freundlich – wie in ihr ganzes Leben verflochten. "Der bleiche Mann, den ich immer für die Schlange hielt," fuhr sie indessen fort – "der hat ihn von mir getrieben. Armer Leonin, wie sie Dich wohl quälen mögen in der bösen Welt, in der Du leben musst! Ach, wie wollen wir Dich lieben, wenn Du wieder kömmst; – nun hast Du einen mehr, der Dich liebt. Aber dort? Wer liebt Dich dort, wo die Mütter auch sich verhärten können und von Gott abweichen, wie ich jetzt weiss. Da muss Dir das Herz schwer werden! Wo bleibt er wohl, Emmy? – Und ist es lange, dass er fort ist?"
"Er ist indessen mit dem Könige in den Krieg gezogen," stammelte endlich Emmy, die gehässige Lüge kaum über die Lippen zwingend – "und Ihr waret ja lange krank."
Nur allmälig kamen Erinnerungen und Beziehungen in dem zerschmetterten und jetzt durch die vorschreitende Krankheit erschöpften Geist zurück. Schon sank das liebliche Haupt ermattet in den Stuhl; der kurze, fieberhafte Schlummer deckte die glänzenden und doch so tiefe Leiden verkündigenden Augen. Emmy blieb mit dem kind zu ihren Füssen. Sein süsses Lallen störte nicht mehr diesen kurzen Schlummer – wenn es zu ihr drang, ward das schlafende Antlitz immer freundlicher. Auch ihre Träume mussten harmlose Bilder entalten, in welche die ersten Töne der kleinen Kinderstimme hinein passten und sie vielleicht leiteten und belebten. Doch war von dieser Stunde an Leonins Bild neben dem ihres Kindes, und sie begann bei ihren langen, rührenden Gebeten, ihn einzuschliessen und Gott anzuempfehlen – ihm vorzustellen, wie er seine hülfe so nötig habe, da er ihn doch in Versuchungen führe. Wie er doch ja seine Seele behüten möge und immer bei ihm sein! Dann schwieg sie wohl; aber wenn sie fort betete, musste man glauben, Gott habe ihr indessen geantwortet; denn sie sagte: "das wusste ich wohl, dass Du bei ihm bleiben wirst, und will auch nicht um ihn sorgen, da Du es allein tun willst!"
Oft berieten sich die Geschwister mit Emmy und dem arzt über das Schicksal Fennimors, dessen schreckliche Härte sie durch Lesüeur erfahren. Immer mussten sie einig darüber bleiben, dass sie ihr Alles verhüllen müssten.
"Lange brauchen wir es nicht mehr," sagte der Arzt wehmütig; – "das Gras grünt – die Knospen schwellen – wenn die Blumen kommen, werden sie über ihrem grab aufblühen!"
In dem Maasse, als der Ausspruch des Arztes sich zu erfüllen schien, steigerte sich Fennimors sehnsucht nach Leonin – und dies ward dann die Veranlassung der letzten Sendung an Lesüeur. Die Freunde glaubten zu bemerken, dass Fennimor eine Ahnung von ihrer Auflösung bekam. Sie hatte ihre Schwäche, wenn sie darüber zur erkenntnis gelangte, noch immer auf die Geburt ihres Kindes bezogen. Jetzt wünschte sie zuweilen aufzustehen, um die immer kühneren Versuche des kleinen Reginald unterstützen zu können. Sie fühlte nun, dass sie es nicht mehr vermochte und befrug Emmy darum. Ausweichend antwortete das trostlose Weib ihrem hinsterbenden Lieblinge, und es schienen sich an diesen halben Worten in Fennimor Folgerungen zu entwickeln, die ihr Gebet offenbarte. Denn keine andere Mitteilung gab es mehr für sie – die Freunde erfuhren den gang ihrer Gedanken aus den lauten Gesprächen, die sie in ernster, kindlicher Unschuld täglich mit Gott führte. "Du hättest mich doch bei meinem kind lassen können!" sprach sie – "Du hättest nur wollen dürfen, und meine Glieder hätten wieder Kraft gehabt, ihm zu folgen – und Leonin – wie wird er weinen, wenn ich bei Dir bin und er mich nicht mehr sehen kann! Ja," fuhr sie dann fort – "freilich weisst Du Alles am besten – auch gehe ich gern zu Dir, wie Du mir auch glaubst. Aber Dein Leben ist doch auch so schön, und ich muss es lieb haben, so lange Du es mir lässt – nur das Eine lasse geschehen, dass ich ihn wiedersehe, ehe ich sterbe. – Du musst ihn schicken, wo er auch sei – mache ihn los und führe ihn den Weg zu mir, dass ich mich noch recht erfreue an ihm!" Dann hatte sie Antwort bekommen und dankte Gott dafür, dass er ihn schicken wolle. Täglich wiederholte sich dies. Sie wunderte sich vor Gott, dass er nicht komme, und tröstete sich dann wieder durch ein neues Versprechen, das sie vernommen. So lenkte Gott die Herzen ihrer Freunde. Was sie auch mehr oder weniger Alle gegen Leonin empfinden mochten, Fennimor beugte ihren Sinn, ohne dass sie es wollte, und Alle belebte nur noch der Wunsch seiner Ankunft, die Lesüeur ermitteln sollte – die Fennimor jeden Tag schon im Voraus empfand und die durch die täglich näher rückende Stunde ihrer Anflösung immer dringender ward. –
Leonin stieg am fuss des Schlosses aus seinem Wagen und fühlte eine Scheu, ein Beben, sich dem Sterbebette dieser Heiligen zu nahen, welches ihn heran schleichen liess, als dürfe kein Geräusch seine Ankunft verkündigen.
Wie schön war Ste. Roche in dieser ersten Frühlingspracht! Es drängte sich ihm überall auf, ohne dass er geneigt war, es zu geniessen. Durch die Zimmer, durch die er leise strich, wehte in die geöffneten Türen und Fenster der warme Hauch des Maitages. Es war der duftendste, reinste Morgen. In den Zimmern seitwärts hörte Leonin sprechen und das Geräusch