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lernen.

Doch konnte sie kaum ein Lächeln unterdrücken, als sie gewahrte, wie die Gegend fast immer schmuckund geschmackloser in ihren Anlagen ward, je näher sie dem Wohnorte der Madame St. Albans kam. Ueberall war der Nutzen erstrebt und erreichtaber keine Anlage, die neben dieser irgend eine andere Absicht erraten liess.

Noch hoffte sie, die Abtei Tabor, die sich noch immer nicht zeigte, werde irgend eine schönere Ansicht gewähren, und Gartenanlagen sich damit verbinden, aber bald hörte sie auf ihre Anfrage, dass die Abtei mehrere Meilen von dem Wohnsitze des Herrn St. Albans entfernt wäre, und dieser nur ein Vorwerk gleichen Namens bewohne, welches mehr in dem Mittelpunkte der Länderein, die er von der Abtei in Pacht hatte, und daher seinen ökonomischen Zwecken passender läge.

Endlich verkündete eine Reihe steinerner Häuser, welche regellos neben einander gelagert waren, die wohnung des Herrn St. Albans, und bald zeigte der grössere Verkehr von Arbeitern und Wagen, dass man sich dem Mittelpunkte einer grösseren Betriebsamkeit nahe. Es war noch ziemlich früh am Abend, und alle Vorübereilenden schienen mit dem Tageslichte zu geizen und, ganz in ihre Geschäfte vertieft, nur des bequemen, festen Weges sich bewusst zu sein, der, immer vortrefflicher werdend, den leichtesten Verkehr sicherte. Von diesem regen Leben umgeben, fuhr man endlich an einer langen Mauer entlang und bog dann durch ein offenes Tor in den Hof.

Er war in einer grossen Ausdehnung von sämmtlichen Scheunen, Ställen und Wirtschaftsgebänden des Amtes umgeben, und das Wohnhaus unterschied sich nur wenig an Höhe und Aussenseite, und ward nur als solches durch eine steil nach der Eingangstür hinauf führende Treppe und zwei Reihen niedriger Fenster bezeichnet.

Auf diesem grossen hof zeigte sich kein Baum, kein Rasen, kein Zeichen der Vegetation. Ein Bassin, roh ummauert, diente dem Nutzen der Ställe, was seine trübe, mit Stroh und Heu bedeckte Oberfläche deutlich verriet.

Niemand eilte der Miss Eton zum Willkommen entgegen, obwohl die Tür des Hauses von herauseilenden Mädchen und Knechten oft geöffnet ward. – Monsieur Lorint, der Kammerdiener, über die ihm ziemlich fremde Art dieser Hauseinrichtung nicht wenig erstaunt, nahte sich nun der Wagentür und fragte, ob er die Ehre haben solle, das gnädige fräulein zu melden.

"Lasst das," sagte Miss Eton lachend – "ich will selbst aussteigen und mein Willkommen mir suchen, denn diese fleissigen Leute haben keine Zeit zu dergleichen."

Leicht und von dem alten Diener gefolgt, der, im komischen Gegensatze zu diesem Naturzustande, fast noch förmlicher und devoter ward, seine eigene Würde schützend gegen den Andrang dieser Unkultureilte Miss Eton die schmale steinerne Treppe hinauf und flog bei'm Oeffnen der tür in die arme eines jungen, heiter lachenden Landmädchens, das eben so schnell heraus, als Miss Eton hinein wollte.

"Ah, Madame," rief die erschreckte Schöne, schnell zurückspringend – "ich bitte um Vergebungich war so eilig!"

"Und doch werde ich Dich aufhalten müssen, mein liebes Kind," lächelte Miss Eton, "denn Du musst mich durchaus bei Madame St. Albans melden, deren Gast ich zu werden denke."

Ein holdseliger Blitz von Freundlichkeit aus den dunkeln Augen des rotwangigen Kindes schien Elmerice ein recht anmutiger Willkommgruss; und sie schritt nun mit ihrer jungen Begleiterin in den mittlern Raum des Hauses vor, der ein Speisesaal zu sein schien, die ganze Tiefe des Hauses durchmass und seine Fenster nach der andern Seite hinaus hatte. Hier bat das junge Mädchen das fräulein, zu wartenund flog nun leichten Sprunges durch eine der sechs Türen, die sich in diesem grossen Vorsaal öffneten. Miss Eton näherte sich indessen einem der Fenster und sah, dass sich hier gleichfalls kein Baum, keine Gartenanlage zeigte, sondern an einem frisch bestellten Gemüsegärtchen, mit Plankenzaun umhegt, sich ein ziemlich bedeutender Weideplatz anschloss, der aber nur dem kranken, von der entfernteren Weide zurückbleibenden Viehe zur Benutzung diente; seitwärts war eine kleine Anpflanzung von Nussbäumen, und auf diese richtete Elmerice, von den wenig befriedigenden Aussichten sich abwendend, mit einiger Hoffnung ihre Blicke.

Lautes, anordnendes Sprechen nahte indessen dem Salon, bald flog die mittlere tür auf, und eine starke, muntere Frau in tüchtiger häuslicher Kleidung, mit Schürze und rasselndem Schlüsselbunde trat mit geschäftiger Eile herein und nahte sich dem ihr gleichfalls entgegeneilenden fräulein.

"Seid Ihr denn wirklich Miss Eton? meiner lieben Margarit Tochter?" rief sie mit lauter, klingender stimme und drückte, innig davon überzeugt, zwei derbe Küsse auf Elmerice's Wange. – "Nun," sagte sie, ohne die Antwort abzuwarten, und indem ihre stimme plötzlich in Tränen brach, "so hat Gott meinen Wunsch erhörtdenn seht, der Wunsch, sie selbst, oder ihr Kind, oder ihren Lieblingshund, oder ihre Katze, oder ihr Kleid, oder seht nur, so viel als ich auf diesem Nagel halten könnte, von ihr zu sehender hat mich nie verlassen obwohl ich wenig Zeit zu solchen Gedanken habe; denn seht, hier ist ein grosses lästiges Hauswesen, Alles geht durch mich, wo ich nicht bin, gelingt's nicht, was ich nicht tue, unterbleibt, wonach ich nicht frage, vergessen ist es in den andern Köpfen. Aber seht, mein Kind, dazu behielt ich Zeit, und war's während des TischgebetsGott sei mir gnädig! – oder zwischen