und Gitter sind auf, ohne Wächter, ohne Schloss und Riegel. Was Wunder, dass sich einnistet, wer finster Werk treibt; denn die alte böse Hexe, die sich dort abgesperrt, die wird es nicht hindern!"
Dessen ungeachtet machte diese Rede nur bei der Dienerschaft Eindruck; die jungen Männer befahlen, dass man den Mundvorrat, nach dem sie anfingen, einiges Verlangen zu tragen, ihr nötiges Gepäck und die Windlichter nachbringen möchte, der Wagen langsam den Eingang suchen sollte, und eilten Arm in Arm dem schloss zu. Jetzt standen sie an einer terrassenartig ansteigenden Befestigung, die, durch Gräben getrennt, mit kaum wahrzunehmenden Brücken überbaut waren, hinter welchen sich die dunkle Masse des Schlosses zeigte, die gegen den Nachtimmel, der, mit zerrissenen Wolken bedeckt, die, vom Sturm gejagt, einen schauerlichen Wechsel trieben, wahrhaft drohend und gebietend abstach.
Beide blieben stehen, lebhafter von seinem Anblick ergriffen, als sie erwartet hatten. "Weiss Gott," rief Reginald – "man möchte zu den bösen Dingen Glauben fassen, die über dies alte Schloss in dem mund der Nachbaren sind; es sieht aus, als riefe es Jedem eine Warnung vor seinem Bereiche zu!"
"Ja," sprach Ludwig bewegt – "wie das riesige Grabmal eines ganzen Geschlechtes sieht es aus! Die Valois erbauten es, wie Du mir sagtest; – sie hätten mit allen ihren Sünden darunter Raum!"
Sie schritten vor und erreichten trotz des wütenden Sturmes, der sich wie Menschenhände ihnen entgegen drängte und sie zurück zu schleudern schien, die Eingangsbrücken. "Dieser Nacht werde ich gedenken bis an mein Ende!" rief Reginald und ergriff das Gitter, was den düstern Hof mit Teophims Grabmal umschloss. Er zog Ludwig nach sich, der, matt und erschöpft, ihm kaum folgen konnte; und Beide traten nun durch das offene Gitter in den Schlosshof, der ihnen wenigstens einigen Schutz verlieh, obwol das Geheul des Sturmes sich nur noch schauerlicher gegen alle die Ecken und Giebel brach, die, mit eisernen Gittern und Wetterfähnchen besteckt, ein wunderliches Konzert bildeten.
"Lass uns Quartier machen, wo wir zukommen!" sprach Reginald. – "So spät, so über Mitternacht hinaus, erwartet uns die alte Freundin nicht mehr; wir wollen sie nicht beunruhigen und werden doch Dach und Fach finden für die wenigen Stunden."
"Ja," erwiderte Ludwig – "lass uns Schutz suchen ohne Zeitverlust, ich fühle mich erschöpft; – vielleicht bestätigt sich das Gerücht, dass die Türen aufblieben." –
Beide überschritten nunmehr den Hof, und ihre Erwartung erfüllte sich. Sie traten ohne Hinderniss in die weitläufige Halle des unteren Geschosses; und nachdem die Diener Windlichter angezündet hatten, sahen sie, wie von hier aus schwere, eichene Treppen, mit grossem Aufwande von Raum, in die oberen Gemächer führten.
"Hier ist nicht Bleibens, trotz der alten Kamine, die vielleicht unseren Leuten nützlich werden," sprach Ludwig; – "es ist hier kalt und feucht; wir wollen höher steigen, wir finden oben wohl bessere Räume."
Die Diener leuchteten, und man erreichte den oberen Treppensaal, der, mit dunkelm Marmor getäfelt, an eben solchen Wänden mit Portraitstatuen umstellt war und rechts und links grosse Eingangstüren zeigte, die, von Eichenholz, schwerfällig und überladen verziert, in Einfassungen von schwarzem Marmor liefen.
"Das sind finstere Eingänge," rief Ludwig – "wie die Pforten zu einer Gruft!"
Reginald schauderte. "Lass uns lieber den teil des Schlosses suchen, wo Emmy wohnt!" rief er lebhaft. "Zu Entdeckungen in diesen düstern Räumen sind wir nicht hergekommen."
"Nein," rief Ludwig – "das Bedürfniss nach Ruhe beherrscht mich ausschliessend! Lass uns eintreten – rechts oder links – ich strecke mich sogleich nieder, wäre es auch auf den Stufen eines Grabmals. – Leuchtet, wir treten hier ein!"
Die Diener gingen zögernd voran, Ludwig schob sie weg; er selbst drückte das kunstreich umschnörkelte Schloss; es gab nach, und sie traten in ein schmales, hohes, gewölbtes Zimmer, welches, mit breitem Kamin und herumlaufenden Bänken, einem grossen steinernen Becken in der Wand und daneben befestigtem Schenktisch, als ein Vorzimmer zum Ess- oder Banket-Saal, zu erkennen war.
"Das zweite Zimmer wird besser sein!" rief Ludwig, jetzt tätiger werdend, als Reginald, der mit unbeschreiblicher Gemütsbewegung und höchst widerwillig nur dem Grafen folgte. "Halt," sagte er, die angelehnte Tür aufstossend – "das ist ein Prunkgemach – und offenbar noch königlichen Ursprunges. Sieh den Tronhimmel mit der Krone und den kostbaren Purpurbehängen!"
Die Lichter erhellten nur sparsam den grossen Prachtsaal früherer zeiten; denn dem damaligen Geschmacke gemäss, war überall düsteres Material, wie schwarzer Marmor, Ebenholz, eichenes Getäfel und von der Zeit leicht geschwärzte Vergoldungen zu abenteuerlichen und gigantischen Verzierungen verbraucht. Doch waren hier bequeme Stühle, Kamine, die vielleicht die Feuerung vertrugen, und was sie mit näherem Forschen erspähen konnten, machte diesen Raum für furchtlose Gemüter zu einem tadellosen Ruhepunkte weniger Stunden. Ludwig schob sogleich einen der grossen, damastenen Lehnstühle gegen einen Kamin, und indem er befahl, von einigen zusammengestürzten, auf dem Heerde aufgehäuften Möbeltrümmern Feuer zu machen, verriet seine abgebrochene Rede, seine todtenähnliche Farbe, wie gross seine physische Erschöpfung sei. Obwol dies für Reginald, wie für ihre Diener nichts Ungewöhnliches war,