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betrisst mich nicht besonders! Es entält Dein, wie mein uns bis jetzt vorentaltenes Schicksal! – Doch lass' miches presst mir das Herz ab. – Nur das Eine höre noch: ich mache Dir Bedingungendie eine ist, dass wir Beide über Ste. Roche nach Paris gehen, daher noch in der Nacht abreisenund dass wir über diesen Umweg das tiefste Schweigen beobachten; denn erfährt die Marschallin oder Souvré unsere Absicht, würden wir auf jeden Fall daran gehindert werden."

"Das ist seltsam Reginald!" rief Ludwig – "und nur ungern gehe ich darauf ein, da jede Heimlichkeit mir schwer wird." –

"Auch mir, teurer Ludwig! Und doch habe ich es mir gelobt, Dich dahin zu bringen. Denke also, wie mich die Umstände bewältigen müssen, und löse mein mir selbst gegebenes Wort!"

"Das will iches sei beschlossen, und weiter keine Rede davon!" rief Ludwig; – "und da Du mir für den Augenblick so wenig zu sagen vermagst, so höre denn, was mich verlangt, Dir auszusprechen. IchReginald, bin glücklich! Seit heute Morgen ist mir Franziska verlobt, und Nichts hat meinem Glücke gefehlt, als DuDeine Abwesenheit war mir fast unerträglich!"

Heftig fuhr Reginald an Ludwig's Seite zusammener blieb stehener blickte zu ihm auf. Der Weg, auf dem sie jetzt wandelten, war wieder dunkeler sah den Glücklichen nur undeutlich, der ahnungslos den Liebling tödtlich getroffen. "Franziska, Franziska Dir verlobt?" rief er gebrochen. "Es ist nicht möglich! Noch gesternnein, Ludwignein, Du neckst miches ist nicht möglichnein! Franziska kann Dir nicht verlobt seinsage nein! Sage die Wahrheitder Scherz ist zu grausam!"

"Was ist das?" rief Ludwig ahnend und tief erschrocken. – "Reginald fasse Dich! Sprich offen, deutlich zu mirGott, welche Ahnung! Warum erfüllt Dich mit Schreck und Schmerz, worin ich nur Veranlassung zur Freude für Dich wähnte?"

"Sage mir," sprach Reginald – "verlobt bist Du? S i e hat sich Dir verlobt – s i e hat Dir ihre Liebe gestanden? – Antworte, Ludwig, oder ich verliere den Verstand!"

"Nein, Reginald, nicht siesie hat sich mir weder verlobt, noch mir ihre Liebe gestandenund jetzt fühle ich erst, was das sagen willjetzt erst erkenne ich, wie mich die eigenen Wünsche verblendet haben; da ich die von den Eltern vollzogene Verlobung für die Erfüllung meiner Wünsche hielt! O Reginald, was haben wir getan, so innig uns geliebt und doch das Wichtigste uns verschwiegen! O, sage mirsage, was ich ahneDu besitzest mehr, als ich, in dieser Verlobung?"

"Ludwig," rief Reginald, an seine Brust stürzend, "ich besass ihr Herz; – schon vor zwei Jahren gelobten wir uns Treueschweigen musste ich auch gegen Dich; denn sie verlangte es so!"

"Aber jetzt, jetzt," stammelte Ludwig – "sprachst Du sie nach Deiner Rückkehr?" –

"Noch gestern gestand sie mir ihr unverändertes Herz!" –

Ludwig wendete sich von ihm, und heisse Tränen stürzten aus seinen Augen. "Ich verstehe Alles," sagte er gebrochen – "ihr todtenbleiches Angesichtihre leblose ErgebungGott, warum erkannte ich es nicht früher!"

Es entstand eine schmerzliche Pausedann erhob sich Ludwig zuerst, und den Liebling suchend, sank er an seine Brust.

"Ludwig," sagte Reginald – "wir können jetzt keinen Entschluss fassen, als den einen, uns nicht fremd zu werden und gemeinschaftlich, treu und redlich mit jedem Opfer das teure Wesen zu schützen! Wie es kommen mag, ich weiss es nicht! Aber wenn sie ihren Eltern gehorsam sein muss, so rechne auf mich, ich werde dann a l l e i n zu leiden suchen; – können wir ihr Herz retten, so verbinde Dich mit mir zu g l e i c h e r Verzichtleistung!"

"So sei es!" rief Ludwig, erhoben und getröstet durch einen edlen Entschluss, der ihn nicht von dem Freunde trennte, sondern nur noch inniger mit ihm verband. Beide hielten hier inne; denn ein Geräusch, wie das eines Davoneilenden, liess sie fürchten, belauscht worden zu sein. Ihrem Anrufe erfolgte jedoch keine Erwiederung, und sie waren zu lebhaft durch sich selbst beschäftigt, um lange bei dieser Störung verweilen zu können.

Sie kamen erst spät nach dem schloss von Ardoise zurück; nur der Graf d'Aubaine war noch im Gesellschaftssaale; er empfing Beide etwas trocken und schien einige Worte der Entschuldigung von Reginald kaum zu beachten.

Ludwig fühlte augenblicklich die Kränkung für den Freund und gewann dadurch mehr Sicherheit, dem Grafen ihre schnelle Abreise anzukündigen und ihm die Empfehlungen an die Damen zu übertragen. Es schien den Grafen d'Aubaine sichtlich zu beleidigen; und nachdem er einige Versuche gemacht, diesen Eindruck hervorzuheben, widersprach er ihrem Vorsatze nicht und nahm augenblicklich Abschied.

So trennte man sich in sehr seltsamer Stimmung, und die des lebhaftesten Erstaunens, von Seiten des Grafen d'Aubaine, war in mehr als einer Hinsicht gerechtfertigt; denn die jungen Leute ahnten in ihrer