! Er schaute nach ihm hin – er f e h l t e . Jetzt schien das Maass gefüllt. Er sprang mit Riesenkräften, die er nötig hatte, auf – er stand vor dem mann im roten Mantel mit Souvré's Zügen. "Bleib'!" rief dieser – und lähmte so die Kraft des Jünglings. "Die Zeit der Rache ist gekommen, erloschen in diesem Augenblicke das Geschlecht der Crecy-Chabanne; – denn so Du lebst, blüht es in Dir nicht weiter. – Ich bin Spinola! Der von Deinem Ahnherrn Teophim beraubte und ermordete Spinola; – und ich lebe fort in Souvré, dessen Mutter eine Spinola und meine Enkelin war! Hier hast Du den letzten Grafen Crecy-Chabanne!" – Er schlug den Mantel zurück – im arme trug er Ludwig's bleiches, blutiges Haupt!
Ein Schrei der Wut rang sich aus Reginald's Brust; – er fühlte mit Entzücken das Pistol in seiner Hand – er hob es auf – der Schuss fiel. – In demselben Augenblicke zerstob Alles um ihn her; – tiefe Dunkelheit umgab ihn – er fühlte, er war erwacht. – Traum war das entsetzliche Erlebniss! –
Keuchend hob sich noch die Brust, der Angstschweiss floss von seiner Stirn, die Besinnung schien ihm noch zu mangeln; noch glaubte er leises Gewimmer – Todesröcheln zu vernehmen, sein Körper schien ihm steif und gelähmt – doch meinte er, der Schuss sei gefallen; denn er erwachte, wie seine Hand mit dem Pistole noch in der Luft schwebte.
Jetzt hörte er eine tür sich öffnen – er hörte Schritte – Lichtschein drang ein – mehrere Personen standen vor ihm – der Schein der Kerzen traf ihr Gesicht. – Es war der Marquis de Souvré, bleich, entstellt durch Sturm und Regen – von vielen Dienern gefolgt. "Ha," rief Reginald – "Du bist der Rachegeist des Spinola!" – Souvré sprang entsetzt zurück; – Reginald glich einem Wahnsinnigen. "Fort!" schrie Reginald, wild den Marquis bedrohend – "Du hinderst mich nicht mehr, mein Werk ist getan, die ewige Gerechtigkeit wird siegen, mein B r u d e r ist Ludwig!" – Alles fuhr zurück – er stürzte vor nach Ludwig's stuhl – jeder blick folgte ihm. –
"Ungeheuer," schrie Souvré – "was hast Du getan? Mörder! Mörder!"
Das Licht beleuchtete so eben scharf, ohne Täuschung Ludwig's erbleichtes, im Todeskampfe zukkendes Gesicht. Der Schuss hatte ihn getroffen. Aus der tiefen Wunde seiner Brust floss das Blut in vollen Strömen dahin; – röchelnd hob sich der nur selten noch wiederkehrende Atem – es war vorbei – der letzte Augenblick hing über ihm!
Starr blickte Reginald – versteinert in dies geliebte Antlitz. Er hatte eben so Entsetzliches erfahren – es war gewichen; zum zweiten Male sagte ihm eine stimme: kannst Du träumen – es wird nicht sein! Umsonst, die Wahrheit trägt eine andere Farbe – sie überzeugt uns schnell!
"Bösewicht," schrie Souvré – "bekenne – gleich hier bekenne – Du bist sein Mörder!"
"Ich bin's!" rief Reginald mit schrecklichen, erschütternden Lauten. – "Ich bin Dein Mörder, Ludwig! Mein Bruder – Ludwig – höre mich! stirb nicht! erwache! sieh' mich an! – Mein Bruder, ich habe Dich gemordet!"
Es war, als ob der Sterbende auffuhr – Reginald war über ihn gestürzt – sein Blut überströmte ihn – Ludwig rang mit dem letzten Seufzer – seine Leiche sank über ihm zusammen. –
Souvré riss Reginald schnaubend vor Wut in die Höhe. Dieser hatte das Bewusstsein verloren; er schleuderte ihn zu Boden, er wagte es, ihn mit seinen Füssen fortzustossen. Sein Hass, seine Wut brach aus allen Schranken hervor. "Bindet ihn – weckt das Dorf – ruft den Richter herbei!" rief er wie rasend. Seine natur trieb ihn an, früher an Reginald's Bestrafung, wie an Ludwig's mögliche Rettung zu denken.
Doch die Diener der beiden jungen Leute, innig von der entsetzlichen Begebenheit ergriffen, versahen das Werk der Menschlichkeit. Der Kammerdiener Ludwig's riss ihm die Kleider auf, er wusch das Blut von der Wunde; doch ein blick reichte bin, von jedem Rettungsversuche abzustehen. – Mit der grössten Sorgfalt hätte der beste Schütze sein Ziel nicht sicherer treffen können, als Reginald's im Schlaf abgeschossenes Pistol, das mitten durch das Herz traf!
Als die treuen Diener diese traurige überzeugung erlangt hatten, legten sie die heiss beweinte Leiche ihres jungen Herrn auf die grosse Tafel des Banketsaales und beschäftigten sich nun mit Reginald, der noch immer leblos auf dem Boden lag; denn Niemand teilte die Meinung des Marquis – Niemand hielt den jungen, verehrten Herrn des Mordes fähig!
Souvré war indessen zu den gewaltsamen Mitteln geschritten, die seinem Grolle zusagten. Er liess von seinen Leuten die tür bewachen und Andere schickte er nach dem Flecken, die Gerichtspersonen zu holen. Was indessen in ihm vorgehen mochte, als er den alten Saal, den Schauplatz so vieler Schrecken, auf und nieder wandelte, werden wir begreifen, wenn wir denken, dass er, sobald die Abreise der jungen Leute der Marschallin bekannt ward, dieser das erlauschte Gespräch seines Kammerdieners mitteilte, woraus hervorging, dass Beide den Weg nach Ste. Roche genommen hatten, von welchem Orte Reginald, wie