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Füsse ruhten. –

"Ja, das dachte ich auchund wusste wohl, wie gern Du es gemocht hättest; – aber Gott will nicht. – Du sollst noch Vieles erlebenich kann das nie begreifen; – denn meine Gedanken haben keine Kraft mehr; – aber das weiss ich wohlDu sollst leben!"

Leonin weinte nun. Er fühlte eine leichte, aber kalte Hand über seinen Kopf streichener hob sich aufFennimor hatte versucht, sich nieder zu beugen; – noch immer hatte sie die reichen Locken, die wie eine Glorie leuchtetensie beschatteten fast ihr feines Antlitz.

"Leonin," sagte sie kaum hörbar – "ich wollte Dich noch so herzlich liebenweil Dich die Welt da draussen so trostlos lässtDu kamst zu spät, ich habe keine Zeit mehr!"

Ihr Kopf war auf Leonins Gesicht gesunkener hielt sie im armedas Kind lag glühend wie eine Rose, mit seinen eignen Händchen spielend, in ihrem Schoosse. –

"Fennimor, geliebte Fennimor, o stirb nichtstirb nicht, ehe Du mir vergeben hast!"

"Du hast mich so sehr geliebt und immer liebst Du mich!" stammelte sie leise. – "Ich komme, mein Vater!" – fuhr sie mit freundlichem Engelslallen fort – "Du hast mein Bitten erfülltich habe ihn wiedernun halte ich auch Wortnimm mich hin, mein Gott! – Mein süsses, kleines Kind! – Mein Leonin! – Mein Vater, ich komme!" –

Das bleiche Haupt, das auf seinem Antlitze ruhte,

ward kalt und schwer. Er fühlte ein leises Zittern durch ihren Körperdann war Alles still und ruhig; – aber sie ward immer schwererer wusste Allesaber er hielt sie fest. – Es war selbst ihr entseelter Körper noch ein Schild gegen den Wahnsinn, der ihn bedrohte.

Da war das Kind leise nach dem kopf seiner Mut

ter hingekrochen; – es wollte sich an ihr aufrichten; aber der leblose Körper gab nach, das Kind fiel in Leonins arme.

Instinktartig fasste er das schöne, kleine Wesen, das

nun die Locken seiner Mutter ergriff und im freudigen Lallen an ihr hinaufsteigen wollte. Die Bäuerin trat hinzu, sie nahm das Kind in ihren Arm und lehnte Fennimor sanft in den Lehnstuhl zurück. Da erfuhr auch sie, was geschehen, und winkte den fern stehenden Arzt herbei, während Leonins Kopf auf Fennimors Füsse sank in jener glücklichen Betäubung, die uns gegen jeden Schmerz unempfindlich macht. Der Arzt legte die Hand auf Fennimors kalte Stirn, er suchte ihren Pulser hatte aufgehört zu schlagen! Lange betrachtete er das süsse, bleiche Engelsantlitz, dann reichte er dem Vikar die Hand, der indessen mit Veronika herein getreten war. "Gönnen wir es ihr!" sagte er milde.

"Lasst uns beten!" erwiderte der erschütterte Vikarund Keiner hielt seine Tränen zurück.

Doch ward diese milde Stimmung rauh unterbrochen durch Emmy's plötzlichen Eintritt. Keiner wagte ihr das Geschehene mitzuteilen; forschend blickte sie die Weinenden ansie stürzte gegen den Stuhlsie ergriff Fennimors leblose Hand und stiess einen wilden Schrei aus. Jetzt erblickte sie Leonins fast eben so leblose Gestalt.

"Mörder! Mörder!" schrie sie – "bist Du gekommen, ihr den letzten Atem zu stehlen? Bösewicht, treffe Dich Gottes Gerichtsein Fluch!" –

"Halt!" rief der Vikar – "stört den heiligen Frieden dieses Engels nicht! Bezwingt Euer ungestümes Herz! Seht Ihr nicht auf diesem Antlitze, dass sie vergebend gestorben ist?"

"Vergebend? ihrem Mörder vergebend?" schrie Emmy Gray. – "Nein, nein, ich will es nicht denken! Sie darf ihm nicht vergeben! Niemals, niemals darf der Fluch dieser Tat von seinem haupt genommen werden!"

Mit Entsetzen sahen Alle, dass der Schmerz, der Hass, den sie, so lange Fennimor lebte, zurück gepresst hatte, jetzt mit der wilden Gewalt der Verzweiflung hervorbrach. Mitleiden und Entsetzen kämpfte in Aller Brust.

Emmy's Augen leuchteten wildsie richtete sie auf Leonins Gestalt, als hoffte sie ihn damit zu tödten. "Bringt ihn weg von ihr! fort, fort! Er hat kein Recht mehr an ihr! Er darf sie nicht berühren! Sie wird entehrt durch seine Nähe!" –

"Fasst Euch!" sagte streng der Arzt – "Ihr handelt töricht und hart! Seht Ihr nicht, dass er fast des Lebens schon beraubt ist?"

"Ha, Ihr tretet auf seine Seite? Ihr habt das Elend schon vergessen, das er gestiftet? Ihr mögt ihm verzeihen? Nun denn, so seid Ihr so schlecht, als er, und auch von Euch will ich mich lossagen! Fort von allen Menschen, fort! Aber mein Fluch bleibt ihm und Allen, die ihn vertreten wollen. Er werde an Allem erfüllt, was er noch zu besitzen und zu lieben wagt! Mein Leben will ich erhalten zur Mahnung seiner Sündemein Tagewerk soll sein, ihn mit meinen fluchenden Gedanken zu verfolgen!"

Sie stürzte in das Heiligtum ihres Lieblings, in Fennimors Kabinet. Dort hörte man einen Fall. Die Frauen wollten ihr nach. "Lasst das," wehrte ihnen der Arzt – "ihre rauhe, unbezähmbare natur bedarf des Ausbrucheswir könnten ihr nicht helfen