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dem Collège von St. Sulpice, der, obwol bedeutend älter, als beide Jünglinge, doch mit dieser Reise eine Zugabe seiner für vollendet erklärten Erziehung zu machen wünschte und in dieser Zeit der zärtlichste Freund Reginald's ward. – Der Tod seines Vaters, der ihn zum Lord Duncan-Leitmorin gemacht, forderte seine Rückkehr nach England, wohin ihn die Freunde, mit Einwilligung des Grafen und der Gräfin Crecy, zu begleiten versprochen hatten.

Mit musterhafter Standhaftigkeit ertrug die Gräfin Crecy den Abschied von ihren beiden Lieblingen; denn ihre schnell herabgekommene Gesundheit gab ihr eine schmerzliche Ahnung, dass diese Trennung für immer sein würde. Aber wie sie ihren Sohn aus ihren Armen liess, legte sie Reginald's Hand in die seinige, und indem sie Beide segnete, sagte sie: "Reginald, Sie werden meinem Sohne ein treuer, liebevoller Freund seinich vertraue Ihnen mit vollster Zuversicht die zartere natur meines teuern Sohnes."

Mit welchen Gefühlen kniete Reginald da vor der Frau nieder, die er am meisten liebte, und sah sie mit glühendem Antlitze anwollte ihr antwortenund hatte Nichts, als feurige Tränen, die er ihr nicht verbarg! Sie verstand ihn, bog sich nieder und küsste mütterlich seine Stirn.

Beide traten ihre verhängnissvolle Reise an. Wir finden die jungen Leute erst in Ardoise wieder, wo sie in dem Kreise junger liebenswürdiger gefährten den vollen Reiz der Jugend kennen lernten. Die Marquise d'Anville und ihr Gemahl, der Graf und die Gräfin d'Aubaine waren so vom Glücke begünstigt, so heiter und sorglos, dass sie noch jünger erschienen, als ihre Jahre angaben; und begünstigt von der Freiheit eines ländlichen Aufentaltes, teilten sie das fröhliche Leben ihrer Kinder und erhöhten dadurch ihre Freude. Der junge Graf d'Aubaine hatte sein zwanzigstes Jahr vollendet, die Gräfin Franziska trat ihren sechzehnten Sommer an, und eine vierzehnjährige Schwester war das Schoosskind Aller, der Armand und Leonce, die kleinen Knaben der Marquise d'Anville, sich anschlossen. Ausserdem zogen liebe Gäste aus und ein. Der junge Lord Duncan ward von Allen zur Familie gerechnet, und er fühlte sich hier um so weniger fremd, als er zwei liebenswürdige Landsmänninnen fand. Gegen den Vater der einen, einer Miss Lester, der jüngeren Tochter eines Geistlichen, hatte Graf d'Aubaine eine Verpflichtung der Dankbarkeit; da der würdige Mann ihm bei seinen Reisen durch England in einer gefährlichen Krankheit durch treue Pflege das Leben gerettet hatte. Sie blieben von da an in immerwährendem Briefwechsel, und der würdige Herr Lester entschloss sich endlich, den Wunsch des Grafen d'Aubaine zu erfüllen und seine geliebte Margarit, die mit Franziska in einem Alter war, auf einige Zeit nach Frankreich zu schicken. Dies geschah in Begleitung einer Miss Ellen Gray, die als Pflegekind mit Margarit erzogen ward, und, bedeutend älter, ihr eine Art Schutz werden sollte.

Nur zu schnell verflossen hier ein Paar der glücklichsten Monate, und fast Alle fühlten sich überrascht, als der Moment da war, der die lange festgesetzte Trennung forderte.

Aber man trennte sich nicht, wie man sich zusammen gefunden hatte. Das los war geworfen. In dem heiteren Reigen der Jugend, in dem scherzenden Vertändeln der Stunden, in einer Lebenszeit, die den Ernst und die Wichtigkeit desselben in den Hintergrund drängt, hatte doch Jeder unbewusst das los empfangen, was über seine Zukunft entschied; und erst, als die Stunde der Trennung schlug, erkannten die Beteiligten, was sie erlebt!

Auch hier hatte Reginald den ersten Platz eingenommen. Wie mit Zauber lenkte er die Gemüter! Nicht allein die Jugend hing ihm in Allem vertrauend an, selbst die älteren teilten dies Gefühl. Jauchzend, voll Jugendlust flog Reginald, jeder Anforderung genügend, von einem platz zum anderen. Jede körperliche Geschicklichkeit, nicht für ihn allein, für alle Anderen ausreichend, führte ihn in das Interesse eines jeden Anwesenden. Seine Schönheit schien hier noch eine neue Entwicklung zu erfahren; es trat jenes bezaubernde, glühende Feuer hervor, welches das erste Stadium der Jugend überschritten anzeigt, und jeden blick, jede Bewegung zu einer kühnen Herausforderung an das Leben macht, gegen dessen geheimnissvollen Inhalt eine zürnende Begierde hervortritt, die sich des Streites mit ihm zu erfreuen denkt; und ohne dass er es wusste, jagte sich der kindlichste Witz mit der glänzendsten Fülle der Gedanken und Gefühle über seine Lippen. – Fenelon's Schüler hatte Unterricht erhalten, der seine Geistesfähigkeit frei entwikkelt hatteund ihr Zweck und Ordnung gegeben, die ihm schon jetzt ein Resumé von Bildung gab, das der Jugend oft so schwer wird, aus wüst eingehandelten Kenntnissen zu gewinnen, die nur zu oft ein ganzes Leben hindurch einen beschwerten Zustand zurücklassen, der sich vergeblich auf das mühsam gesammelte Material stützt, das doch nicht Bildung werden will. Hiervon war Nichts in Reginald; von der toten Masse der Eingangsform schon erlöst, hauchte das Wissen sein geistiges Fluidum in ihm aus und belebte und erzeugte das Gegebene zu eigener Gestaltung; der Nachweis fand sich in seinen entwickelten Gedanken, nicht in Jahreszahlen und Namensregister.

Louise und ihr Gemahl ahnten sein besonderes verhältnis zu ihrer Familie; die merkwürdige Dotation von Ste. Roche mussten sie notwendig darauf führen. Alle Uebrigen kannten diesen Umstand nicht; und die Besitzung Ste. Roche, die fast nie als Crecy'sches Eigentum genannt ward, schien selbst dem Grafen d'Aubaine unbekannt, in dessen Nähe sie lag; es wurde ihm daher