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mit allen Kräften seiner Seele innig zu lieben, bestätigt. Seit diesem Morgen ihrer Gegenliebe gewiss, trug er in seinem hochschwellenden Busen das höchste Glück, bedroht von dem Schmerze der nahen Trennung! – Es war kein Augenblick, sein Interesse in Anspruch zu nehmen für eine trübe, Argwohn erweckende Richtung. Viel näher lag es ihm, dem Grafen d'Aubaine in die arme zu eilen und um seine Tochter öffentlich zu werben; aber seine Jugend machte ihn schüchtern; er hielt sich des Glückkes nicht wert, das er begehrteer wollte durch Reisen entwickelter werden und dann seine Stellung zu erheben suchen für den Anspruch, den sein Herz machte. Auch war dies die Bitte der von ihren Gefühlen überraschten, kindlichen Franziska; und sie entschied über ein Schweigen, so heilig und süss, wie die Andacht ihrer unschuldigen Herzen!

So verliessen die jungen Leute, in Gesellschaft Lord Duncan's, Ardoise, das sie erst nach zwei Jahren wiedersehen sollten; und wir müssen es gestehen, alle drei das Bild der schönen Franziska d'Aubaine im Herzen tragend.

Der Marquis de Souvré aber eilte nach Paris zurück.

"Madame," sagte er zur Marschallin von Crecy, "Ihr Enkel hat mir seine Liebe zur jungen Gräfin d'Aubaine gestanden und ist entzückt über die Pläne seiner Grossmutter."

Er hielt inne und liess sie erst den Triumph verraten, den das Gelingen ihres Planes ihr machtedann fuhr er fort: "Doch, wie überall, steht auch hier der Chevalier de Ste. Roche im Wegeentschieden war der Vorzug, den die junge Dame dem sterblich in sie verliebten jungen mann gab, und der Zufall machte mich zum Zeugen ihrer gegenseitigen Liebeserklärung."

Mit verbindlichem Lächeln beobachtete er das aschfarbene Erbleichen der Marschallin, welches plötzlich, durch die Schminke durch, sich in glühende Röte verwandelte.

"Und SieSie liessen das zu?" stotterte sie endlich.

"Ich kannte Ihre Absichten nichtich fürchtete voreilig zu sein!" erwiderte Souvré lächelnd.

Die Marschallin verstand vollkommen seine Absicht und war schnell gefasst. "Sie hatten Recht, Marquis," sagte sie ruhig, "ich werde Alles selbst ordnen und darf um so weniger an dem Gelingen zweifeln, da es nicht die erste Angelegenheit ist, die ich nach meinem Willen lenkte."

"Ohne Zweifel werden Euer Gnaden es ganz in Ihrer Willkür haben," erwiderte Souvré verbindlich, "wenn man an das glänzende Beispiel denkt, welches das Schicksal Ihres Herrn Sohnes darüber zum Belege führt."

Ein glühender blick bitteren Hasses fuhr aus den Augen der Marschallin. Aber sie durfte Souvré nicht verstehen, um nicht noch mehr in Nachteil zu kommen; und wünschte auch zu lebhaft, von den Vorfällen in Ardoise unterrichtet zu werden, um ihren böswilligen Vertrauten nicht schonen zu wollen.

Sie erfuhr nun den glänzenden Eindruck, den Reginald in Ardoise hervorgebracht, ohne alle Schonung und Milderung, und eben so auch die Anwesenheit der beiden jungen Engländerinnen, die, in einem gefährlichen Zusammenbange mit der Bewohnerin von Ste. Roche stehend, ihr eine nicht ungegründete Besorgniss einflössten; doch, bevor noch der Marquis seine Erzählung geendet, hatte die Marschallin ihren Plan entworfen, dessen Resultat uns nicht erspart bleiben wird.

***

Ein Jahr nach der Abreise ihres Sohnes blieb über den Zustand der Gräfin Crecy kein Zweifel mehr, und das Frühjahr des zweiten Jahres senkte die ausgezeichnete und edle Frau in ihr frühes Grab. Ihre älteren waren ihr Beide vorangegangen, und sie hatte in der Marschallin nie einen andern Anspruch anerkannt, als den der äusseren Sitte. Ihr Gemahl betrauerte sie mit der ganzen düsteren Melancholie eines Gemütes, das sich kaum das Recht zugesteht, was den Schmerz selbst zu einem süssen Eigentume machen kann. Fenelon hatte ihre letzten Stunden beseligt und den Atemzug gehört, der sie vom Leben trennte; er hatte keine Träne für die Verklärtebegeistert schaute er ihr nach! Eine süsse Befriedigung lag in dem Glauben, dass sie ihn jetzt ganz erkennen werdeund er schmückte seine Seele mit Frieden und Seligkeit, um würdig zu sein, wenn sie sich zu ihm nieder neige.

Der Schmerz der Abwesenden war grossund mit der ganzen Energie der Jugend hielten sie ihn fest, und übertrugen ihn lange auf alle ihre Zustände.

Der Graf Crecy zog sich in die tiefste Einsamkeit zurück; er ward immer düsterer, menschenscheuer und argwöhnischer; aber die Marschallin fing nach dem tod seiner Gemahlin wieder an, in ihrem Einflusse zu steigen, und da sie kluger Weise sein Bedürfniss nach Ruhe nicht störte, überliess er ihr die Handhabung der Verhältnisse, die darüber hinausreichten; und so gewann sie das Feld, was sie nötig hatte.

Mit kluger Umsicht bestimmte sie die Familie d'Aubaine, den Winter am hof zu leben; sie hoffte dadurch sowohl Franziska, als ihren älteren die Weihe für ihre Pläne zu geben und sie den wahren Standpunkt, auf den sie ihr Rang und ihre Ansprüche beriefen, erkennen zu lassen; da sie fürchtete, dass ihr ländlicher Aufentalt sie etwas den Ansichten entzogen haben könnte, die zu behaupten, ihr die erste Pflicht einer solchen Familie schien. Ausserdem musste dies notwendig eine Folge haben, die sie sehnlichst wünschteentweder die beiden englischen Mädchen, deren Rang ihnen keinen Anspruch an die Hofverbindungen der Familie gab, ganz von ihnen trennen und sie nach ihrem vaterland zurückführen, oder, im Falle sie dieselben bei sich behielten, doch eine Trennung von ihren Verbindungen in