenn ich Euch damit nicht dienen kann." –
Während dessen waren die Stühle alle mit festgebundenen Polstern versehen, und jetzt flogen sie auf einen Wink der selbst angreifenden Hausfrau aus einander, und mit hülfe der pfeilschnellen, kräftigen Marylone breitete sich ein schöner kleiner Teppich darunter aus, welches Alles dem gast zu Ehren geschah, und allerdings das Plätzchen um Vieles wohnlicher und ansprechender machte.
Als dies zur Zufriedenheit der Madame St. Albans beendigt war, ordnete sie nun mit Marylone das Dekken des Tisches selbst an, indem sie fast immer in dem Augenblicke, als das geschickte und flinke Mädchen die Geschirre auf ihren bestimmten Platz stellen wollte, ihr dieselben aus der Hand riss und mit den Worten: "Sieh' Dich doch vor, hierher kommt das!" es selbst an seinen Platz setzte. Zwischen dieser Tätigkeit war sie noch von einer andern Unruhe, über das lange Ausbleiben ihres Mannes, geplagt. Alle fünf Minuten eilte sie nach der Haustüre, riss sie auf und kehrte getäuscht mit den Worten zurück: "Unbegreiflich, wie Herr St. Albans sich heute so verspätet." Dies Ausbleiben nahm endlich alle ihre Gedanken ein, der Tisch war gedeckt, Marylone entfernt, und ihr blieb nichts übrig, als sich in ruhiger Erwartung, ihrem gast gegenüber, an den gedeckten Tisch zu setzen; aber dadurch steigerte sich ihre Unruhe um dies Ausbleiben bis zur übeln Laune und gelegentlichen Ausbrüchen von Heftigkeit, die Elmerice nicht zu nähren wünschte, und die sie endlich verstummen liessen.
Da schlugen alle Hunde zugleich bellend im hof an, und augenblicklich sprang Madame St. Albans von ihrem Sitze auf und lief nach der Tür, sie in dem Momente öffnend, als ihr Gemahl ihr darin entgegen trat. Beide begrüssten sich mit ungemeiner Herzlichkeit, die aber dies Mal von Seiten der lebhaften Frau unterbrochen ward, indem sie ihn vorführte, ihn vor Elmerice hinstellte und mit vollkommen wiedergekehrter guter Laune ihn fragte: ob er ahne, wer dies sei?
Herr St. Albans richtete seine freundlichen Augen auf die Vorgestellte, und verneigte sich dann mit auffallend gutem Anstande: "Ich zweifle nicht, unser sehnlicher Wunsch ist in Erfüllung gegangen und wir geniessen das Glück, Miss Eton unsern Gast zu nennen."
"Erraten!" rief die kleine Frau, lebhaft in die hände schlagend – "meiner Margarit einzige, liebe Tochter!"
"Glaubt, Miss Eton," sprach St. Albans, "meine gute Frau weiss Euch keinen höhern und liebern Rang beizulegen, als den eben genannten. Erlaubt mir auch meinerseits das herzlichste Willkommen."
"Da hast Du recht, mein lieber Mann," sagte Madame St. Albans, "Alles, was sich auf meine Margarit bezieht, ist mir heilig."
Tief gerührt dankte Miss Eton beiden Eheleuten, und konnte nicht ohne einiges Erstaunen die ungemein vorteilhafte Persönlichkeit des Hausherrn betrachten. Seine Frau überschüttete ihn mit fragen und Aufmerksamkeiten jeder Art, und er hatte eine immer freundlich anerkennende Höflichkeit für ihre sich selbst genugtuende Dienstlichkeit, und doch behielt er eine Ruhe und Aufmerksamkeit für seine Umgebungen, die von wahrer Herzensgüte und einer höheren Geistesrichtung zeigte.
In seiner Gegenwart fühlte Elmerice zuerst sich etwas aus dem gespannten Zustande erlöst, den sie beim Alleinsein mit Madame St. Albans empfunden hatte; sie durfte wagen, sich ihrer eigenen Stimmung hinzugeben, denn in der Gegenwart ihres Mannes blieb jeder Andere für diese zärtliche Frau ziemlich unbeachtet, und sie hing nur an seinem mund, um sich für ihre eigenen Gedanken Auskunft zu verschaffen. Auch hierbei blieb sie