ihnen folgte, nachgedrängt von allen Gegenwärtigen, denen jedoch Henriette von England in der Mitte der beiden Elternpaare voranging.
Wie eine Erscheinung aus höherer Welt, mit der Verklärung eines Heiligen in dem blassen gesicht – erwartete Fenelon das Brautpaar auf den Stufen des Altars. Sein Auge berührte nur einen Augenblick Beide – dann schien es sich in himmlischer Anschauung über die Erde zu erheben.
Seine stimme war zu Anfange so verändert, dass sie etwas Geisterhaftes hatte, und Viktorine sie kaum erkannte. Dann ward sie stärker – zuletzt gewann sie ihre volle melodische Kraft – und als er sich endlich zur Braut wandte, schien er ein feuriger Cherub, gesendet, die Befehle des Herrn zu verkündigen! "Viktorine de Lesdiguères, Zierde Deines Geschlechtes, fühle in Deinen Vorzügen die grosse Anforderung des Herrn! Nicht, w a s Du erlebst, sondern, w i e Du es erlebst – das sei Deine Frage vor Gott! Ihre Beantwortung wird bestimmen, ob Du Deinen Schöpfer ehrst und ihm dankbar bist für die reichen Gaben, die er Dir gab, und die Dir zurufen: ein Vorbild zu werden jeder weiblichen und christlichen Vollkommenheit! – Täusche uns nicht," sagte er, zu ihr gebeugt, und seine stimme bebte in Rührung – "Du bist eine schöne Hoffnung auf dem Wege Aller, die Dich kannten und – liebten!" setzte er kaum hörbar hinzu. – Nach einer Pause schritt er zu den kirchlichen Ceremonien – und Beide waren vermählt.
Nach den Beglückwünschungen der Königinnen und Prinzessinnen, zogen sich die hohen Herrschaften einige Augenblicke zurück, um dem Hofstaate und den jetzt verwandten Familien Raum zu ihren Gratulationen zu lassen. Später ward in den Gemächern der Königin Anna eine geistliche Musik aufgeführt, der die Neuvermählten, zwischen den Königinnen sitzend, beiwohnten. – Am andern Mittage brach der ganze Hof auf. Die junge Gräfin Crecy folgte an der Seite ihres Gemahls, in einer Karosse, mit zwei Kavalieren und zwei Damen der Königin, dem Triumphzuge dieser kriegerischen Vergnügungsreise nach Nancy, dem ersten Ruhepunkte des glänzenden Hauptquartieres. Die begebenheiten des zweiten holländischen Feldzuges zu schildern, gehört der geschichte an. Wir haben keine Berechtigung, in das romantische Bild der Zeit und die Erzählungen der Schicksale einzelner Privatpersonen, die ihr angehörten, die grosse Katastrophe zu verflechten, die einen für sich abgeschlossenen, achtungsvollen Raum begehrt. Nur in so fern diese kleineren menschlichen begebenheiten, die uns vorliegen, sich an diese grösseren Zustände anschliessen, sei es uns erlaubt, ihrer zu erwähnen.
Obwol der Nymweger Frieden, der diesen Feldzug endete, erst sieben Jahre später geschlossen ward, so blieb doch der König und der teil seines Gefolges, der bloss als Hofstaffage des Krieges diente, nicht so lange von seinem glänzenden Schauplatze, von Paris – oder vielmehr von Versailles getrennt, welches Letztere immer mehr in seinem Werte die übrigen königlichen Besitzungen überbot; da die ungeheuern Summen, die an seine Verschönerung verschwendet wurden, es allerdings nach dem damaligen Geschmacke, zu dem prachvollsten Königssitze Europas umschufen. Auch war mit der Gegenwart des Königs bei der Armee, die mit dem Winter endete, die idee, die Frankreich und er selbst nötig hatte, vollkommen erfüllt. Der persönliche Mut, den er bei mehreren Veranlassungen gezeigt, der glückliche, klare blick bei schnellen Entscheidungen, die Gewandteit, womit er anzuregen und hinzureissen verstand, und die imponirende Hoheit, mit der er wieder eben so dem wildesten Strome, den heftigsten Ausbrüchen der Leidenschaften Einhalt zu tun wusste – diese seltene Vereinigung hatte den König in den Augen seines ganzen Volkes zu dem Helden erhoben, den er notwendig darstellen musste, um dem Ehrgeize Aller Genüge zu leisten. Jetzt hatten sie über ihn abgeschlossen, und er konnte für den Augenblick tun, was er wollte – er blieb ihnen der erste Held der Erde! Die Anbetung glich dem Wahnsinne; man fragte den ganzen Reichtum der Sprache nach einem Worte, ihn zu verherrlichen. Man war mit dem Beinamen "des Grossen" nicht zufrieden, und hätte ihn am liebsten "den Göttlichen" genannt.
Auch zog seine Rückkehr die Blicke Aller von der Armee fort – ihm nach! Dieser blutige, langwierige, mit so grossen Kosten geführte Krieg, der die edelsten Stützen der Nation sinken liess, und das Land seiner kräftigen männlichen Jugend auf so lange Zeit beraubte, sank augenblicklich zur Nebensache herab, als Ludwig seinen berühmten Feldherren die Erringung der grossen Erfolge übertrug, die sie unsterblich machten. Die Pavillons, die an dem schloss von Versailles emporstiegen, die Gärten, die Le Notre unerschöpflich war, durch neue Erfindungen umzugestalten, waren weit mehr der Gegenstand aller Mitteilungen bis in die Provinzen hinein, als das grosse und blutige Schauspiel, das Frankreich auf fremdem Boden aufführte.
In den vollsten Taumel dieser Zustände verflochten, kehrten Leonin und seine Gemahlin mit der königlichen Familie zurück. –
Fennimor's Tod war das Hochzeitsgeschenk, das der Marquis de Souvré ihm den Tag nach der Vermählung gemacht! Aber die Maske, die er gelernt hatte vorzunehmen, um diesen ewig lächelnden Hof nicht zu erschrecken, schützte ihn vor dem Verrate seiner Gewissensbisse – der wahnsinnigen Verzweiflung, die ihn zerriss. Denn der Marquis hatte kein Interesse, ihm Fennimor's angeblichen Tod als einen Zufall der kaum erstandenen Wöchnerin zu bezeichnen, wie die Marschallin es wünschte. Den Augenblick der Rache versäumen, nach so langer sorgfältiger Mühe, ihn vorzubereiten, hiess eine Torheit verlangen, die er bloss mit Achselzucken hörte, um Leonin alsdann mit dem vollen Gewichte