beschäftigter Personen. Doch die Zimmer, die vor Fennimors kleinem Kabinette lagen, genossen der Ruhe; – nur die schöne natur sah in die grossen, offenen Fenster!
Jetzt stand er vor dem letzten Zimmer, welches ihn von Fennimors Kabinet trennte. Auch hier konnte sie sein – ob er sie nicht vorbereiten müsse, drängte sich ihm auf. Zweifelhaft und horchend blieb er stehen; er hörte ein Geräusch – aber es war eine Art lachen und lallendes Krähen. Plötzlich trat eine Ahnung ihm näher – er drückte leise das Schloss auf und streckte den Kopf in die Tür. Er hatte sich nicht geirrt! Auf einem grünen Teppiche, der gegen die Fenster hin ausgebreitet war, lag ein holdes Kind im kurzen, weissen Röckchen, das es kaum bedeckte und arme und Beinchen, die in grosser Tätigkeit waren, frei liess. Es machte die reizenden, kleinen Versuche, sich eifrig kriechend fortzuschieben, um die glänzenden Schälchen und Töpfchen, die wahrscheinlich, um es zu seinen Versuchen anzuregen, an den äussersten Enden des Teppichs verteilt waren, zu erreichen. Es ruderte mit den reizenden, rosenroten Füsschen mit einer Schnelligkeit und einem Eifer, dass seine blühenden Wangen noch frischer erscheinen; und je näher es dem glänzenden gegenstand kam, je lauter lallte und krähte es vor Lust und Begierde. Neben ihm sass auf einem Kissen eine Frau in ländlicher Tracht, die, den rücken nach Leonin gewandt, doch bemerken liess, wie zärtlich sie das Kind hütete; denn, wenn das holde geschöpf ausglitt und einen Augenblick auf seinem Gesichtchen lag, ehe die starken Aermchen sich wieder empor arbeiteten, sah man deutlich, wie ihre hände ihm gern zu hülfe gekommen wären. Auch blickte der kleine, fleissige Ruderer sich dann jedes Mal nach ihr um, jauchzte aber nur, wenn sie in die hände schlug, und ruderte schnell weiter.
Leonin wusste, dass es sein Kind sei, und er fühlte vor ihm alle unnennbare Wonne, den ganzen Wahnsinn einer Entzückung, die uns der übrigen Welt entzieht! Er stand jetzt neben dem Teppiche – jauchzend ergriff eben das Kind das blanke Tellerchen – da rollte es hinunter auf Leonins Fuss. Schon kniete er und hielt es ihm hin – das Kind blickte ihn erstaunt an, dann lachte es und griff nach dem Tellerchen. Leonin hielt es ganz bewusstlos in die Höhe – da arbeitete sich das himmlische, kleine Wesen an seinen Knien in die Höhe, und Leonin umschlang es und hielt es, und es langte um so viel höher nach seinem Tellerchen und ergriff es jetzt wirklich, laut jauchzend.
Leonins Herz wollte in Wonne zerspringen! Er hielt sein Kind im Arm; er fühlte, wie er es stützte, wie die kleinen Beinchen, so stark und kräftig sie waren, doch noch immer fort einknickten – und er durfte es halten, an sich drücken, und es scheute ihn nicht!
Die Bäuerin sah still zu. Sie wusste Alles, wie sie den fremden Herrn sah. Für das Natürliche hat der einfache Mensch immer das richtigste Verstehen.
"Bringe ihn mir, Leonin!" tönte es da mit einem Male – ein bekannter, leiser, ach, überirdischer Ton! Aber er liess Leonin erbeben, als ob ein Donnerschlag ihn träfe – er brach fast zusammen, und seine Erschütterung war so plötzlich, dass das Kind davon erschreckt ward, sich in seinen Armen wand und in Tränen ausbrach. "Reginald," ertönte dieselbe sanfte stimme – "o komm her! Leonin, bringe ihn mir!" Leonin sprang mit dem kind im arme auf und flog der Richtung nach. – In einer der offenen Fenstertüren, die nach dem Garten gingen, stand ein hoher Lehnstuhl, der die Richtung nach dem Teppiche hatte. In diesem Lehnstuhl ruhte Fennimors verklärter Geist – so glaubte Leonin. – Er reichte ihr den Knaben auf seinen Knien, und als dieser, gewohnt hier hülfe zu finden, seine Aermchen um ihren Nacken schlang und sich innig in ihre müden arme drückte, und das holde, wunderschöne Kind nun in den weissen Gewändern ruhte, die Fennimors Lichtgestalt umgaben, da sah Leonin einen Engel, der mit seinen weissen Flügeln dies blühende Leben in seinem Schoosse deckte.
Aber sie lächelte verscheidend über das Kind hin ihm zu und hob die bleiche Hand – und diese winkte ihm. Doch der Unglückliche hatte keine Träne, keinen Seufzer, keinen laut! Seine Augen sogen mit jedem Augenblicke mehr so unnennbare Qualen ein, dass es dafür kein Zeichen in der Sprache gibt: sie starb – sie war schon halb verklärt – vielleicht sanken im nächsten Augenblicke diese Augenlieder, und sie war tot!
"Ach, Leonin, ich wusste es wohl, wie Du traurig sein würdest! Aber Gott will es – er hat mir gesagt, ich könne nicht länger leben; – aber für Dich und unser Kind wolle er sorgen – und da bin ich denn ruhig und will zu ihm gehen, da er es will." – Nach einer Pause fuhr sie leise fort, indem sie versuchte, den Kopf gegen Leonin zu beugen: "Ich glaube dabei heimlich, die Trennung wird so streng nicht sein; – denn, obwol mir Gott Nichts sagt, denke ich doch, ich werde noch zuweilen bei Euch sein." Sie lächelte dabei so süss beglückt, als habe sie Gott dies kleine geheimnis abgelauscht.
"O, nimm mich mit!" rief Leonin und stürzte sich mit dem kopf auf das Kissen, worauf ihre